Jacqui mit Regenschirmhut auf der Chinesischen Mauer, China 2016.

Hach, China! 2016 war ich endlich im Reich der Mitte und konnte so viele Erlebnisse von meiner Bucketlist abhaken, die dort seit Kindesbeinen an verstauben mussten. China war eines der Länder, in denen ich zwei Monate von Highlight zu Highlight gerauscht bin und nur zwei Orte nicht ansprechend fand – alles andere war saugeil! Kein Wunder, ist China nicht nur das viertgrößte Land der Welt, sondern auch kulturell, spirituell und landschaftlich ganz anders als Deutschland oder Europa. Mit 1,4 Milliarden Persönlichkeiten wird es ganz sicher nicht langweilig und auch die kulturellen Eigenarten erheitern so manchem Backpacker das Leben. Gerade für mich war es wundervoll, in eine ganz andere Welt einzutauchen und das Leben so zu erfahren, wie es ist. Ich liebe es, wenn ich in Ländern bin, die ganz anders sind als alles, was ich kenne, denn das Neue berauscht mich und macht mich noch mehr verliebt in diesen wunderbaren, blauen Planeten. China war da eine wahre Besonderheit, denn dort beobachtete ich viele Verhaltensweisen, die ich amüsant fand, weil sie für mich neu und unbekannt waren. Ich liebe kulturelle Unterschiede und Eigenarten, darum habe ich Dir nun mal die interessantesten in diesem Artikel zusammengestellt, damit Du weißt, was Dich in China erwarten wird. 

#1 Kartenspiele gehen immer

Wie ich auf langen Zug- und Bahnfahrten gelernt habe, lieben die Chinesen*innen Spiele – ganz besonders das Kartenspiel. Dieses ist neben Schnaps und Snacks in Form von Tierfüßen auf Reisen wirklich super beliebt – so beliebt, dass kurzerhand alles, was brauchbar ist, zum Tisch umfunktioniert wird, wenn keiner vorhanden ist. Meist dienen auf den Boden geworfene Koffer als Tischchen, doch habe ich an einem Flughafen sogar gesehen, dass ein Wage fürs Handgepäck einfach umgeworfen und als Tisch benutzt wurde. Ich fand das super witzig! Doch die Chinesen lieben nicht nur Kartenspiele, sondern auch andere Gesellschaftsspiele – wie etwa Mahjong. In Xi’An habe ich mehr als ein Dutzend Menschen versammelt gesehen, die sich auf einem Platz getroffen haben, um dort Mahjong zu spielen – inklusive zahlreicher Schaulustiger, die begeistert zuschauten. Kein Wunder, dass es in China überall öffentliche Plätze mit Tischen und Sitzplätzen gibt, denn diese sind einfach überlebenswichtig!

#2 Schlürfen, schmatzen und rülpsen am Tisch

Dass die Chinesen*innen am Tisch schlürfen, schmatzen und rülpsen, ist eine der ersten Dinge die wir lernen, wenn wir uns über kulturelle Differenzen und Sitten in anderen Ländern belesen. Einfach, weil diese Sache so ganz anders ist als das, was wir gelernt haben. Für uns eine Unsitte; ist das schlürfen, schmatzen und rülpsen in China das Zeichen des Genusses. In meinen zwei Monaten in China habe ich es kein einziges Mal erlebt, dass jemand die Nudelsuppe zum Frühstück nicht geschlürft hat. Irgendwann habe ich mich sogar dabei ertappt, wie ich lautstark die Suppe schlürfte – lediglich schmatzen ist nicht meins, weil ich da nicht sonderlich appetitlich finde. Gegen rülpsen habe ich dagegen überhaupt nichts, zumal ich bis heute beim Essen und Trinken rülpse, als wäre ich immer noch sechzehn und mit einem Bierfass auf dem Wacken Open Air. Ich finde es wunderbar, dass das Rülpsen in China ein Zeichen des guten Geschmacks ist, denn das ist es für mich auch und ich finde nichts dabei. Trotzdem ist es immer noch lustig, wenn seriöse Businessmänner in Anzügen und die alte Oma neben mir am Tisch so laut rülpsen, dass es das ganze Restaurant hört. Da kann auch ich mir ein Lachen nicht verkneifen!

Mahjong ist hier auf einem Platz in Xi’An genauso wichtig wie das reguläre Kartenspiel.

#3 Bier muss warm getrunken werden

Als ich in Thailand war, habe ich fünf Tage in einem Gästehaus gelebt, welches von einem Chinesen betrieben wurde und wo nur Chinesen*innen wohnten. Wie ich das gefunden habe, weiß ich selbst nicht – jedoch hatte ich dort eine fantastische Zeit, denn da war ich jeden Abend mit den Chinesen*innen beim Essen beisammen. Als wir eines Tages gemeinsam kochten, brachte einer der Gäste einen Karton Bier mit, den er einfach in der Sonne abstellte. Weil ich nett sein wollte, lief ich sofort herüber und legte alle Biere sorgfältig in den Kühlschrank. Kurz vor dem Essen kam er wieder herein und lief zum Kühlschrank, um die Hühnerfüße für die anderen auf den Tisch zu stellen, als er das Bier erblickte. Ich habe wirklich noch nie gesehen, wie jemand fast einen Herzinfarkt erlitten hat, weil das Bier im Kühlschrank gelegen hat: seine Augen wurden riesig, er fluchte auf Chinesisch, lachte sich kaputt und nahm alle Biere wieder mit nach draußen, um sie dort in die Sonne zu stellen. Dann tippte er mir auf meinem Übersetzer ein, dass Bier nicht kalt, sondern warm getrunken werden muss und lachte lautstark. Und glaub mir: alle anderen sahen das genauso! In China genoss ich mein Bier also meistens warm – außer in touristischen Gegenden natürlich.

#4 Privatsphäre ist ein Privileg

Wer einmal in China oder auch in Indien war, der weiß: die Welt ist voll. So voller Menschen! Wo wir denken der Alexanderplatz am Samstagmittag sei eine Zumutung, der soll mal nach China fahren. Dort brauchst Du viel Zeit, denn hektisch durch die Menschenmassen rennen, das geht leider nicht. Die Menschen sind überall und sie sind so viele! Leere Plätze oder einsame Ecken wirst Du nicht so einfach finden, denn Du bist einfach nie allein! So überrascht es kaum, dass Privatsphäre ein Fremdwort ist. Dicht gedrängt neben Fremden in der U-Bahn stehen ist noch harmlos, wenn ich bedenke, wie nah mir Menschen bei Gesprächen gekommen sind, wie oft sie ungefragt Fotos mit mir gemacht haben und wie dicht alle nebeneinander durch die Stadt laufen. Hier ist es kein Problem, jemanden aus Versehen zu berühren oder den Atem eines anderen auf der Haut zu fühlen. Nach zwei Monaten in China kamen mir Singapur und Sydney vor wie Kleinstädte mit drei Bewohnern. Es war krass!

Schlürfen, schmatzen und rülpsen ist nach der Frühstücks-Nudelsuppe absolut erwünscht!

#5 Handys mit Multimedia-Overkill

Auch das habe ich auf langen Zug- und Busfahrten gelernt: die Chinesen*innen haben eigentlich alle hochmoderne Handys, die bis zum Rand gefüllt sind mit allerlei Spielen, Serien und Filmen. Sogar der älteste Opi zockte auf seinem Handy, als gäbe es keinen Morgen mehr – nur, um danach stundenlang einen Film zu gucken und laut zu lachen. Ich fühlte mich dagegen mit meinem Handy, wo nur Musik und Fotos drauf waren, wie eine Amische aus Pennsylvania. Und wer keine Filme auf dem Handy hatte, der hat zumindest immer irgendetwas gestreamt; und zwar überall. In den öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Warten, beim Essen oder auch einfach im eigenen Shop. Die Chinesen*innen wissen, wie sie sich beschäftigen können!

#6 Selfies und Fotos sind Pflicht

Eine lustige Sitte in China – und vielleicht auch in ganz Asien – ist es, überall und von jeder Situation und jedem Ort Fotos, sowie vor allem Selfies zu machen. Die Selfies kommen meist mit dem bekannten Victory-Zeichen daher, welches den Menschen hier praktisch schon angeboren scheint. In China habe ich beobachtet, dass sowohl die Kleinsten, als auch die Ältesten ständig mit Knipsen beschäftigt sind. Oftmals habe ich mich in Situationen vorgefunden, wo einfach ungefragt Bilder von mir gemacht wurden; und das nicht einfach heimlich, sondern direkt volle Kanne drauf los, was mir erstmals einen Einblick in das Leben von Prominenten gab, die von Paparazzi umringt sind. So fühlte ich mich sehr oft in China. Und auch die Selfies wurden oftmals einfach nur mit einem Antippen oder Lächeln signalisiert, dann hatte ich schon jemand Fremden neben mir stehen, der lachend mit Victory-Zeichen neben mir posierte. Ich fand es herrlich und herzerwärmend!

Chinesen knipsen uns Europäer im Jiuzhaigou Nationalpark in China 2016.So fühlen sich als Prominente: diese Aussicht kennen bestimmt viele Reisende.

#7 Angestarrt werden ist normal

In China habe ich zwei Monate lang fast gar keine Ausländer*innen gesehen; außer in den Hotspots vielleicht. Doch es fällt auf, dass im Land eben fast nur Chinesen*innen unterwegs sind. Wenn ich zwischendurch Menschen aus anderen asiatischen Ländern gesehen habe, dessen Gesichter ich nach neun Monaten in Asien deutlich nach Ländern zuordnen konnte – dann ist mir das direkt heftig aufgefallen. Ebenso war es mit Menschen der westlichen Welt. Menschen mit dunkler Hautfarbe habe ich tatsächlich in zwei Monaten kein einziges Mal gesehen. Wenn ich das mit London vergleiche, dann ist das echt ein krasser Unterschied. Daher ist es auch kein Wunder, dass wir Reisende im Umkehrschluss auch immer sehr unverblümt angestarrt werden, denn Reisende sind zwar da, jedoch in dem riesigen Land gut verteilt. Während des gesamten Abendessens vom ganzen Restaurant in einem Bergdorf in Sichuan angestarrt werden war für mich jedoch nicht so wild, da ich das schon aus Indien kannte. Und überhaupt: warum soll Anstarren schlimm sein? Ich starre auch sehr gern, wenn ich Menschen oder Sachen erblicke, die ich selten sehe. Einfach, weil ich sie schön finde und weil ich neugierig bin. Das ist in meinen Augen sehr menschlich und glücklicherweise in Asien – besonders in China – völlig normal.

#8 Chinesische Toilettengewohnheiten

Wer mich kennt der weiß, dass ich ein unkomplizierter Mensch bin, der sich vor kaum etwas ekelt. So auch bei den Toiletten: ich bin bekennender Hocktoiletten-Fan, da diese Form der Toilette in Anbetracht der verkeimten und vollgetropften Toilettensitze, die wir sonst so kennen, die einzig hygienische Alternative für uns Frauen ist. Denn bei einer Hocktoilette hole ich mir keine Krankheiten weg und ich muss auch keinen bescheuerten Skispringer machen, der so schwierig zu balancieren ist. Ich habe somit nie ein Problem mit den Toiletten in Asien gehabt, wobei die Toilettensituation in China auch für mich neu, krass und total witzig war. Anstatt von Hocktoiletten gab es oft Gemeinschaftstoiletten mit einer Rinne für alle. Diese war meistens – aber nicht immer – mit hüfthohen Abtrennern versehen, die keine Tür hatten. Manche Rinnen hatten eine Spülung, die per Timer reguliert wurde, sodass während des Geschäfts noch die Geschäfte der anderen unter einem durchflossen. Doch wer denkt, dass das krass ist, der soll sich einmal das Verhalten der Chinesinnen auf Toilette anschauen: anstatt peinlich berührt zu sein, pupten alle fröhlich laut vor sich hin, machten bei den Geschäften WeChat Sprachnotizen oder zockten auf den Handys. Einige Chinesinnen habe ich auch live dabei gesehen, wie sie ihre vollgesogenen Pads wechselten, denn es störte wirklich gar keinen, dass alle alles hören und auch ein wenig sehen konnten. Auch meine männliche Begleitung hatte mir damals erzählt, dass er auf einer Toilette – mit raren Türen ausgestattet – gesehen hatte, wie ein Chinese beim großen Geschäft rauchte, telefonierte und die Tür einfach sperrangelweit offengelassen hatte. Das ist echt nichts für schwache Nerven!

Genauso verhält es sich übrigens auch in der Öffentlichkeit: hier darf laut gepupt werden und viele Kinder tragen statt einer Windel eine Hose mit Schlitz, sodass bei Bedarf einfach fröhlich losgelegt werden kann. Glücklicherweise bin ich eher der Typ, der beim Gedanken an Popel und Rotze sofort brechen muss, sonst hätte ich mich vermutlich beim Anblick der Exkremente der Kinder hinter der nächsten Ecke übergeben.

Fotos sind ganz wichtig, egal wo, wie und wann. Yangshuo war dafür eine gute Kulisse!

#9 Auf den Boden spucken

Diese Sitte ist eher generell in Asien verbreitet, doch in China ist sie mir neben Indien am ehesten aufgefallen: das ständige auf den Boden spucken. Und zwar nicht nur Spucke, sondern einfach alles, was irgendwie machbar ist. Besonders beim Essen wird großzügig gespuckt, denn Meerestiere mit Schale und auch Hühner- und Schweinefüße haben scheinbar Bereiche, die direkt wieder ausgespuckt werden müssen. So habe ich gesehen, wie sich nach und nach ein kleines Häufchen an Krebsschale und Hühnerfußnägeln auf dem Essenstisch ansammelte, an dem ich mit den Chinesen*innen in Thailand diniert habe. Oft wurde auch während des Kauens geraucht, sodass nach dem letzten Bissen manchmal noch erfrischend auf den Boden gespuckt wurde. Barfuß würde ich dann lieber doch nicht herumlaufen!

#10 Geschlafen wird überall

Auch eine Angewohnheit, die eher in ganz Asien vorherrscht, ist das überall ausgeführte Nickerchen, wofür auch die Chinesen*innen nicht wirklich ein Bett für brauchen. Wo ich in Vietnam oft Menschen gesehen habe, die ihre Hängematte einfach überall aufgehängt hatten (z.B. im Gepäckfach eines Reisebusses oder zwischen zwei Palmen), schliefen die Chinesen*innen an ganz anderen Orten. Ob auf einer mitgebrachten Klappliege, herangelehnt an Fremde im Nachtzug oder gar auf einem parkenden Motorroller – schlafen geht einfach immer, zu jeder Tageszeit und egal bei welchem Geräuschpegel. Ich wünschte, ich könnte das auch, aber ohne Wachsohrenstöpsel und Schlafmaske geht da bei mir einfach gar nichts mehr, da ich zu licht- und geräuschempfindlich geworden bin.

Schlafen geht echt überall und immer, zum Beispiel hier in einer Baustelle in einem Tempel auf einem Berg in Thailand.

 

Welche lustigen Eigenarten sind Dir in China noch aufgefallen?

Deine 

Jacqui's Original-Signatur.

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