Das Barossa Valley in Australien 2016.

Wow, wo fange ich an? Wie höre ich auf? Wieso passieren all diese Dinge und wo werden sie mich hinbringen? All die Entscheidungen, die ich jetzt treffe, beeinflussen meine Zukunft, verändern sie; machen mich mehr zu der Person, die ich eigentlich sein soll – die ich eigentlich bin. Anicca – rede ich mir ein – Anicca sind Veränderungen, die ich akzeptieren soll; so habe ich es in meiner ersten Vipassana in Malaysia gelernt. Und trotzdem bin ich verwundert, dass mir diese Veränderung so weh tut, sodass ich sie fast gar nicht akzeptieren kann oder will. Ich bin da irgendwie hineingeschlittert und ich weiß, dass ich mich an nichts festklammern soll. Buddha’s Lehren hallen durch meinen Kopf und ich finde keine Ruhe. Ich höre stets auf mein Herz, also lasse ich alles los. Ich akzeptiere die Veränderung, den Schmerz und ich beobachte mich selbst wie eine dritte Person von Außen. Warum passieren diese Dinge? Welchen Grund haben sie? Und was ist mit mir in den letzten zehn Monaten passiert?

Gedanken-Cut. Nach sechs aufregend chaotischen Wochen der Gefühlsachterbahn bin ich nun unheimlich klar im Kopf und ich kann immer noch nicht fassen, was passiert ist. Ich wusste, Australien wird alles verändern – deswegen war ich auch so mega aufgeregt, als ich in den Flieger gestiegen bin. Das neunmonatige Asien-Kapitel abgeschlossen, war ich nun bereit für das, wovon ich noch keinen blassen Schimmer hatte. Für eine krasse Veränderung, die ich fühlen, aber nicht benennen konnte. Kennst Du das, wenn Du einfach nur todesaufgeregt bist und nicht weißt, warum? Aber Du fühlst, dass etwas passieren wird? Es ist der Wahnsinn! Ich erinnere mich noch ganz genau an den Flug von Singapur nach Australien. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich niemals geglaubt, dass die bis dato wichtigste Person meines Lebens alsbald mein Exfreund sein würde… Niemals hätte ich damit gerechnet, niemandem geglaubt, jeden Zweifel in den Wind geschlagen. Ich hielt an meiner Illusion fest wie wir Berliner*innen am Techno, aber es nützte nichts. Bald schon würde er Geschichte sein.

Frühling in Adelaide, Australien, 2016. Kalte Ankunft in Adelaide 2016: Frühling herrscht zumindest nicht in meiner Ex-Beziehung.

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Handlungen

Völlig verschwitzt öffne ich die Tür zum Barossa Backpackers Hostel, lege mein Schneckenhaus ab, atme durch und dann sehe ich ihn. Einen nett lächelnden Typen in meines Alters mit dunkelbraunen, langen Haaren, einem sympathischen Bart und strahlenden Augen; dicht geparkt hinter seinem Laptop, auf dem er ein Game zockt. Mir entweicht ein fröhliches Hello, how are you, dann checke ich erstmal ein. Ich verschwende keine Sekunde mehr an den Mann, sondern falle zurück in die Probleme mit meinem Ex: ständige Streits, es passt einfach nicht, ergo keine Lust auf irgendwas. Ich möchte mir das echt nicht mehr geben… Vielleicht könnte ich mich heute Abend dezent betrinken. Gesagt, getan. Nach isolierten Stunden im Dreibettzimmer wage ich mich wieder hinaus und treffe den braunhaarigen Typen wieder. Lässig steht er vor mir und begrüßt mich wieder so unglaublich freundlich, wie er es schon vorhin tat. Wir stellen uns vor und nun erkenne ich auch an seinen Klamotten, dass er ein Hippietyp ist. Ein Hippie mit Lippenpiercing und diesen wunderschönen, braunen Augen, in denen ich mich verlieren könnte… Wir kommen ins Gespräch und fortan bestimmt das Universum, dass ich jetzt ein neues, imposantes Lebenskapitel aufschlagen werde, was ich weder erwartet, noch herbeigesehnt habe. Nur an einen winzigen Gedanken erinnere ich mich, der irgendwann meinen Kopf kreuzte: Wann werde ich endlich wieder ich selbst sein und die Dinge tun, die ich so schrecklich vermisse? Ein erstes Warnsignal, dass meine alte Beziehung bald zerbrechen würde, doch wie gern verdrängen wir die Warnungen, die uns manchmal heimsuchen? Es ist verrückt, doch wenn wir das gehen lassen, was nicht für uns bestimmt ist, kommen die Menschen, Erlebnisse, Umstände und Dinge in unser Leben, die es für uns sein sollen, um uns wirklich glücklich zu machen. Und wenn wir manchmal nicht dazu bereit sind, das gehen zu lassen, was nicht für uns bestimmt ist, übernimmt das Universum diese Handlung für uns. Gedanken und Gefühle werden uns immer warnen…

Im Hostel von Tanunda in Australien, 2016.Der Heile-Welt-Schein trügt: ungeplanter Lebenstapetenwechsel zwischen Partys und Farmwork in Tanunda.

Höre auf Dein Herz, denn es weiß, was Du brauchst

Ich kann es nicht mehr leugnen, bereits nach wenigen Tagen, die wir mit ausgiebigen Gesprächen, Bierchen und Van-Hot-Boxing verbringen, ist da diese heftige Connection zwischen dem Hippie-Typen und mir. Wir haben so viel gemeinsam und wir lachen so herzlich, wie ich es seit Monaten nicht mehr getan habe… Ich bin dabei, mich halsüberkopf zu verlieben und weil ich damit nicht gerechnet habe, fahre ich die krasseste Gefühlsachterbahn seit 2012 – ich weiß weder wo oben, noch wo unten ist. Dabei will ich das doch gar nicht! Habe doch eigentlich etwas ganz anderes geplant! Doch der Kopf so: Du weißt nicht, was Dein Herz braucht. Mir wird langsam glasklar: mein Herz braucht genau das. Ich will mich auf alles einlassen. Und nachdem ich meinen Ex gehen ließ, weil es einfach nicht mehr funktioniert und da keine Liebe mehr ist, lasse ich alles geschehen. Denn das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt… Aus tiefen Gesprächen mit dem Hippie-Typen werden irgendwann zarte Berührungen, während wir im TV-Room sitzen und irgendeinen Film schauen, der uns beide nicht die Bohne interessiert. Aus zarten Berührungen wird Händchenhalten und bald folgt der erste Kuss; draußen im Schatten der Nacht auf den leeren und kalten Frühlingsstraßen von Tunanda, dem 5.000 Einwohner-Herz des Barossa Valleys, in dem ich jetzt wohne. Ich realisiere plötzlich, wie sehr es um mich geschehen ist. Ich lasse mich darauf ein, denn es fühlt sich richtig an. Aus Küssen wird bald mehr; wir erleben unser erstes Mal auf einer einsamen Landstraße im abgefuckten Hostel-Van und nur die vorbei hüpfenden Kängurus sind Zeugen dieser noch geheimen Liebschaft, die ich ungern in die Öffentlichkeit trage, immerhin ist mein Ex erst seit kurzer Zeit Geschichte… Doch ich kann meine Gefühle nicht ändern, nicht leugnen, nicht verbiegen. Ich habe das nicht geplant und ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll. Auf einmal wieder 16. Ich fühle nur, dass das alles nie passiert wäre, wenn es mit meinem Ex eine Zukunft hätte geben sollen…

Jacqui und James mit Koala in Australien, 2016.Nach 27 Jahren ist es endlich passiert: ich habe meinen Soulmate gefunden, der genauso ist wie ich und dasselbe vom Leben will. 

Alles passiert aus einem Grund

Und heute, zehn Monate, nachdem wir uns das erste Mal getroffen haben, könnte es nicht schöner sein. Wir leben und arbeiten nun zusammen auf Zeit in London und haben große Zukunftspläne, denn er möchte auch genau das, was ich im Juni 2016 für mich beschlossen habe: wir wollen rund um die Welt leben und arbeiten und uns nicht auf einen Ort oder Land festlegen. Nicht dauerhaft zurück gehen nach Europa oder Asien, wo er geboren ist. Wir können immer zurück gehen, wenn wir keine Lust mehr haben. Aber so weit wird es nicht kommen. Es gibt so viele Orte auf der Welt, wo ich gerne leben möchte, so viele Länder, die ich fühlen will – allen voran Indien – und dann sind da noch Neuseeland, Japan und Südafrika… So viele Länder, die es rechtfertigen, nicht mehr zurückzukehren in mein geliebtes Berlin. Ich will durchbrennen. Mit dem Typen, den ich liebe. Der mein Soulmate ist. Ich will die größte Romanze erleben, die ich seit ich 15 Jahre alt bin permanent in meinem Kopf abspiele wie ein Kino: ich will mit meinem Herzensjungen und meinem Backpack rund um die Welt reisen und mein Aussteiger-Leben leben; glücklich sein, von Ort zu Ort ziehen. Die Gesellschaft hinter mir lassen und einfach Ich sein. Für mich gibt es nichts Romantischeres als das… In dieser Geschichte habe mich endlich selbst wiedergefunden; ich bin mehr denn je die Person, die bis zum September 2016 verschwand. Das war die scheiß Angst, die mich heimsuchte, als mein Ex aus meinem Leben verschwand, alle Mal wert! Es war ein langer, harter Kampf mit der Vergangenheit, der Gegenwart und mir selbst, doch ich werde immer meinem Herzen folgen und immer mit dem Flow gehen. Und ich kann nicht anders als es zugeben: das ist wieder eine typische Jacqui-Geschichte, die niemand glaubt, die so seltsam ist, dass ich mit niemandem Erfahrungen austauschen kann, denn die Erfahrung hat niemand gemacht. Eines ist klar, das ist wieder so ein Ding, an das ich mich für immer erinnern werde. Denn ich habe es einfach getan: ich habe meine Komfortzone und meinen ohnehin illusorischen Sicherheitsbereich verlassen. Ich bin durchgebrannt. Durchgebrannt mit einem Hippie am anderen Ende der Welt!

Der Big Ben in London, 2017.Von Australien nach London: unsere Liebe hat 20.000 Kilometer überstanden und ist lebendiger denn je.

 

Was ist Deine romantische Liebesgeschichte von unterwegs? Erzähle sie mir in den Kommentaren!

Deine 

Jacqui's Original-Signatur.

 

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