Ein schwimmender Markt im Mekong-Delta in Vietnam, 2016.

Wer nach Vietnam reist, der sollte auf gar keinen Fall das wunderschöne Mekong-Delta im Süden auslassen, dessen bekannteste Stadt wohl Can Tho ist. Die meisten reisen über Saigon (Ho-Chi-Minh-Stadt) ein und fahren direkt hoch in Richtung Hanoi. Doch der kleine Umweg in die andere Richtung lohnt sich: das Mekong-Delta erwartet Reisende mit schwimmenden Märkten, Obstgärten, kleinen Manufakturen; sowie Einblicken in das Leben der Einheimischen und natürlich mit traumhafter Natur. Ich habe damals eine private Tour gebucht und bin sage und schreibe acht Stunden mit meinem super lieben Tourguide in einem hölzernen Longtailboot über den Mekong geschippert. Ein genialer Trip, den ich Dir absolut empfehlen möchte! Erfahre in diesem Artikel, was Du im Mekong-Delta erleben kannst.

Das Abenteuer Mekong-Delta-Tour beginnt

Mein Ausflug ins Mekong-Delta begann wie eine coole Actionstory: morgens um 5:30 Uhr wurde ich von einem alten vietnamesischen Opi auf einem Roller abgeholt, von dem ich dachte, er würde im Schneckentempo durch Can Tho tuckern. Falsch gedacht! Opi gab Vollgas, sodass wir sicher 80 Sachen drauf hatten und ich fühlte mich wie Lara Croft. Ein geiler Moment! In spiegelnden Fensterscheiben sah ich uns nur so dahin rasen und sämtliche Hindernisse wurden hupend umfahren, rote Ampeln übersehen, da zu dieser Zeit sowieso fast niemand unterwegs war. Schon jetzt hatte ich so eine gute Laune, dass ich mich kaputtlachen musste! Ein großer Grund für mich neben der Kultur, Asien zu lieben, ist einfach diese Don’t care Mentalität. Wird schon. Alles easy.

Mein Tourguide war ein älterer Herr mit einem ehrlichen, breiten Lachen und freundlichen Augen. Bevor es los ging, zeigte er mir einen Baguettestand, an dem ich mich mit den unglaublich leckeren Baguettes eindecken konnte, die hier in Vietnam reich gefüllt waren. Nun fehlte nur noch der legendäre, vietnamesische Kaffee, doch den wollte der Tourguide anderweitig auftreiben. In eine Nussschale gesetzt, knatterte ich jetzt über den Mekong in den Sonnenaufgang. Und auch im Halbdunklen war schon eine Menge an den von unzähligen Seerosen gesäumten Flussufern los, welche an der einen Seite von barackenähnlichen Holzhütten mit Wellblechdächern bewohnt waren, an der anderen Seite mit etwas besser gebauten Häusern aus Stein mit Kräuter- und Gemüsebeeten. Hinter den Wellblechhütten auf der ärmeren Seite thronten ein paar hohe Hotels, die sich gegenseitig versuchten, an Klasse zu übertrumpfen und überhaupt nicht in die Landschaft passten. Ich tuckerte vorbei an Menschen, die aus ihren Fenstern schauten und Kaffee tranken, ihr Equipment für den Fischfang vorbereiteten; vorbei an Frauen, die Wäsche oder Geschirr im Fluss wuschen oder in ihrer Hängematte schaukelten. Das Mekong-Delta war vom ersten Augenblick an einfach eine Wucht!

Schwimmender Kaffeestand im Mekong-Delta in Vietnamm 2016.Ein Erlebnis für sich: Kaffee vom Kutter, mittendrin im schwimmenden Markt. 

Ein schwimmender Markt im Mekong-Delta in Vietnam, 2016.Unzählige Boote und wir Backpacker mittendrin: im schwimmenden Markt bei Can Tho. 

Ein Kaffeekutter im schwimmenden Markt

Am Horizont deutete sich nun das erste Highlight an, nachdem wir Can Tho hinter uns gelassen hatten: der erste schwimmende Markt meines Lebens trieb fröhlich vor sich her. Unzählige Boote hatten nebeneinander und kreuz und quer angelegt und verkauften alles, was es auch auf einem normalen Markt gibt: Obst, Gemüse, Fleisch und Fische und Gewürze. Und sie hatten nicht nur ein paar Exemplare dabei, sondern ganze Berge! Damit die Einheimischen aus der Ferne sehen konnten, wer was verkaufte, gab es an jedem Boot eine Bambusstange mit einem aufgehängten Exemplar in einem Netz. Genial!

Es gab sogar eine schwimmende (Auto)-Tankstelle ganz in der Nähe, wo die alten Kutter auftanken konnten. Hier für wurde einfach Benzin in alte Plastikflaschen gefüllt, die dann in den Bootstank gekippt wurden. Typisch einfallsreiches Asien! Was mir gut gefiel war auch, dass sich die vielen Reisenden, die in anderen Nussschalen umhergefahren wurden, relativ gut verteilten. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich, weil ein schwimmender Markt einfach etwas ganz Neues ist für uns aus der westlichen Welt. Ich blickte in so viele lachende Gesichter! Nach einiger Zeit tauchte auch der Kaffee endlich auf: in Form eines Kaffeekutters, auf dem eine Frau Kaffee, Tee oder Kakao zusammen mixte. Der erste starke, vietnamesische Eiskaffee mit gesüßter Kondensmilch war jedenfalls mehr als gelungen und schmeckte noch besser, weil er von dem schwimmenden Kaffeekutter serviert wurde.

Jacqui findet die größte Jackfrucht in Vietnam, 2016.So sehe ich also aus, wenn ich riesige Tropenfrüchte in der Natur finde. Happy!

Ein Reisfeld im Mekong-Delta in Vietnam, 2016.Wie schön, dieses sattgrüne Reisfeld mit eigenen Augen zu sehen!

Eine Reisnudelmanufaktur und echte Lotusblumen

Meine Mekong-Delta-Tour führte mich weiter in einen Seitenkanal des Mekong, der idyllisch und grün bewachsen war. Hier waren nur wenige Häuser an den Ufern gebaut worden, sodass die Natur sich hier voll entfalten konnte. Dschungelfeeling pur! Der Guide legte bald an einer kleinen Reisnudelmanufaktur an, die ein kleiner Familienbetrieb war. Natürlich war das auch Touri-Abfertigung, aber so unaufdringlich und charmant, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Normalerweise meide ich so etwas, aber das hier war wirklich cool. Nach einer kleinen Rundführung durch die Reisnudelmanufaktur, die draußen unter einem Dach malerisch am Fluss inmitten grüner Tropenbäume lag, konnte ich jede Station einzeln durchgehen und mitmachen. Die vorgekochte Reismasse wurde auf einer Art Crepe-Herdplatte verstrichen, nach einer Weile umgedreht und mit einem riesigen Nudelholz aus Korbgeflecht aufgerollt, um die nun fertigen Reisnudelkreise zum Abkühlen auszulegen. Danach wurden diese von mir mit Kokosöl überzogen, um auszuhärten und zuguterletzt wurde der bald hart gewordene Reisnudelkreis durch eine elektrische Schnittmaschine geschoben, an dessen Ende eine Frau saß, die die nun fertigen Reisnudeln in Empfang nahm und auf ein Bananenblatt legte, um sie später darin einzuwickeln. Einfach faszinierend und so interessant, die Produktion mit eigenen Augen zu sehen und mitzuerleben! Handmade, plastikfrei und echt. Genau das, was ich beim Reisen sehen und erleben möchte.

Arbeiter mit Dreieckshut ernten ein Feld in Vietnam, 2016.Arbeiten in der Tropensonne: Farmarbeiter ernten ein Feld ab.

Eine echte Lotusblume im Mekong-Delta in Vietnam, 2016.Echter, pinker Lotus: ein weiterer Grund, warum Mutter Natur immer meine Lieblingskünstlerin sein wird.

Letzte Station im Mekong-Delta: ein Obstgarten

Nach der Reisnudelmanufaktur ging es weiter zu einem zweiten, schwimmenden Markt, auf dem ich endlich meinen Dreieckshut erstehen konnte, den ich seit meiner Kindheit haben wollte. Die kleinere Märkte sind auf dem Wasser irgendwie pittoresker, weil sie etwas ruhiger sind und die Boote kleiner. Im Anschluss legten wir an einem kleinen Dorf an, was zu einem Rundgang einlud. Natürlich war das auch wieder eine Extrastation für die Reisenden, aber wie zuvor auch keine aufdringliche Tourifalle. Ganz im Gegenteil: ich entdeckte riesige Jackfrüchte, sattgrüne Reisfelder und eine Schlange im Wasser. Weiter ging die Tour durch einsame Seitenarme des Mekong, die nur noch Mutter Natur in ihrer vollsten Pracht zeigten. Hier gab es nur riesige Anbaufelder, tropische Bäume und diese verdammten, wunderschönen Seerosen, die unser Boot so sehr vereinnahmten, dass wir am Ende mit mehreren anderen Booten feststeckten und von einem Einheimischen am Ufer gerettet wurden, der die Boote einfach nach und nach herauszog, nachdem er uns herzlich ausgelacht hatte. Ein wahres Abenteuer!

Natürlich durfte auch die Mittagspause nicht fehlen, die im Anschluss in einem netten Restaurant inmitten voller echter, pinker Lotusblumen und echt und wild wachsender Ananas stattfand. Es gab vegetarische Nudelsuppe, die mit Dreieckshut und der traumhaften Umgebung, die ich noch nie in echt gesehen hatte, noch viel besser schmeckte. Als letzte Station auf der Mekong-Delta-Tour besuchten der Tourguide und ich einen Obstgarten, in dem ich so viele exotische Früchte ernten konnte, wie ich wollte, was ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen ließ. Ich liebe Obst! Und ich liebe diesen Ausflug! Normalerweise mache ich eher selten Touren, doch diese war eine der besten, die ich in Südostasien unternommen habe und hat mir bis zum nächsten Tag ein angenehmes Alice-im-Wunderland-Gefühl verschafft. Es war surreal und wunderschön!

In Seerosen feststeckende Boote im Mekong-Delta in Vietnam, 2016.Festgefahren in Seerosen, doch Rettung naht! 

Ein Mann erntet asiatische Birnen in einem Obstgarten im Mekong-Delta in Vietnam, 2016.

Im Obstgarten behelfen sich die Menschen mit einfachen Mitteln, um an ihre Birnen zu kommen.

So organisierst Du Dir eine Mekong-Delta-Tour

Insgesamt dauerte die private Tour acht Stunden und kostete mich nicht einmal 20 Euro mit inkludiertem Trinkgeld. Ein absolut gelungenes Preisleistungsverhältnis! Die Touren kannst Du Dir überall in Can Tho buchen. Da die Touren eigentlich immer in Can Tho starten, ist das der beste Ausgangspunkt für alle Interessierten. Meistens kommen die Gästehausbetreiber direkt beim Einchecken auf Dich zu, denn die Mekong-Delta-Tour ist der Hauptgrund für Touristen, nach Can Tho zu kommen, da die Stadt selbst außer ein wenig hübscher Kolonialarchitektur nicht viel zu bieten hat.

Tipp: Da die Touren so günstig sind, ist eine private Tour lukrativ. Es gibt auch Gruppentouren, die nochmal billiger sind, aber auch so viele Menschen mehr beinhalten, die bespaßt werden wollen, sodass es in eine Gruppenabfertigung ausarten könnte.

 

Warst Du schon mal im Mekong-Delta? Berichte mir von Deiner Tour!

Deine 

Jacqui's Original-Signatur.

 

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