Gestern jährte sich der Christopher Street Day hier in London zum 46. Mal. Der sogenannte Gaypride ist und war für mich immer ein sehr wichtiges Event, an dem es teilzunehmen galt, denn ich bin selbst bisexuell. Ich hatte nie ein Problem mit meiner Sexualität und habe immer offen dazu gestanden, dass ich Frauen und auch Männer geliebt habe, denn ich kann mir meine Liebe nicht aussuchen. Sexualität ist etwas, das passiert – ich kann nicht entscheiden, ob ich Männer oder Frauen liebe. Und ich muss es auch nicht, denn Liebe ist nicht nur die einzige Wahrheit, die wir kennen, sondern auch eine der schönsten Erlebnisse im Leben und eine der wichtigsten Erfahrungen, die gemacht werden kann. Ich bin entsetzt und traurig zugleich, dass Homo-, Bi- und Transsexualität im 21. Jahrhundert immer noch in mindestens 73 Ländern unter drakonische Strafen und auch unter die Todesstrafe gestellt werden, denn Liebe ist niemals strafbar und niemals unnatürlich. Mein halber Freundeskreis ist homo- oder bisexuell, ich hatte zwei Bekannte, die im falschen Körper zur Welt kamen und ich kämpfe daher nicht nur für meine Rechte, sondern auch für die meiner Freunde, Bekannten und aller Fremden, die sich dazuzählen. Glücklicherweise gibt es dann auch noch den CSD, mit dem wir einmal im Jahr unsere Stimme erheben können. Wir sind wichtig! Wir gehören dazu! Und auch, wenn es immer weiter bergauf geht mit dem Verständnis der Menschen, gibt es Orte auf der Welt, die eher zu meiden sind. Ich möchte Dir in diesem Artikel daher die besten Orte für uns Bisexuelle, Lesben und Schwule in Europa vorstellen, damit Deine nächste Reise rundum gelingt!

1. London, Großbritannien

Meine temporäre Heimat ist nicht nur eine multikulturelle Stadt der Superlative, sondern auch eine der tolerantesten und schillerndsten Hauptstädte in ganz Europa. Der Bi- und Homosexuellenkiez Soho bietet alles, was LGBTQI-Reisende brauchen: es gibt bunte Bars, Clubs und vor allem Toleranz. Soho ist neben dem West End das Epizentrum der Szene in London, wobei es auch neue trendige Viertel wie etwa Vauxhall gibt, wo Homos, Bis und Heterosexuelle gleichermaßen entspannen können. In London gibt es darüber hinaus ein LGBTQI – Touristenbüro, welches nur wenige Gehminuten vom Leicester Square entfernt ist.

Es gibt mehrere Veranstaltungen für Lesben, Schwule und Bisexuelle, wobei die größte Feier auch gleichzeitig die größte Demonstration ist: Der Gay Pride zieht jährlich über 500.000 Besucher an, weswegen er auch einer der größten Prides in Europa ist. Im Rahmen des Prides finden viele Veranstaltungen wie etwa ein Filmfestival, Ausstellungen, Lesungen und Theater statt. Ich hatte das Glück, in diesem Jahr auf einem Float meiner Firma Booking.com zu sein, was eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens war. Ich gehe seit 2007 jedes Jahr zum Gay Pride und war in verschiedenen Städten rund um den Globus, doch in London stundenlang auf einem Float zu tanzen, während einem 500.000 Menschen zujubeln, war eine der größten Gänsehautmomente meines Lebens. Es war der Wahnsinn! Und wie das Bild aus der Tube so schön sagt: in London kannst Du wirklich jeden lieben.

Für die Impressionen des London Pride 2018 sind wohl keine Bildunterschriften nötig. Es war wundervoll!

2. Barcelona und Gran Canaria, Spanien

Die katalanische Metropole Barcelona gehört nicht nur zu den beeindruckendsten Städten Europas mit einer tollen Altstadt, einer atemberaubenden Kathedrale und tollen Mittelmeerstränden, sondern ist auch eine tolle Stadt für Schwule, Lesben und Bisexuelle. Die meisten Gay Bars, Clubs und Unterkünfte befinden sich im Stadtteil Eixample, welcher modern und trendig ist. Neben der jährlich stattfindenden Pride-Parade ist Barcelona auch für das Kinofestival FIRE!! – Mostra Internacional de Cinema Gai i Lesbià bekannt, welches mit seinen unabhängigen Spiel- und Dokumentarfilmproduktionen jeden Sommer LGBTQI-Reisende aus der ganzen Welt anlockt.

Ein weiteres Reiseziel ist Gran Canaria, welche auch als größtes Gay-Reiseziel in Europa bekannt ist. Da Spanien sehr homofreundlich und frei ist, hat sich rund um Playa del Inglés und Maspalomas über die Jahre eine lebendige und schillernde Szene entwickelt, die äußerst beliebt ist. Gran Canaria wirbt inzwischen sogar mit seiner Szene und Homo- und Bisexuellenfreundlichkeit als ein Ort, an dem sich die Menschen nicht verstellen müssen und entspannen können. Das klingt in jedem Falle nach einer lohnenswerten Reise!

3. Berlin und Köln, Deutschland

Meine Heimatstadt Berlin ist bekannt für verschiedene Dinge: wir sind arm, aber sexy, unsere Technopartys gehen von Freitag bis Montagmorgen nonstop, Du kannst aussehen und machen was Du möchtest und Leute werden Dich nie verurteilen – und Du kannst lieben, wen Du willst. Berlin bietet eine wirklich große Auswahl an LGBTQI-Bars, Clubs, Saunas, Klamottenläden oder Veranstaltungen. Auch, wenn der Nollendorfplatz in Schöneberg im Westen der Stadt das Epizentrum der Szene ist, kannst Du wirklich in ganz Berlin einfach bi, homo oder transgender sein, ohne, dass Dir jemand etwas tut, denn es gehört einfach dazu. Wir Berliner*innen sind super tolerant und haben auch wirklich schon alles gesehen. Die Berliner Ausgabe des jährlich stattfindenden CSDs ist eine der freizügigsten Erlebnisse überhaupt – Nacktheit und explizite Sexszenen werden hier öffentlich gemacht. Neben der Pride-Parade gibt es noch das Schwul-Lesbische Stadtfest in Schöneberg, welches im Rahmen des CSDs stattfindet. Hier war ich immer ein gern gesehener Gast! Darüber hinaus gibt es seit 2014 sogar einen ersten Friedhof nur für Lesben, welcher sich in Prenzlberg befindet.

Auch Köln ist ein super Reiseziel für alle Schwulen, Lesben und Bisexuellen der Welt. Seit den 1980er Jahren hat sich die Stadt zu einer Hochburg der Szene entwickelt, was sich zum einen aus dem riesigen Angebot ergeben hat: es gibt zahlreiche Bars, Clubs, Restaurants und Vereine für Bi- und Homosexuelle in Köln, beispielsweise im Bermudadreieck und in der Schaafenstraße in der Innenstadt. Auch hier gibt es einen jährlich stattfindenden CSD, auf dem ich 2007 war. Die Kölner*innen sind bekannt für Ihre Offenheit und Toleranz, sodass es für Bi- und Homosexuelle auch leichter ist, in einen Job einzusteigen, einfach, weil so viele Gleichgesinnte beispielsweise in den Medien arbeiten. Auch Stadt und Verwaltung haben mittlerweile erkannt, dass Schwule, Lesben und Bisexuelle ein wichtiger Teil der Stadt sind. Der Durchbruch der Anerkennung geschah bereits 1999, als der Bürgermeister der Stadt die Regenbogenfahne vor dem Rathaus gehisst hatte. Respekt und Toleranz werden hier großgeschrieben!

2010 hatte ich es schon einmal auf einen Float geschafft – hier mit meiner guten Freundin Dani. 

4. Amsterdam, Niederlande

Amsterdam ist ein Mekka in Sachen schwul-lesbischem Entertainment bei unseren niederländischen Nachbarn. Die Grachtenstadt mit seiner wunderbaren Architektur und den lockeren Gesetzen in Sachen Marihuanakonsum ist ohnehin schon eine der entspanntesten und schönsten Städte in ganz Europa, doch ist sie ebenfalls bi – und homofreundlich. Es gibt unzählige Bars und Restaurants, die jeden Geschmack bedienen dürften. Eine der bekanntesten Adressen ist das Café T Mandje, welches bereits 1927 als eine der ersten Gay-Bars der Welt eröffnet wurde. Die meisten Lokale befinden sich in der Warmoestraat und in der Regulierdwardsstraat, wo es sogar einen LGBTQI-Coffee Shop namens The other side gibt. Der bekannteste Club für Schwule ist der Cockring, wo keine Frauen zugelassen sind. Dort gibt es wilde Orgien in Darkrooms, Massagen mit Happy End und Strip Shows zu genießen.

5. Reykjavik, Island

Bi- und Homosexualität wird in Island nicht nur toleriert, sondern zelebriert! Island ist eines der am weitesten entwickelten Länder dieser Erde, sodass Schwule, Lesben und Bisexuelle rechtlich vollkommen gleichgestellt und im Parlament und in den Medien stark vertreten sind. Es gibt Institutionen und Vereine zu ihrer Unterstützung, wovon ebenfalls Transgender und queere Menschen profitieren. Viele sprechen bei Island auch von einem Regenbogenparadies, welches sich daher zurecht als eines der Top Reiseziele für Schwule, Lesben und Bisexuelle gemausert hat. Island hat am ehesten erleichternde Gesetze für die Rechte der Bi- und Homsexuellen erlassen und seit 2015 erlaubt die Isländische Staatskirche sogar kirchliche Trauungen, was ein wichtiger und notwendiger Schritt in die Zukunft ist. Für Reisende gibt es daher in Island zahlreiche Möglichkeiten, in die Szene einzutauchen. Da die Toleranz und Offenheit so groß ist, gibt es in Reykjavik keine Notwendigkeit für einen Gaykiez, da jedes Unternehmen Schwule, Lesben und Bisexuelle unterstützt. Es gibt zwar eine explizierte Gaybar namens Kiki, jedoch hängen auch andere Lokale und Bars die Regenbogenflaggen aus, ohne auf die Szene spezialisiert zu sein. Darüber hinaus gibt es ebenfalls jährlich eine für Island riesige Prideparade mit 100.000 Besuchern (das Land hat nur etwa 340.000 Einwohner) und das Reykjavik Rainbow Festival. Island ist ein wahres Paradies für uns!

6. Wien, Österreich

Die charmante Kaiserstadt Österreichs wurde vor Kurzem als Stadt des Jahres von den LGBTI Awards ausgezeichnet. Kein Wunder, denn die Szene in Wien florierte schon vor Jahrhunderten. Homo- und bisexuelle Kaiser*innen, Kriegsherren, Prinzessinnen und Komponisten*innen lebten einst hier, wo heute selbst die Ampelmännchen gleichgeschlechtlich Händchen halten. Das Kulturangebot für Schwule, Lesben und Bisexuelle ist in Wien sehr hoch. Regenbogenflaggen wehen im Wind und die pinken Wochen, die mit dem Life Ball, dem Songcontest und dem CSD kommen, machen den Sommer noch viel schöner. Das Zentrum der Wiener Szene ist der sechste Bezirk Mariahilf, wo sich immer mehr Lokale und Geschäfte zwischen Naschmarkt und Gumpendorfer Straße als Treffpunkte für die LGBTIQ-Szene anbieten. Zum Hotspot wurde der Bezirk dank der Rosa Lila Villa, die vor über 30 Jahren als erste Adresse für die Szene fungierte. In Wien befindet sich übrigens auch das Sissi-Museum, welche besonders bei Schwulen eine Art Ikone geworden ist.

7. Kopenhagen, Dänemark

Kopenhagen ist eine der freiesten Metropolen der Welt. Die dänische Hauptstadt wurde bereits als schwulenfreundlichste Destination aller Zeiten vom Lonely Planet ausgezeichnet, was unter anderem daran liegt, dass bereits seit den 1980er Jahren gleichgeschlechtliche Partnerschaften und seit 2012 auch die Homoehe erlaubt sind. Damit war Dänemark das erste Land in Europa, welches gleichgeschlechtliche Paare auch vor dem Gesetz unterstützte. Die attraktive LGBTQI-Szene ist in Kopenhagen im Stadtteil Vesterbro aktiv, wo auch das Rotlichtviertel liegt. Es gibt zahlreiche Unterkünfte, Bars, Restaurants für die Szene und darüber hinaus den jährlich stattfindenden Gay-Pride. Seit dem Jahr 2014 wurde sogar ein Platz zum Rainbow Square umbenannt worden – als Erinnerung an die Forderung nach gleichen Rechen für alle Menschen. In Kopenhagen befindet sich außerdem die älteste Schwulenbar in ganz Europa: das Centralhjørnet besteht seit 1917.

8. Mykonos, Griechenland

Während Spanien gleich mehrere Orte für die LGBITQ-Community unter der strahlenden Sonne hat, hat sich diese in Griechenland hauptsächlich auf die Insel Mykonos konzentriert. Mykonos ist bereits seit den 1960er Jahren ein beliebtes Reiseziel für die Szene, weil die Insel weltoffen, freundlich und tolerant ist. Die Gay-Hotspots befinden sich auf Mykonos an der West- und Südküste, wo sich u.a. wunderbare Restaurants, Clubs und Bars befinden. Der bekannteste Strand ist der Super Paradise Beach, welcher die Hauptlocation für Schwule, Lesben und Bisexuelle ist. Das beliebteste Partyviertel heißt Klein Venedig, wo die ganze Nacht der Bass scheppert. Es gibt Drag Shows, Gogo-Tänzer und den Open Air Club Cavo-Air-Disco.

9. Paris, Frankreich

Paris hat seit langem den Ruf, eine sehr lebendige und gut etablierte Homo- und Bisexuellenszene zu haben. 2008 wurde dort der erste schwule Bürgermeister gewählt, was für das sonst so konservative Frankreich eine Sensation war. Die Stadt der Liebe hat die größte LGBITQ-Community im ganzen Land und bietet viele Treffpunkte, Hotels, Clubs und Bars, die es zu erkunden gilt. Besonders der Stadtteil Des Marais, welches das dritte und vierte Arrondissement einschließt, gilt als Gaykiez, wo sich ein Laden an den nächsten reiht. Neben dem jährlich stattfindenden CSD gibt es auch eine spezielle homosexuelle Literatur- und Theaterszene, welche aus dem Alltag der Schwulen und Lesben berichtet. Für August 2018 ist in Paris ein ganz besonderes Event geplant: die Gay Games 2018. Diese sind das größte Sportereignis für Schwule, Lesben, Bisexuelle und deren Freunde.

10. Stockholm, Schweden

14 Inseln, 50 Brücken und beeindruckende Architektur – so in etwa können wir uns Stockholm vorstellen. Gerade im Winter ist die schwedische Hauptstadt ein Kindheitstraum, der mit viel Schnee und goldenen Lichtern daherkommt. Da auch Schweden sehr weit entwickelt ist, wird Bi- oder Homosexualität von der Mehrheit der Menschen akzeptiert und willkommen geheißen. In Stockholm gibt es daher keinen wirklichen Bezirk für die Community, da sich bi- und homofreundliche Etablissements über die ganze Stadt verteilt haben. Regenbogenflaggen hängen wie in Reykjavik auch an Bars, wo Heteros hingehen, was ich persönlich klasse finde! Es gibt natürlich aber auch klassische der LGBITQ-Szene, wie etwa der Kolingsborg-Club, das Zipper oder Leder- und Uniformclubs wie das SLM. Im überall ausliegenden QX Magazin können sich Lesben, Schwule und Bisexuelle über weitere Events informieren, von denen der Pride das bekannteste sein dürfte. Es gibt schwul-lesbische Stadtrundführungen und eine Ausstellung von homoerotischen Skulpturen des Künstlers Carl Milles, welcher diese im Kunstmuseum Millesgården ausstellt.

11. Brüssel, Belgien

Brüssel ist die kosmopolitische und tolerante Hauptstadt Belgiens, welche durch ihren Ausländeranteil von 30% multikulturell daherkommt. Die Brüsseler LGBITQ-Szene ist vielfältig, diskret und konzentriert sich auf das Zentrum der Altstadt und den Grand Place. Besonders die zwei Straßen Rue du Marché au Charbon und Rue des Pierres sind ein wahres Bi- und Homoparadies. Hier gibt es Saunen, Bars und Clubs für internationales Publikum, für jüngere, für ältere und auch eine Drag Show. Die bekannteste Gayparty von Brüssel ist La Démence, welche einmal im Monat stattfindet. Natürlich gibt es auch hier jeden Sommer einen CSD, der die Massen anzieht.

12. Helsinki, Finnland

Helsinki ist das Zentrum für Schwule, Lesben und Bisexuelle in Finnland. Außerhalb der Hauptstadt geht nicht viel, da das Land ohnehin nicht sonderlich dicht besiedelt ist. Die Szene in Helsinki ist übersichtlich, aber vielfältig, wie der kostenlose Gay-Guide beweist. Es gibt zahlreiche Restaurants, Bars, Clubs und sogar Strände und Saunen für das homo- und bisexuelle Publikum. Der bekannteste und größte Gayclub in ganz Skandinavien steht hier: das DTM. Abgesehen davon sind angesagte Treffpunkte das Lost&Found oder das Hercules. Auch in Helsinki findet jeden Sommer die Pride-Parade statt.

 

Welche ist Deine Lieblingsstadt?

Deine

Jacqui's Original-Signatur.

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