Ein Weihnachtsmann surft in Australien. Quelle: Pixabay

Weihnachten 2016 durfte ich zum ersten Mal in Australien verbringen – genauer gesagt in Sydney. Mein drittes Weihnachten mit umgekehrter Jahreszeit sollte – wie die zwei zuvor auch – am Strand stattfinden. Für mich gibt es zu Weihnachten in einem Land, wo im Dezember Sommer herrscht, einfach keine andere Wahl! Damit war ich gerade in Australien in guten Händen, denn der Strand spielt an Weihnachten eine besondere Rolle in Down Under. Und auch sonst ist das Weihnachtsfest dort ganz anders als Zuhause, was ich nicht nur interessant, sondern toll fand, da es meine erste und vermutlich auch letzte Weihnachtserfahrung in Australien war. Was die Aussies anders machen und wie die Feiertage im Land der Kängurus und Koalas ablaufen, habe ich dir in diesem Artikel passend zum Deutschen Weihnachtstag zusammengestellt!

Australische Weihnachtsimpressionen

Kurz vor Weihnachten 2016 war ich überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung. Kein Wunder: es war australischer Hochsommer mit 30 bis 33 Grad Außentemperaturen und es gab weit und breit keine Spuren von Weihnachtsmärkten, schneeverschneiten Landschaften, Glühwein oder deutschen Süßigkeiten wie Lebkuchenherzen oder gebrannten Mandeln. Ich kam gerade aus dem Outback mit meinem Travelmate Max, wo es noch einmal heißer war als in den Städten. Das einzige, was mich an Weihnachten erinnerte, waren die in großen Städten aufgestellten Tannenbäume mit üppigen Christbaumkugeln, die in allen Farben leuchteten und die ebenso zahlreich aufgehängten Lichterketten, die schon aus Deutschland bekannt sind.

Einheimische hatten ihre Häuser so heftig dekoriert wie in amerikanischen Weihnachtsfilmen und die Werbung an Häusern, vor Geschäften, im Radio und im Fernsehen zeigte ausschließlich weihnachtliche Bilder, wie wir sie kennen: mit Schnee, dem Weihnachtsmann und Familien vor dem Kamin. Alle Läden verkaufen Weihnachtsartikel, von der Plastiktanne bis hin zu weihnachtlichen Süßigkeiten, die aber eher amerikanischen oder britischen Ursprungs waren. In den großen Städten laufen sogar als Weihnachtsmann verkleidete Personen herum, die für diverse Firmen arbeiten und sich sicherlich unter ihrem Kostüm totschwitzen. Alle Einheimischen sind fröhlich und absolut in Shoppinglaune, was ich mit meiner komplett fehlenden Weihnachtsstimmung und der umgekehrten Jahreszeit sehr seltsam fand. Ich kam mir vor wie im falschen Film!

Der Weihnachtsbaum von Sydney. Quelle: PixabayDer Weihnachtsbaum von Sydney erschien mir im sommerlichen Winter 2016 komplett surreal!

Australisches Weihnachten: so geht’s

Genau wie in Großbritannien und in den USA findet die Bescherung am 25. Dezember statt, denn das ist der eigentliche Weihnachtstag. Schon am Morgen werden alle Geschenke geöffnet und am Mittag gibt es ein riesiges Weihnachtsfestmahl, dass sich die Tische biegen. Am Nachmittag wird in netter Runde bereits getrunken und es werden Gesellschaftsspiele oder die Xbox zum gemeinsamen Zocken ausgepackt. Doch das ist nur eine Variante des australischen Heiligabends, denn viele Familien verschwinden nach der Bescherung am Morgen direkt zum Strand, um sich einen Platz am Barbecue zu sichern und mit Familie, Freunden oder Unbekannten zusammenzusitzen. Die Nachmittagsspiele und auch das traditionelle Besäufnis werden dann an den Strand verlegt, denn an diesem Tag drückt Australien ein Auge zu und erlaubt das öffentliche Trinken von Alkohol.

Der zweite Weihnachtstag – also der 26. Dezember – ist der Boxing Day, der alle Leute zum Shoppingexzess einlädt. Es gibt satte und oftmals sogar höhere Rabatte als beispielsweise am Black Friday im November, sodass die Läden, Malls und Innenstädte bombenvoll sind. Da mir insbesondere Sydney an diesem Tag zu voll war, bin ich mit meinen Freunden morgens schon direkt auf ein Open Air gefahren und habe bis zum Abend durchgetanzt.

Der Bondi-Beach in Sydney ist an Heiligabend 2016 restlos überfüllt.Ein beliebtes Ziel für Einheimische und Reisende an Weihnachten: der Coogee-Beach, hier noch nicht vollständig überfüllt. 

Mein Weihnachten in Sydney

Da ich nun aber deutscher bin, als ich glaubte zu sein, musste ich in jedem Falle am 24. Dezember 2016 meinen Heiligabend haben. Das war auch kein Problem, denn zusammen mit meinem Travelmate auf Zeit, der aus Halberstadt kam, besuchte ich in Sydney auch eine Freundin aus Berlin, die nach Australien ausgewandert war und ebenso am 24. Dezember feiern wollte. Ihre Mitbewohnerin kam aus Estland, wo Heiligabend am selben Tag gefeiert wird, wie ich erfreut feststellen durfte. So kochten wir gemeinsam ein Weihnachts-Dinner mit vegetarischem Geschnetzelten, Backkartoffeln mit Möhren und Sauerkraut. Es gab Weißwein und ein paar Geschenke – alles draußen auf dem Balkon bei fast 30 Grad am Abend. Mir kam das alles eher vor wie ein normales, nettes Essen mit Freunden, aber irgendwie so gar nicht wie Weihnachten. Es war trotzdem wunderschön zu wissen, dass niemand an dem Tag, der da war, den wir aber nicht gefühlt haben, alleine sein musste!

Am australischen Heiligabend – also den für uns ersten Weihnachtsfeiertag – führten alle Wege zum Coogee Beach. Meine Berliner Freundin hatte für uns entschieden, dass wir hier hingehen, weil der Bondi Beach noch viel voller sei als dieser hier. Als wir ankamen, konnte ich das kaum glauben, denn schon der Coogee Beach war so voll wie der Victoria Terminus in Bombay zur Rush Hour. Wohin das Auge reichte, sah ich nur Menschen. Menschenmassen im Wasser, im Sand, oberhalb des Strandes auf dem kleinen Barbecue-Platz, an langen Campingtischen, auf Picknickdecken, auf Campingstühlen und unter den Duschen. Natürlich erschien hier auch das Klischee vom heißen, australischen Surfer mit Waschbrettbauch und längeren Haaren – wohl aber mit Weihnachtsmütze. Fast alle Leute trugen weihnachtliche Accessoires und tranken Alkohol in der Öffentlichkeit, was ich bisher nicht aus Australien kannte. Doch da die Polizei an Weihnachten ein Auge zudrückt, war ich in 3-2-1 dabei!

Jacquis vegetarisches Weihnachtsessen an Heiligabend in Sydney 2016.In Estland ist Heiligabend nicht nur ebenfalls am 24. Dezember, auch das Essen ist wie in Deutschland.

Am 26. Dezember – dem Boxing Day – gab es für meine Freunde und mich nach dem Ausschlafen nur ein Ziel: wir wollten auf ein Open Air gehen. Dieses Tagesrave, was in Berlin zwar normal, in Australien aber untypisch ist und nur mit Sondergenehmigung stattfinden darf, fand auf einer Tanzfläche mitten zwischen Hochhausschluchten statt. Statt den abgefuckten Berliner Bretterbuden gab es eine blitzblank geputzte Tanzfläche mit sauberen Sitzecken, die immer wieder gereinigt wurden, statt den Kellerkindern mit großen Tellern, dreckigen Sneakern, Glitzer im Gesicht und Turnbeuteln gab es piekfeine Kleidchen mit Heels, Hemden und Buntfaltenhosen – mit Tellern. Meine Berliner Freundin, die wie ich alternativ lebt und gepierct und tätowiert ist, und ich selbst stachen total aus der Masse raus, doch das war kein Problem, denn wir hatten einen Mordsspaß und waren nach wenigen Stunden so hacke, dass wir den ganzen folgenden Tag zum auskomern brauchten. Denn zwölf Stunden steppen waren mit den Sonderöffnungszeiten des Raves locker drin gewesen!

Mein Fazit: Das australische Weihnachten kam mir aufgrund der Jahreszeitenverschiebung eher vor wie eine nette Feier mit Freunden. Ich hätte mir auch vorstellen können, dass die Menschenmassen am Coogee-Beach nicht wegen Weihnachten, sondern wegen eines anderen Feiertags dagewesen sein könnten, denn Weihnachten am Strand zu sein ist immer noch etwas, mit dem meine Empfindungen Probleme haben. Doch da sich an alles gewöhnt werden kann, freue ich mich schon auf Weihnachten 2018 – mein viertes Weihnachten am Strand (von Thailand)! Dennoch war es eine Erfahrung, in Australien Weihnachten zu feiern und von der ausgelassenen und fröhlichen Stimmung angesteckt zu werden. Es gibt für mich nichts Schöneres, als fremde Kulturen zu fühlen!Auf einem Open Air in Sydney an Heiligabend 2016.Zeit, völlig auszurasten: auf dem Tagesrave in den Hochhausschluchten von Sydney.

Warst Du an Weihnachten mal in Australien? Wie gefiel es Dir?

DeineJacqui's Original-Signatur.

 

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren:

88 Tage Farmwork in Australien: das ist der einfachste Weg!

Gefühlsachterbahn auf Reisen: wie ich in Australien mit einem Hippie durchgebrannt bin

Mehr als Sydney, Byron und Nimbin: Geheimtipps für den australischen Bundesstaat New South Wales

 

 Bildquelle: Das Titelbild und das Bild des Christbaumes in Sydney stammen von Pixabay.

Share: