Es gibt Städte, die sind einfach so entstanden und gewachsen – und dann gibt es die Planstädte, die wir gern unschön „Städte vom Reißbrett“ nennen. Nicht nur Brasilia in Brasilien ist eine Planstadt, sondern auch zum Beispiel Canberra in Australien oder Abuja, die Hauptstadt von Nigeria. Viele Planstädte mussten ihren Zweck erfüllen und waren daher aus verschiedenen Gründen unumgänglich. Die bekannteste Planstadt Asiens ist wohl Putrajaya in Malaysia, die wie die kleine Schwester Kuala Lumpurs wirkt. Putrajaya entstand zusammen mit der danebenliegenden Multimedia-Stadt Cyberjaya im Jahr 1995 mit dem Zweck, die Landesverwaltung aus einem sich überfüllenden Kuala Lumpur auszugliedern. Dies ist dem Land gelungen! Und da Putrajaya auch nur einen Katzensprung von der malaysischen Hauptstadt entfernt ist, habe ich 2016 im Rahmen meines Asienbesuches dort vorbeigeschaut, weil ich wissen wollte, wie es in einer asiatischen Planstadt aussieht und ob dort so reges Treiben herrscht wie in Städten, die natürlich entstanden sind. Und mein Besuch war nicht nur interessant, sondern ganz anders als erwartet!

Die Stadt vom Reißbrett im Faktencheck

Putrajaya liegt etwa 40 Kilometer südlich von Kuala Lumpur und ist neben der Hauptstadt und der Stadt Labuan eines der Bundesterritorien Malaysias. Putrajaya ist super schnell und einfach mit dem Zug von Kuala Lumpur aus erreichbar, was die Fahrt sehr angenehm und entspannt macht. 90.000 Menschen leben aktuell in der Stadt, jedoch wurde Putrajaya ursprünglich für 300.000 Menschen gebaut. Die Stadtlandschaft wird bestimmt durch künstlich angelegte Seen, riesige Grünflächen, gepflegte Straßenzüge und herausragende Sehenswürdigkeiten, welche die islamisch-malaysische Architektur widerspiegeln. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind die pinke Moschee mit dem zweithöchsten Minarett Südostasiens, die Residenz des Königs und des Sultans, sowie die Residenz des Premierministers. Die Endung jaya wurde übrigens bewusst vom Premierminister gewählt, da dies so etwas wie Erfolg und Perfektion bedeutet. Und glaub mir: das passt sowas von gut zu diesem Ort!

Tipp: Wer Sport mag, der ist hier gut aufgehoben, denn in Putrajaya findet jedes Jahr im Oktober der Triathlon Ironman 70.3 statt.

Unübersehbar: die riesigen Prachtstraßen in Putrajaya mit den gepflegten Grünanlagen.

Auch im Regen schön: der Sitz des Premierministers von Malaysia.

Meine Eindrücke der asiatischen Planstadt

Als ich in Putrajaya ankam, war ich erst einmal überrascht, wie leer es hier war. 300.000 Menschen sollten angelockt worden sein, jedoch konnte davon keine Rede sein. Aus dem gepflegten Bahnhofsgebäude herausgestapft, fand ich mich auf einer riesigen Prachtstraße wieder, die gähnend leer zu sein schien. Die paar Autos, die vorbeifuhren, spielten nun wirklich keine große Rolle, denn die Leere dominierte hier einfach echt krass. Neben der Hauptstraße befanden sich riesige, gepflegte Wohnanlagen, wo fast mehr als die Hälfte der Wohnungen noch leer zu stehen schien. Doch auch, wenn es hier so leer war, fiel mir direkt eines ins Auge: Putrajaya war super grün! Das Wort lush ist eines der Wörter, die ich hier direkt im Kopf hatte. Für die riesigen Grünflächen, die aussehen wie aus dem perfekten Gartenkatalog, gab es ein Dutzend Gärtner*innen, die sich darum kümmerten, dass alles hübsch aussah. Neben den Gärtner*innen waren nur noch eine Handvoll Pendler*innen mit mir auf der Straße, die aber eilig nach dem anderen im Nichts verschwanden. Und auch, wenn alles super gepflegt war wie in einem Sim City Computerspiel, war es so seltsam, dass hier gar nichts los war!

Mein Weg führte mich jedoch unerschrocken weiter ins Herz von Putrajaya, welches am Horizont auf mich wartete. Die riesigen Straßen, Wohnblöcke und die super gepflegten Grünanlagen verließen mich auf meinem Weg dorthin kein einziges Mal. Alles war so pikobello und sauber, was mich immer wieder staunen ließ, da ich das von Asien nicht unbedingt kannte. Malaysia war zwar die Europäerin unter den asiatischen Ländern, doch Putrajaya setzte ihr die Krone auf! Irgendwann erreichte ich einen der künstlich angelegten Seen, hinter welchem das Wahrzeichen der Planstadt thronte: die pinke Moschee. Ja, sie war wirklich pink! Die Farbwahl fand ich äußerst gelungen, denn sie gab der Stadt etwas Besonderes, was es so nicht noch einmal auf der Welt gibt. Daher führte mich mein Weg auch direkt dorthin. Zufälligerweise lag die Moschee direkt neben der Residenz des Premierministers, sodass hier noch eine weitere Sehenswürdigkeit abgehakt werden konnte. Hier fand sich dann auch ein Teil der Menschenmassen, die ich vorher so verzweifelt gesucht hatte: mit Bussen angekarrte Touristen meist chinesischer oder japanischer Herkunft fotografierten sich in allen Varianten vor den Bauwerken. Der andere Teil der Menschen befand sich sicher im Stadtkern, welcher sich in entgegengesetzter Richtung zur Moschee befand. Hier war ich nicht mehr, da es in Strömen regnete, als ich mit Sightseeing fertig war – aber ich bin mir sicher, dass ich nichts verpasst habe, da ich ja schon in Kuala Lumpur gewesen bin. Ich hatte ohnehin ein ganz anderes Highlight!

Die schönste pinke Moschee der Welt: die Masjid Putra.

Selbst die Kuppel ist ein Traum in rosa: in der Moschee von Putrajaya bleibt es pink!

Auf den Spuren des Islams in der pinken Moschee

Mit dem Bau der pinken Moschee von Putrajaya wurde 1997 begonnen. 1999 war das Werk, welches 15.000 Gläubiger beherbergen kann, schließlich vollendet. Nicht nur das Minarett ist das zweitgrößte Asiens, auch die Farbe sticht besonders raus: pink ist wirklich eine gute Wahl gewesen! Und alle, wirklich alles hier war in hellem und dunklen Pink gehalten, abgesehen vom beigefarbenen Marmorboden. Vor dem Haupteingang befanden sich ein paar Infotafeln und Stände mit zahlreichen Flyern zu verschiedenen Themen des Islam, angefangen von den fünf Grundprinzipien, über die Frage nach der Verschleierung, dem Dschihad und auch darüber, warum der Islam heutzutage falsch verstanden wird. Ich fand es super, dass diese Broschüren hier auslagen, denn das Thema Islam ist heute wichtiger denn je! Nach meiner kleinen Runde konnte ich schließlich eine kostenlose Führung mitmachen, die mir ein sympathischer Herr mit Brille und wilden, schwarzen Locken angeboten hatte.

Zunächst zeigte er mir die Innenräume der Moschee, wo es natürlich genauso pink war wie draußen: vom Teppichboden mit Musterung über die Säulen, Türen und Wandverzierungen war alles rosa. Es war so verrückt! Der nette Mann mit freundlicher Stimme und nett lächelndem Gesicht diverse Prinzipien über seinen Glauben; angefangen von den Grundlagen, über Prophet Mohammed, bis hin zu den Gebeten, die er fünfmal täglich in Richtung Mekka praktizierte. Er erklärte mir alles rund um die Moschee als Bauwerk und zeigte mir bestimmte Punkte in der Moschee, die ich zwar schon gesehen hatte, aber nicht genau wusste, wozu sie dienten oder was sie genau bedeuteten. Im Kellergeschoss zeigte er mir die riesigen Waschräume, die mich beeindruckten, da ich gar nicht wusste, wie riesig eine Moschee sein kann! Kurzum: mein Wissen zum Thema Islam wurde an diesem Tag gehörig geupdatet! Zu vieles hatte ich gar nicht gewusst. Mich hat die Moschee in Putrajaya und die Freundlichkeit der Menschen dort sehr beeindruckt. Und da ich an diesem besonderen Ort auch noch etwas gelernt habe, war die Moschee und auch Putrajaya für mich absolut einen Besuch wert. Denn auch an Orten, die unvollendet wirken, können wir so viel lernen!

Die andere Seite von Putrajaya: die Brücke, die mich irgendwie an die Rügenbrücke erinnert. 

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