Ein Mönch posiert vor dem weißen Tempel in Thailand.

Aus dem Dorfbus ausgestiegen und die Hauptstraße überquert, sehe ich plötzlich verschnörkelte, schneeweiße Dächer in der warmen Januarsonne glitzern. Das muss es sein, mein Ausflugsziel für heute! Ich komme mir vor wie eine Märchenfee auf dem Weg zurück in ihr Schloss, so sehr zieht mich dieser strahlend weiße Tempel in Thailands Norden in seinen Bann: ich besichtige jetzt den legendären Wat Rong Khun. Kann es denn wahrhaftig sein? Träume ich, oder bin ich wirklich da? Das ist nicht nur Asien, das ist das perfekte Asien aus dem Reisekatalog! Das ist genau das, was ich neben rauchenden Garküchen und bunten Tuk-Tuks sehen will! Wie ein Palast hat sich der weiße Tempel vor mir aufgebaut und ich habe alles um mich herum vergessen. Das ist wieder ein Moment außerhalb der Zeit; ein Moment, der mir zeigt, warum ich reise: damit ich das Leben nicht verpasse! Und zum Leben in Thailand gehört jedenfalls immer ein Tempel. Doch dieser hier sprengt meine Vorstellungskraft.

Eine märchenhafte Kulisse: der erste Eindruck vom Wat Rong Khun

Jacqui posiert vor dem weißen Tempel in Thailand 2015.Ein Gefühl, wie an einem surrealen Filmset zu sein: der weiße Tempel ist perfekt!

Der beeindruckende Wat Rong Khun befindet sich etwa 13 Kilometer außerhalb der eher weniger pittoresken Stadt Chiang Rai; genauer gesagt südlich, zwischen den Orten Sali und Pa O Don Chai. Er wurde 1997 nach Vorbild des Architekten Chalermchai Kositpipat errichtet und befindet sich tatsächlich noch im Aufbau: erst 20% der märchenhaften, strahlend weißen Tempelanlage sind fertig gestellt. Ich kann es kaum glauben! Ich bin so schon sprachlos genug und kriege die Tür nicht zu. Diese Detailverliebtheit und der gesamte Aufbau des Tempels rauben mir den Atem! So einen schönen Tempel habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Ich bin so glücklich, dass ich hier sein darf! Das war die weite Reise wert…

Betrittst Du das Tempelgelände, wirst Du vermutlich erst einmal nur mit offenem Mund da stehen und glotzen. So war es zumindest, als ich den weißen Tempel das erste Mal besucht habe: alle Leute stehen sprachlos da und lassen die Kameras klicken wie Gamer die Computermäuse. Ich entscheide mich erst einmal, einen Spaziergang rund um den Tempel zu machen, der in einer eingezäunten, sehr gepflegten Grünanlage steht, um einen ganzheitlichen Eindruck zu bekommen. Alle Büsche sind akkurat geschnitten und zusammen mit bunten Blumen und einem See perfekt in Szene gesetzt, sodass ich mir vorkomme wie in einem edlen Königsgarten. Passt irgendwie auch zum Prinzessinnengefühl, welches der Wat Rong Khun in mir auslöst.

Jacqui posiert auf der anderen Seite des weißen Tempel in Thailand 2015.Von jeder Seite eine Augenweide: der Wat Rong Khun ist ein einziger Traum!

Und während ich über das Tempelgelände schlendere, lasse ich die Atmosphäre auf mich wirken: asiatische Touristen posen mit dem Victory-Zeichen vor ihren kitschigen, aber genialen Selfiesticks, Mönche in safrangelben Roben und Flip Flops verlassen den Tempel im Gänsemarsch, zwei europäische Backpacker sprechen einen Wunsch am Wunschbrunnen aus, schnipsen ihre Münzen hinein und Familien mit Kindern besuchen eine der kleinen Ausstellungen, die in kleineren, ebenfalls weißen Gebäuden neben dem Tempel errichtet wurden. Hier ist wirklich alles strahlend weiß mit ein wenig Silber für den Glitzereffekt – doch warum eigentlich? Die Farbe Weiß steht in Thailand nämlich für Trauer, doch für den Architekten Chalermchai stellt sie Buddhas erhellende Reinheit und erleuchtende Weisheit dar. Wohl deswegen konnte das ebenfalls perfekt designte, surreal anmutende Toilettenhaus, was für mich zunächst aussah wie ein weiterer Tempel, wohl auch nicht weiß sein: es ist golden!

Das goldene Toilettenhaus am weißen Tempel in Thailand.Überraschung: das ist kein Tempel, sondern die goldene Toilette.

Der Tempel: von der Hölle in den Himmel

Nun führt mich mein Weg geradewegs in den weißen Tempel, den ich über eine Brücke betrete. Zahlreiche Hände scheinen aus der Erde nach mir zu greifen: das die Darstellung der Hölle, die ich gerade durchschreiten muss, um in den Himmel zu gelangen. Ich sehe einige Krüge und Schädel in ihren Händen und durcheinander gewirbelte Skelette. Die Darstellung der Hölle ist so beeindruckend und einzigartig, dass sie mich gar verschlingt. Der Hölle entkommen, empfangen mich an der Treppe kunstvoll verzierte Figuren mit Schwertern bewaffnet, die mich geradewegs in den Himmel leiten sollen. Die Brücke symbolisiert ebenfalls den Übergang vom Kreislauf des Samsara – also der Wiedergeburt – zu Buddha und seiner Erleuchtung.

Von der Hölle in den Himmel am weißen Tempel in Thailand.Gruselig: die Hände der Verdammten aus der Hölle wollen mich in den Abgrund ziehen.

Von der Hölle aus in den Himmel gehend kann ich über die akkuraten Details der schneeweißen Brücke und Figuren nur staunen. Auch der Tempel selbst, der nun vor mir liegt, geizt nicht mit Details: die kunstvoll geschwungenen Torbögen, das perfekt ausgearbeitete Dach und die Figuren sind nicht nur bewaffnet, sondern tragen Kopf- und Körperschmuck. Als i-Tüpfelchen hört der Tempel einfach nicht auf zu glitzern, was an den silberfarbenen, kleinen Elementen liegt geht, die überall kunstvoll angebracht wurden.

Ich komme mir immer noch vor wie in der Realität meines Mädchen-Prinzessinnen-Traumes, den ich hier leben kann. Fehlt nur noch die Kutsche und der Prinz mit seinem verdammten Gaul! Ganz verzückt träume ich mich bis zum Blick ins Innere des weißen Tempels durch, der jetzt mit etwas mehr Farbe daher kommt. Meine Güte, ist das geil hier! Das denken wohl auch die anderen, denn ich komme immer wieder mit ein paar Backpackern ins Gespräch, die es ebenfalls gar nicht glauben können. Wieso bloß ist der Tempel an sich nicht auf den Listen der Welt zu sehen, welche die sehenswertesten Orte aufzeigen? Und dann ist dieses Highlight in Nordthailand auch noch völlig kostenlos! Unfassbar gut!

Der Eingang zum weißen Tempel in Thailand.Dem Samsara entkommen und geradewegs in Buddhas Weisheit schreiten: der Weg in den weißen Tempel.

So findest Du Deinen Weg zum weißen Tempel

Um zum Wat Rong Khun zu gelangen, hast Du mehrere Möglichkeiten: von Chiang Rai aus kannst Du Dir einen Roller mieten, mit dem TukTuk fahren oder einen lokalen Dorfbus für 20 Baht (50 Cent) nehmen, der Dich auf Anfrage genau am Tempel rausschmeißt. Netterweise wird der Fahrer Dir Bescheid  geben, wann Du aussteigen sollst, denn der Tempel liegt nahe einer Hauptstraße 1, südlich von Chiang Rai, an der es eigentlich keine wirklichen Haltestellen gibt – so, wie wir das aus Asien kennen. Ich habe mich damals für den Bus entschieden, weil ich noch nicht wankelmütig genug war für den asiatischen Linksverkehr ohne Regeln, und habe mir den nur auf Thai beschrifteten Bus von Busfahrern am Busbahnhof zeigen lassen, damit ich auch ganz sicher am Tempel ankomme. Keine Sorge: Thais sind super freundlich. Jeder wird Dir helfen!

Warst Du auch schon mal beim weißen Tempel?

Oder kennst Du einen noch schöneren Tempel, den ich mir ansehen sollte?

Deine Jacqui's Original-Signatur.

 

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