Eine alte Burgruine in Yorkshire, Großbritannien 2018.

Im April war ich im wunderschönen Yorkshire unterwegs und habe mich direkt verliebt. Yorkshire ist die größte ehemalige Grafschaft in Nordengland und wird von seinen Mitbewohnern zu Recht „God’s own county“ genannt. Wenn ich Yorkshire höre, dann denke ich nicht nur an den bekannten Tee in der roten Box, sondern auch an unendliche Weiten, tiefe Täler und diese sattgrünen Wiesen, die von Schafen bevölkert und von alten Steinmauern durchzogen werden. Ich denke an die Heide in den Yorkshire Dales; an die Burgruinen und die Aquädukte, die spontan in der Landschaft auftauchen. Ich denke an Sandstrände und raue Klippen, an denen sich die kalte Nordsee zerschlägt. Ich denke ebenfalls an Geschichte, die besonders lebendig in der Stadt York daherkommt. Doch auch Leeds ist als Businesszentrum der Region wirklich viel schöner als vielleicht zu Anfang gedacht und absolut einen Tagestrip wert. Kurzum: Yorkshire war für mich eine der größten Überraschungen auf meinen Roadtrips durch Großbritannien und hat sich für mich zu einer der hübschesten Regionen des Landes gemausert. Was es dort zu sehen gibt, erfährst Du in diesem Artikel!

Überraschend schön: das modern-historische Leeds

Leeds war mein erster Stopp in Yorkshire, da ich von dort aus meinen Mietwagen abholen wollte und ebenfalls die beste Anbindung vom etwa 300 Kilometer entfernten London aus hatte. Mit dem Fernbus kostete die Fahrt nicht einmal zehn Pfund und ich konnte mich mit Bordentertainment nach einem langen Arbeitstag entspannen. Leeds empfing mich abends um 22:00 Uhr mit frühlingshaften Temperaturen, dem üblichen Publärm und vor allem einer Kulisse, die ich gar nicht erwartet hatte. Das sehr gepflegte Leeds vereint mit seinen etwa 475.000 Einwohnern Moderne und Geschichte. Modern sind die Bürogebäude im Business-Distrikt, der Bahnhof, die Malls und die Plätze, auf denen die Einheimischen besonders bei warmen Temperaturen verweilen. Historisch wirkten auf mich die traditionellen englischen Häuser, die Pubs, Denkmäler und Kirchen. Davon kann ich bis heute nicht genug bekommen, denn mir gefällt die Architektur wirklich sehr!

Besonders gefallen hat mir, dass Leeds einfach ein Flair hat, was einen irgendwie fängt. Die Mischung aus Tradition und Moderne ist beeindruckend wie die Tatsache, dass die Stadt sehr sauber und auch grün ist, was nicht immer selbstverständlich ist. Auch wird hier schnell klar, dass die Großstadt nicht nur das gewerbliche, sondern auch das kulturelle und sportliche Zentrum ist. Die Stadt am Fluss Aire hebt sich deutlich von ärmeren Städten wie Birmingham oder Städten mit starken sozialen Problemen wie Oxford (ja, Oxford, denn der Schein trügt!) ab. Toll fand ich auch die Nähe zum Wasser, da Leeds ein kleines Dock hat, wo es sich super entspannt. Leeds kannst Du locker in weniger als einem halben Tag besichtigen, also plane auch unbedingt ein bisschen Genuss ein: für die einen ist das ein tolles Essen, für die anderen ist es Shopping, ein Pubbesuch oder für mich eben mein Gang zum Nagelstudio. Ich fand es wunderbar!

Hier wird Geschichte fühlbar: zauberhaftes York

Als ich meinen Mietwagen abgeholt hatte, ging es für mich direkt in das von Leeds 40 Kilometer entfernte York. Nachdem Leeds schon so geil gewesen war, haute mich York richtig von den Socken. Hier stimmte einfach alles: mein Hostel war das schönste, welches ich jemals in der westlichen Welt beziehen durfte und von Anfang an fühlte ich mich so sehr eingetaucht in die Geschichte, dass ich mir ein bisschen vor kam wie in China, wo ich immer glaubte, in einem Filmset zu sein. Die grauen Ziegelhäuser, die windschiefen Pubs und Gässchen, die Fachwerkhäuser und die Reste der Stadtmauern und Stadttore haben mich gleich von Anfang an fasziniert. Die etwa 140.000 Einwohner große Stadt am Fluss Ouse kommt darüber hinaus mit einem tollen Nachtleben und belebten Märkten daher. Als ich ankam, war es schon fast dunkel in York, jedoch wollte ich unbedingt direkt Sightseeing machen und ließ mich auf einen zweistündigen Spaziergang ein, der mich beeindruckte.

Das York Minster ist die Hauptattraktion in der pittoresken Stadt – und zugleich auch die zweitgrößte gotische Kathedrale in Nordeuropa. Da ich in meinem Leben wirklich genug Kirchen gesehen habe, habe ich diese Attraktion nicht besichtigt, jedoch soll sie einen Besuch wert sein. Ebenfalls sehenswert sind die mittelalterlichen Mauerbauten, welche die Stadt umgeben. Wer der Geschichte noch näherkommen will, der kann den Clifford’s Tower besichtigen. Ich habe mich damit begnügt, meine Spaziergänge durch die Stadt nach einer langen Nacht im Hostel am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein fortzusetzen. Mein Hostel war übrigens ebenfalls in einem historischen Ziegelhaus untergebracht, welches das modernste, sauberste und schickste Hostel war, das ich jemals in der westlichen Welt bewohnt habe. Neben historischen Gemeinschaftsräumen und piekfeiner Einrichtung gab es sogar Hochbetten mit Vorhängen zum Schutz der Privatsphäre, welche ich zuletzt in China erleben durfte.

Wenn du in York bist, darfst Du jedenfalls auch nicht die Snickelways verpassen, welche die engen Gassen sind, die noch aus dem Mittelalter stammen und jeweils vom früheren Marktplatz ausgingen. Die Sickelways sind eingerahmt von windschiefen Fachwerkhäusern, welche Joanne K. Rowling die Inspiration für die Winkelgasse in Harry Potter gaben. Und auch der ehemalige Marktplatz in York ist wunderschön, denn dort kannst Du neben Blumen und Kunsthandwerk auch tolle britische Desserts erwerben, die Dein Süßigkeitenherz höherschlagen lassen. Kurzum: York musst Du genießen. Suche Dir in jedem Falle auch ein tolles Café oder einen Pub aus, um das gesamte Flair auskosten zu können. Du wirst es ganz sicher nicht bereuen!

 

Heidelandschaften und Klippen in den North York Moors

Nachdem ich York erkundet hatte, ging es für mich mit dem Mietwagen weiter in Richtung Whitby. Whitby ist ein Badeort an der Ostküste Nordenglands und liegt mitten in der bekannten Hochebene der North York Moors. Die Moors – wie sie von den Einheimischen genannt werden – sind im Grunde genommen Flusstäler, welche von einer eher braunen Heide- und Moorlandschaft geprägt sind, welche einmalig in England ist. Mich hat die Landschaft sofort an die schottischen Highlands erinnert, die mich ebenfalls sehr beeindruckt haben. Neben der Heidelandschaft gibt es einige Farnflächen an den Hängen, doch Bäume finden sich meist nur in den Tälern. Auch hier finden sich Weideflächen, auf denen überwiegend Schafe grasen, welche von den grauen Ziegelmauern eingeschlossen sind. Neben den Schafen gibt es auch das schottische Moorschneehuhn, welches hier angesiedelt wurde und überall zwischen der Heide hervorlugt. Wer dann nach den unendlichen Weiten plötzlich Lust auf Strand hat, der kann einfach weiter bis zur Küste durchbrettern, denn dort finden sich die beliebten Badeorte Whitby und Scarborough und ebenfalls 200 Meter hohe Karstklippen, die zum Wandern und Bestaunen einladen.

Das etwa 14.000 Einwohner kleine Whitby hat mir jedoch weniger gefallen, da mir nach einem Tag in den einsamen Moors die Menschenmassen einfach zu viel waren. Dennoch hat das Städtchen seinen Charme, denn die Häuser sind wie gewohnt winzig, bestehen aus roten Ziegeln und weißen Holzelementen, es gibt einen Pier mit kleinen Shops und Restaurants, sowie einen tollen Strand mit bunten Holzhütten, wie sie aus Brighton bekannt sind. Das Highlight von Whitby ist jedoch sicherlich die Abbey, welche auf einer Klippe vor dem Strand über der Stadt thront. Da ich hier meinen Mietwagen geparkt hatte, konnte ich auch die wahnsinnige Aussicht über die Stadt genießen, die Du in keinem Falle verpassen solltest. Und wer es abends nach einem Tag in den Moors etwas wilder mag, der kann sich hier bequem einquartieren.

Romantische Einsamkeit in den Yorkshire Dales

Meinen letzten Tag in Yorkshire verbrachte ich mit einem Roadtrip durch die Yorkshire Dales im Westen der ehemaligen Grafschaft, welche mir im Endeffekt sogar noch besser gefielen als die North York Moors. Für mich ergab sich so die perfekte Schleife, denn so endete mein Roadtrip über York und die Ostküste wieder in Leeds, wo ich abends in den Bus zurück nach London stieg. Die Dales, wie sie von den Locals genannt werden, sind die Täler nördlich des Flusses Wharfe und bekannt für die grauen Ziegelmauern, die sich über die sattgrünen Wiesen ziehen, bei dessen Anblick ich immer und immer an das Wort lush denken musste. Das Grün war so intensiv, dass es perfekt zu den grauen, historischen Mauern gepasst hat, welche die Schafe und Kühe einzäunten. Toll fand ich es, einfach durch die Landschaft zu brausen, die Musik voll aufzudrehen und die Einsamkeit zu genießen. Oft musste ich auch auf Parkplätzen mit Aussicht halten, um den Augenblick und den Ausblick zu genießen, denn es war wirklich sagenhaft schön!

Was ich auch toll fand war die Tatsache, dass die Geschichte hier wieder so nah kommt, denn neben den grauen Ziegelmauern in der Landschaft tauchen manchmal einfach Burgruinen auf, welche das Gefühl der romantischen Einsamkeit nur noch verstärken. Unglaublich, dass sich hier auch Spuren der Römer finden! Mit einem langsamen Roadtrip kannst Du die Highlights der Dales in vollen Zügen genießen und ebenfalls in das nächstgelegene Dorf fahren, wenn Du einen Supermarkt oder ein Bett brauchst. Die Dörfer in den Dales waren romantisch und wirklich noch grün hinter den Ohren, doch in jedem Falle super charismatisch. Ich habe dort in einer zur Pension umgebauten Kirche genächtigt, wo ich das riesige Zimmer für mich allein hatte. Die Yorkshire Dales haben mich sehr beeindruckt und wenn Du auch Ruhe und Tiefe suchst, bist Du hier in jedem Falle gut aufgehoben!

 

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