Ein Backpacker auf Felsen am Meer.

Seitdem ich im November 2015 alle Zelte abgebrochen habe und nur noch meinen Träumen und meinem Herzen folge, habe ich auf meinen Reisen schon einige Menschen getroffen, die es nicht fassen konnten, dass ich mich dazu entschieden habe, rund um die Welt zu leben und zu arbeiten und – wenn überhaupt – erst in später Zukunft sesshaft zu werden. Dann auch nicht in Deutschland, sondern in Asien. Wie krass. Mutiger Schritt. Ob ich denn nicht Angst um meine Rente hätte? Oder ob ich nicht bald Kinder haben möchte? Oder meinen Problemen davon laufe? Nein. Ich bin glücklich und habe diesen Weg bewusst gewählt, da ich davon überzeugt bin, dass das Leben ein Wunschkonzert ist und ich mir meine Träume erfüllen darf, weil ich es kann. Weil ich hart dafür gearbeitet habe. Weil ich glücklich sein möchte. Und weil ich sterben muss. Es ist einfach zu sagen, dass wir unsere Reiseträume „später“ in Angriff nehmen, doch warum es in 90% der Fälle meistens nicht mehr zu einem „später“ kommt und Du daher in jungen Jahren reisen solltest, erfährst Du in diesem Artikel.

Unser Traumdenken von „später“ ist „heute“

Ich weiß es noch genau: als Teenie und Anfangzwanziger haben alle immer gesagt das mache ich später. Oder auch: später, wenn ich groß bin, werde ich… Ja, wenn ich groß bin. Dann werde ich eine Weltreise machen. Nach Neuseeland gehen. Einen Roadtrip durch Europa machen. Ich will auf jeden Fall die Welt sehen, sagen wir mit 16 Jahren. Aber erst später. Erst mache ich das, was die Gesellschaft erwartet und absolviere brav Studium oder Ausbildung. Egal, ob ich eigentlich sofort los möchte oder nicht. Erst einmal schlucke ich meine Herzenswünsche herunter und funktioniere. Und nebenbei träume ich davon, mir meine Träume zu erfüllen. Aber eigentlich bin ich immer noch hier, wo ich jetzt gerade gar nicht sein will. Kann ich nicht auch später hier sein?! Warum müssen meine Träume später sein? Klingt hart, ist aber leider wahr.

Wer erst einmal aus dem Elternhaus ausgezogen ist, der ist irgendwie schon im später. Nach Ausbildung oder Uni sowieso. Und trotzdem ist alles immer noch später. Weil wir irgendwie noch nicht realisiert haben, dass wir inzwischen erwachsen sind und uns unsere Träume selbst erfüllen müssen. Es wird sicherlich niemand kommen, uns an die Hand nehmen und alles mit uns machen, wovon wir immer geträumt haben. Du kannst es nur selbst schaffen. Auch, wenn es weh tut. Wenn Du nicht realisierst, dass später heute ist, wirst Du irgendwann aufwachen und merken, dass Du alles verpasst hast. Das Problem ist, dass Du später wirklich verpassen kannst, denn für manche Wünsche ist das heute die perfekte Zeit. Denn in Zukunft wirst längst ein anderer Mensch sein. Und Du weißt ja gar nicht, wie alt Du wirst. Und was wäre, wenn? Hätte-Hätte-Fahrradkette wird Dich bis an Dein Lebensende fest im Griff haben. Und was Du einmal verpasst hast, kannst Du nicht mehr aufholen. Es wird immer ein Loch in Dir hinterlassen.

Wegweisende Lebensschilder.Nimm Deine Träume ernst und erfülle sie Dir, bevor Deine Gesundheit und Energie schwinden.

Warum es wichtig ist, Deine (Reise)Träume zu leben

Stell Dir vor, Du bist 80 Jahre alt und liegst auf Deinem Totenbett. Um Dich herum Deine Liebsten und Dir hallt nur eine Frage durch den Kopf: wie war mein Leben? Du siehst es an Dir vorbeiziehen und stellst fest, dass Du nicht wirklich glücklich warst. Dass Du immer nur das gemacht hast, was die Gesellschaft von Dir erwartet hat. Du hast brav die Schule besucht, studiert oder eine Ausbildung gemacht und dann bis ins hohe Alter fast 50 Jahre gearbeitet. Verstehe mich nicht falsch. Eine gute Ausbildung ist wichtig; aber nicht darum, um ohne Pause durchzuknechten, sondern, damit sie Dir das Leben ermöglicht, was Du führen willst. Damit die Bildung Dir einen Job verschafft, der Dir Deine Träume bezahlt und nicht nur Rechnungen.

Zwischendurch hast Du ein geheiratet, Eigentum erworben und Kinder bekommen. Doch Deine Kinder hast Du wegen Deines 40-Stunden-Jobs kaum aufwachsen sehen, Freunde an Zeitmangel verloren. Wenig Zeit für Deine Liebsten oder gar für Dich gehabt. Doch eigentlich wolltest Du vor Deinen Kindern eine Weltreise machen. Eigentlich wolltest Du mal ein Jahr in Australien leben. Eigentlich wolltest Du Pinguine in der Antarktis sehen, auf Bali Dschungeltempel erkunden und auf den Philippinen tauchen lernen. Dann wolltest Du das auch Deinen Kids zeigen, damit diese sehen, wie schön die Welt ist. Und doch sitzt Du immer noch auf demselben Sessel in demselben Wohnzimmer wie damals mit Mitte 20, als Du Deine Träume begraben hast.

Ein Van fährt durch die Wüste.Und Tschüss! Wie geil ist es, vom Davonbrausen zu schwärmen? Doch das atemberaubendste Gefühl ist: es wirklich tun.

Wir leben das Leben eines*r Anderen

Jetzt schaust Du zurück und realisierst, dass Du nichts von dem gemacht hast, was Du eigentlich tun wolltest. Du hast es Dir vielleicht einmal erlaubt, die Pyramiden von Gizeh im Rahmen eines durchgeplanten Familienurlaubs zu sehen. Oder mal die Füße ins Mittelmeer getaucht. Croissants in Paris gegessen. Aber mehr war da nicht. Du hast Deine Träume für die Gesellschaft begraben, dessen Druck auch mir unfassbar auf den Schultern lag. Ich weiß genau, wie es sich anfühlt, diesem zu unterliegen; der mir vorschreiben will, dass ich Akademikerin sein muss, arbeiten muss, Kinder haben muss und sesshaft sein muss. Dass ich erst an meine Träume denken darf, wenn ich in Rente bin. Reisen ist sowieso nur Flucht oder eine Dauerparty. Sagen die Leute, die ihre Reisepläne dem Zwang wegen ausradiert haben. Ich falle jetzt aus der Reihe. Bin eine Verweigererin. Will mich nur auf der faulen Haut ausruhen. Bin eine Schmarotzerin, weil ich nur phasenweise für andere, aber 24/7 selbstständig für mich arbeiten will. Damit wurde ich konfrontiert, damit werden wir Freigeister und Reisesuchtis konfrontiert. Doch eines habe ich seit meinem Abflug vor fast zwei Jahren gelernt: es ist mir egal! Es ist kein Ding, ein Leben zu führen, was andere nicht verstehen.

Wir müssen dies, wir müssen das. Nein! Wir müssen nichts außer sterben. Und bevor wir sterben, hauen wir doch bitte auf die Kacke, denn wozu sonst sind wir geboren, als zum Leben? Und warum darf ich mein Leben nicht selbst gestalten? Genau da liegt der Punkt: wer möchte unglücklich sterben? Richtig, niemand. Es gibt einen interessanten Artikel, in dem eine Palliativpflegerin, die alte Menschen beim Sterben begleitet hat, erzählt, was diese am meisten in ihrem Leben bereut haben. Unter den Top 5 sind unangefochten: ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben; ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet; ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein. Ist das nicht traurig?!

Ausblick aus einem Flugzeug auf schneebedeckte Berge.Auf Reisen siehst und lernst Du so viel kennen: Naturwunder, Bauwerke, Menschen und vor allem Dich selbst. 

Warum Dein „Aber“ hält Dich aufhält  

Es gibt keinen Grund, Deine (Reise)Träume aufzuschieben oder sie gar fallen zu lassen. Es klingt abgedroschen, aber wir sind nicht auf der Welt um so zu sein, wie uns andere gern hätten. Wir sind hier, um glücklich zu sein. Um zu leben. Natürlich ist der Gesellschaftsdruck groß, doch die einzige Person, die Dich aufhält, bist eigentlich nur Du selbst. Wir haben das Glück, in der ersten Welt zu leben, somit haben wir keine ernsthaften Beschränkungen für unsere Träume. Somit können wir uns umdrehen, abwenden und unser Ding machen. Alles, was wir wollen, können wir auch erreichen.

Und dann kommen wieder diese Gedanken: aber ich muss doch erst das und das tun. Aber ich kann doch nicht einfach alles abbrechen und eine Zeit lang reisen. Aber ich kann doch nicht meinen Job kündigen. Aber ich habe doch gar kein Geld. Ich kann es leider wirklich nicht mehr hören. Natürlich erfordert es Mut, für sich und seine Träume einzustehen, doch sind diese Abers nichts als Ausreden. Eigentlich kannst Du schon. Der Job wird mit Sicherheit nicht Dein letzter sein, schon allein wegen den inzwischen gängigen Befristungen. Auch Deine Wohnung wird sicherlich nicht die sein, in der Du noch mit 45 Jahren lebst. Und die Sache mit dem Geld: in den meisten Ländern dieser Welt liegen die Lebenshaltungskosten pro Monat weit unter der Hälfte von Deutschland. Das kann sich nun wirklich jeder mit einem Job leisten… Und für Ziele wie Australien, Japan oder Neuseeland gibt es immer noch Work and Travel Optionen und Arbeitsvisa. Die Frage bleibt: warum machst Du es nicht einfach? Das einzige Aber, was akzeptabel ist, ist eher eine Rechtfertigung: aber weil ich sterben werde, reise ich jetzt um die Welt.

Fußspuren im Sand.Etwas selbst mit eigenen Augen sehen und mit Leib und Seele erfahren ist Tausend Mal schöner, als nur davon zu hören.

Was Reisen in jungen Jahren bewirkt

Hast Du eigentlich auch ältere Bekannte, die immer gesagt haben, dass sie reisen werden, wenn sie in Rente sind? Wie viele von denen sind dann im Rentenalter wirklich losgezogen? In Anbetracht der ungeheuren Menge an nicht reisenden Rentnern*innen ist die Sache klar: nur ganz, ganz wenige setzen diesen Traum um. Das hat verschiedene Gründe: zum einen fehlt die Gesundheit und Energie, die es erfordert, mit Backpack um die Welt zu reisen und lokale Transportmittel wie mit Tieren und Menschen überladene Überlandbusse in Laos oder vollgestopfte Züge in Indien zu benutzen, die nur wenige Sekunden halten und dann wieder losrollen, sodass ein langsames Aussteigen nicht möglich ist. Zum anderen ist es schwierig, als Renter*in in Hostels zu schlafen, da viele alte Menschen ihre Ruhe brauchen und ungern ihre Privatsphäre aufgeben. Ausflüge und einmalige Erlebnisse wie Fallschirmspringen, Tauchen lernen oder Surfen lernen sind ebenfalls Dinge, die nicht mehr unbedingt möglich sind. Ein komplett anderes Klima, Landesbedingungen und Input sind meist zu viel. Auch haben ältere Menschen nicht unbedingt das Geld, was sie fürs Reisen ausgeben möchten, da sie ihre Wohnung nicht aufgeben können oder wollen; oder – ganz hart auf den Punkt gebracht – ihre möglichen Reisepartner*innen oder auch sie selbst sind gestorben.

Wenn Du Dich aber entscheidest, in jungen Jahren Deinen Reisetraum zu leben, erlebst Du die Magie des Reisens intensiver als im Alter: Du bist nicht nur fit und agil, kannst Klimazonen und harten Bedingungen trotzen und hast die Welt gefühlt, so wie sie ist; Du wirst vor allem in Deinem persönlichen Wachstum profitieren. Du wirst von Innen so stark wachsen, dass es Dir möglich wird, Deine Flügel weit auszuspannen und mutig in das Leben zu fliegen, was Du leben möchtest. Du wirst auf Reisen lernen, wer Du wirklich bist und wohin Du mit Deinem Leben wirklich gehen willst. Dann wirst Du auch dorthin gehen. Keine Kompromisse mehr machen, die Dich benachteiligen. Keine Zweifel mehr haben. Kein für, wenn und aber. Keine negative Energie mehr mit Dir herumtragen, sondern positiv in alle Richtungen strahlen. Du wirst genau da ankommen, wo Du ankommen sollst; wohin Du mit Deinem Leben sollst. Du wirst reifer werden, entspannter und taffer. Du wirst 100%ig zu Dir selbst stehen und Dich nicht mehr für Dich entschuldigen. Die Entwicklungen, die beim Reisen gemacht werden, sind in der Zeitspanne Zuhause unmöglich. Aus verschiedenen Gründen. Und nebenbei wirst Du unglaublich ruhig und befriedigt sein, weil Du die Welt gesehen hast. Du kannst nun in Ruhe sesshaft werden und weißt, dass Du nichts verpasst hast. Und die Lektion über das Leben, das Dir verschiedene Länder und Kulturen erteilt haben, wirst Du tief in Dein Herz einschließen und nie wieder verlieren.

Kurzum: Reisen in jungen Jahren bedeutet zwar, dass Du Deine Wohnung, Deinen materiellen Besitz und Deine Sicherheiten aufgibst. Du hängst Deinen Job an den Nagel und Du zahlst auch nichts für die Rente ein. Freunde und Familie bleiben zurück. Doch vergiss nie: Reisen ist das einzige, was Du kaufen kannst, was Dich reicher macht. Und innerlicher Reichtum, der in pure Glückseligkeit und Zufriedenheit mündet, ist wohl eines der erstrebenswertesten Erfahrungen im Leben, die dem Leben erst seine Bedeutung geben.

Bist Du auch dafür, in jungen Jahren zu reisen?

Deine

Jacqui's Original-Signatur.

 

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Hinweis: Die Bilder aus diesem Artikel stammen von Pixabay.

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