Chinesen knipsen uns Europäer im Jiuzhaigou Nationalpark in China 2016.

Biggi und Flo von Phototravellers haben kürzlich zu einer Fotoparade mit dem Namen „Die schönsten Fotospots der Welt – und die Wahrheit dahinter“ aufgerufen, was direkt mein Interesse geweckt hat. Denn auf meinen vielen Reisen ist mir genau dies immer wieder passiert: meine romantische Verklärung bestimmter Orte wurde wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Viele Orte der Welt sind wahnsinnig schön, doch vergessen wir so oft, wie es dahinter wirklich aussieht. Ob Menschenmassen, Müllberge, kaputte Häuser und Ruinen inmitten einzigartiger Natur – ich habe schon alles entdeckt. Gern ist das wieder vergessen, wenn das Bild im Kasten ist, denn nur die guten Erinnerungen zählen. Ich stelle Dir in dieser Fotoparade meine persönlichen Favoriten vor und zeige Dir, wie es wirklich hinter den schönsten Orten aussieht, die ich in den letzten zwei Jahren besucht habe.  

Der große Buddha von Leshan, China

Das in der Provinz Sichuan liegende Leshan ist bekannt für die weltgrößte Steinskulptur eines Buddha. Die Sehenswürdigkeit ist eine große Anlage an einem Berghang, welcher direkt an einem reißenden Fluss mit starker Strömung liegt, wo gleich drei Flüsse zusammentreffen. Hier gibt es auch eine Höhle, einen Garten und einen Tempel, der besucht werden will. Der 71 Meter hohe Buddha wurde während der Tang-Dynastie ab dem Jahr 713 im Auftrag des chinesischen Mönchs Haitong errichtet, um die unruhigen Gewässer zu beruhigen, welche die Schifffahrt auf dem Fluss beeinträchtigten.

Diese Fakten legen nahe, dass der Buddha ziemlich gut besucht ist – von Einheimischen und Reisenden gleichermaßen. Da in China sowieso alles überfüllt ist, musste ich mich auch hier über anderthalb Stunden einreihen und warten, bis ich die Treppe am Buddha entlang herunterstapfen und zum Fluss gelangen konnte. Für China war diese Attraktion normal besucht wie ich finde, doch mit meinem westlichen Verständnis war es für mich eher voll.

Stonehenge, Großbritannien

Stonehenge liegt in Südengland etwa 150 Kilometer von London entfernt und ist ein in der Jungsteinzeit errichteter Steinkreis, welcher im Wesentlichen eine Grabenanlage ist, die von einer aus mehreren Steinkreisen gebildeten Megalithstruktur umgeben ist. Bis heute ist unklar, ob Stonehenge eine Tempelanlage, eine Begräbnisstätte oder ein Versammlungsplatz war. Die Anlage ist seit 1986 Weltkulturerbe und eine der Hauptsehenswürdigkeiten in Europa. Als ich da war, war es zwar ein kalter und regnerischer Frühlingstag, jedoch war Stonehenge richtig gut besucht: das kleine Besucherzentrum samt Museum war total überfüllt, ich konnte mit dem Mietwagen zunächst keinen Parkplatz finden und vor den Steinkreisen selbst musste ich mich in die erste Reihe durchboxen, um das romantisch verklärte Foto der einsamen Anlage ohne Besucher zu bekommen. Ein wahrer Kraftakt!

Jacqui vor Stonehenge in Großbritannien, 2018.

Ta Prohm Tempel bei Siem Reap, Kambodscha

Als Beispiel für die Realität von der Tempelkulisse Angkors in Kambodscha habe ich den Ta Prohm Tempel ausgewählt. Dieser etwa zwei Kilometer nordöstlich von Angkor Wat liegende Tempel ist neben dem Bayon einer der bekanntesten und größten Tempel des Gebietes. Er wurde im späten 12. Jahrhundert unter der Herrschaft von König Jayavarman VII als königliches Kloster errichtet. Die Klosteranlage, welche für die Königsmutter errichtet worden war, weist eine Vielzahl von Reliefs mit gleichermaßen hinduistischen und buddhistischen Darstellungen auf. Bis zu 260 Götter wurden hier in der 60 Hektar großen Anlage mit auffällig vielen Türmen verehrt. Besonders bekannt ist Ta Prohm ebenfalls wegen der vielen Würgefeigen, dessen riesige Wurzeln das ganze Gelände überwachsen. Natürlich trägt der verfallene Zustand und die Tatsache, dass Angelina Jolie hier Tomb Raider gedreht hat dazu bei, dass die Anlage hoffnungslos überfüllt ist. Für ein Bild unter dem bekannten Krokodilbaum musste ich geschlagene zehn Minuten anstehen. Und auch sonst bist Du nie allein: die Entdeckergeschichten der mutigen Abenteurerin, die auf eigene Faust fremdes Land erkundet, fanden nur in meinem Kopf statt. Trotzdem war es der Hammer!

Jacqui vor dem berühmten Krokodilbaum in Ta Phrom, Kambodscha 2016.

Panda Research Base Chengdu, China

Die Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding ist eine Aufzucht- und Forschungseinrichtung für Pandas in der Provinz Sichuan in China. 1987 begann die Einrichtung mit sechs geretteten Pandas, heute leben dort über 115 Tiere friedlich und in Sicherheit. Da es mir wichtig war, während meiner Chinareise Pandas zu sehen, entschied ich mich für einen Besuch in diesem Center, zumal alle anderen Chancen, Pandas zu sehen, wirklich erschreckend gering waren. Und weil Chengdu somit ein Hotspot für Panda-Sightseeing ist, platzte die Base auch wirklich aus allen Nähten. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass es in China immer voll ist, doch besonders hier war niemand allein. Wo auch immer es Pandas zu beobachten gab, hatte sich eine riesige Menschentraube gebildet, sodass niemand einfach vorbeilaufen konnte: überall waren Menschen! So gab es ebenfalls riesige Schlangen für die elektrischen Golfkarts, welche die Besucher gegen einen Aufpreis durch die Gegend kutschierten, als auch für die Höhle, welche an eine Aufzuchtstation für neugeborene Pandababys in Brutkästen angebracht war. Dort musste ich 15 Minuten warten, bis ich endlich einen Blick auf die zuckersüßen Babys werfen konnte. Anstrengend, doch all die Mühe wert!

Kruger Nationalpark, Südafrika

Der Kruger Nationalpark ist mit seinen 20.000 Quadratkilometern das größte Wildschutzgebiet Südafrikas. Er liegt im Nordosten des Landes in den Provinzen Limpopo und Mpumalanga und ist etwas über 400 Kilometer von Johannesburg entfernt. Nachdem der Nationalpark am 26. März 1898 vom Präsidenten Paul Kruger als Sabie Game Reserve zum Schutz der Wildnis gegründet wurde, wurde er 1926 in Kruger Nationalpark umbenannt. Da im Kruger Park 147 Säugetierarten, über 500 Vogelarten, 114 Reptilienarten, 49 Fischarten und 34 Amphibienarten sowie 404 Arten von Bäumen, Büschen und Sträuchern, 224 Grasarten und 1275 andere Pflanzengattungen befinden, wundert es nicht, dass der Park stets gut besucht ist. Gerade die Big Five und die einmalige Erfahrung einer Safari locken die Massen an. Wer will nicht auf Safari gehen? So verteilen sich die vielen Jeeps und Autos zwar gut im Park, doch wenn Tiere gesichtet werden, sind sie auf einmal alle da! Denn die Ranger*innen haben Funkgeräte dabei, mit denen sie sich gegenseitig informieren, wenn irgendwo Löwen, Leoparden oder Elefanten umherstreifen. So kann es sein, dass es zwischendurch zu einem regelrechten Stau kommt, denn schließlich wollen alle die Tiere sehen! Auch kann es an den Picknickspots gelegentlich zur Überfüllung kommen, da viele Reisegruppen gleichzeitig Lunchtime haben.

Ha Long Bucht, Vietnam

Die Ha Long Bucht ist ein etwa 1500 Quadratkilometer großes Gebiet im Golf von Tonkin in Nordvietnam. Dort befinden sich fast 2000 Kalkfelsen, die zum Teil mehrere Hundert Meter hoch aus dem Meer ragen und der Kulisse einen mystischen Hauch geben. Das seit 1994 zum Weltnaturerbe gehörende Wunder kommt noch dazu mit einigen Höhlen daher, in welcher zu Zeiten des Vietnamkrieges teilweise sogar Krankenhäuser eingebaut worden waren. Die Ha Long Bucht ist eines die Highlights jeder Südostasienreise und begeistert daher verständlicherweise die Massen – und wie! Bereits bei Ankunft zeigte sich die Überfüllung und die Masse an Touranbietern. Ganze Busladungen wurden im Minutentakt herangekarrt, ausgekippt und die Menschenmassen im Gänsemarsch zu ihren Booten eskortiert. Es war die Hölle los! Auch auf dem Wasser war es nicht romantisch verträumt einsam und idyllisch, sondern proppenvoll: alle Boote fuhren wie in einer Regatta hinaus in die Bucht. Abends legten die Boote zwar an, doch im Dunklen der Nacht sah ich immer wieder Lichter der neben uns parkenden Boote, von denen die günstigste Preisklasse, die voll mit Backpacker*innen war, noch laut zu hören war, denn diese veranstalteten eine Party mit Gejohle und lauter Musik. Leider waren die Massen auch am Tag darauf sichtbar, denn beim Kajakfahren und bei der Höhlenwanderung waren sie alle da. Auch die meterlangen, schwimmenden Müllteppiche, die dann und wann zum Vorschein kamen, waren nicht sonderlich schön anzusehen. Die Ha Long Bucht war für mich die krasseste Erfahrung, wenn es um den Vergleich Vorstellung und Realität geht.

Jiuzhaigou Nationalpark, China

Der überaus pittoreske Jiuzhaigou Nationalpark, der seit 1992 Weltkulturerbe ist und seinen Namen durch die in den Tälern des Gebietes liegenden, neun Tibetischen Dörfer bekommen hat, liegt im Nordwesten von Sichuan, etwa 440 Kilometer von der Provinzhauptstadt Chengdu entfernt. Er liegt in 2500 Metern Höhe und wartet mit einer wunderbaren Berglandschaft auf, welche eine Vielzahl an Seen und Wasserfällen eingerahmt hat und neben zahlreichen Vogelarten auch Säugetiere wie den Goldstumpfnasen-Affen oder den Großen Panda beherbergt. Das Besondere am Jiuzhaigou Nationalpark ist die Farbe der Gewässer: sie sind Türkis und glasklar und sie sehen aus wie ein echtes Gemälde! Da der Park eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Provinz ist, ist er natürlich auch sehr gut besucht. Schon ab 7:00 Uhr drängen sich die Menschenmassen am Parkeingang umher – was zugegebenermaßen auch wieder etwas mit der Tatsache zu tun hat, dass in China eben über eine Milliarde Menschen leben. Jedoch ist es fantastisch, dass der Park so groß ist, denn so verteilen sich die Massen gut. Zur Mittagszeit jedoch ist der Park voll ausgelastet, sodass auf den Hauptwanderrouten an den besonders schönen Seen wirklich die Massen wandern. Auch beim Mittagessen, welches an bestimmten Rastplätzen eingenommen werden kann, ist es zwischendurch so voll, dass ich nirgendwo mehr sitzen kann. Ich habe mir daher meine Sandwiches auf einem vom Regen gesäuberten Mülleimerdeckel zubereitet, der sauberer war als die Holzreihen, auf denen die Menschen saßen wie auf Hühnerstangen. Hier war es auch wieder so laut, dass ich mir vorkam wie in Peking zur Rush Hour, nicht aber in einem Nationalpark, der mit dem Bus 24 Stunden von Chengdu braucht, weil er so abgelegen ist. Eine interessante Erfahrung!</p

Der Long Lake im Jiuzhaigou Nationalpark in China 2016.

 

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Erste Fotoparade 2018: mein schönes Europa in Bildern

Fotoparade: mein zweites Reisehalbjahr 2017

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