Der Blick auf Angkor Wat in Kambodscha, 2016.

Wer eine Südostasienreise plant, der wird ganz sicher neben den fantastischen Stränden von Thailand oder der Ha Long Bucht in Vietnam an das Wahrzeichen Kambodschas denken: an Angkor Wat! Ich habe schon als Kind davon geträumt, eines Tages durch die mystischen Ruinen zu spazieren und dort tief in die Geschichte einzutauchen. Zugegeben: dank des 2001 erschienenen Films Tomb Raider wurde Angkor in meinem Kopf zu einem Abenteuer mit Expeditionscharakter; was das Unbekannte exotisch und aufregend wirken ließ. Die Idee einer starken Frau, die als mutige Kriegerin durch die Welt zieht und sich auf einmal in den Ruinen der Götter befindet, hat mich wirklich sehr begeistert! Und genau dieses Gefühl der furchtlosen Warrior Princess hatte ich sogar noch, als ich im März 2016 auf große Erkundungstour ging. Trotz der Menschenmassen konnte ich wunderbar meinen Film abspielen und war völlig in der Szenerie verschwunden. Das größte sakrale Bauwerk der Welt zu erkunden, war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens und hat mich nachhaltig geprägt. Ich verstehe die Welt nun noch ein Stückchen mehr und vor allem auch die Geschichte der Menschen… Die Puzzlestücke setzen sich zusammen! Folge mir ins Abenteuer!  

Die Geschichte von Angkor Wat

Angkor Wat befindet sich etwa 240 Kilometer nördlich von Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh in dem schönen Städtchen Siem Reap, welches nur 20 Kilometer vom ebenso bekannten Tonlé Sap Sees entfernt ist. Kaum zu glauben: die riesige Tempelanlage stammt aus dem 10. Jahrhundert und wurde unter König Suryavarman II zwischen den Jahren 1113 und 1150 errichtet. Das damalige Khmer-Reich konnte mit Bewässerungsanlagen und Stauseen, welche die Landwirtschaft förderten, so viel Reichtum einbringen, dass dieses zu einem regionalen Machtzentrum von Südostasien geworden war. So war es möglich, dass große Städte und Tempel aus dem Nichts errichtet werden konnten. Angkor Wat wurde ursprünglich zur Verehrung des hinduistischen Gottes Vishnus gebaut; jedoch wurde die Tempelanlage auch als Totentempel von Suryavarman II gedeutet, da Angkor nach Westen ausgerichtet ist, welche die Himmelsrichtung des Todesgottes Yama ist.

1177 wurde Angkor von den Cham unter König Jayavarman VII erobert. Er errichtete anderthalb Kilometer nördlich von Angkor Wat die neue Hauptstadt Angkor Thom mit dem Bayon als buddhistischen Haupttempel. Seinen Namen bekam Angkor Wat im Übrigen erst im 13. Jahrhundert, denn dort wandelte sich der Glauben vom Hinduismus zum Buddhismus. Im 16. Jahrhundert gelangten schließlich die ersten Entdeckungsreisenden der westlichen Welt nach Kambodscha; von denen der erste Antonio da Magdalena aus Portugal war, welcher Angkor Wat 1586 entdeckte. Nach und nach kamen nun auch Forscher wie Adolf Bastian oder der Fotograf John Thomson nach Kambodscha, welche die Tempelkomplexe erforschen wollten. Im 20. Jahrhundert wurde die Anlage von den Franzosen restauriert, welche Kambodscha im Übrigen nur aufgrund dieser überragenden Sehenswürdigkeit im Jahr 1863 kolonialisiert hatten. Heute ist Angkor Wat das Nationalsymbol Kambodschas, welches seit 1992 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht und welches stolz auf der Landesflagge und auch auf Geldscheinen platziert wurde. Jährlich strömen Millionen von Menschen in das südostasiatische Land, um dieses Wunder der Menschheit bestaunen zu können.

Jacqui auf einem Fahrrad im Gebiet von Angkor Wat in Kambodscha, 2016.In Angkor kannst Du Dich mit dem Fahrrad, dem Roller oder einem Tuk-Tuk mit Fahrer fortbewegen.

Eine Tempelruine in Angkor von oben, Kambodscha 2016.Zum Staunen: die wunderschöne Aussicht auf die Ruinen vom Pre Rup Tempel.

Abenteuer pur: mehr als 1000 Tempel erwarten Dich

Angkor Wat ist nur ein kleiner Teil der rund 1000 aus Sandstein gebauten Tempel umfassenden Gesamtanlage, von der Angkor Thom das größte Bauwerk ist. Angkor Thom war die große Hauptstadt Yasodharapura des Angkorreichs. Für die Verhältnisse des Mittelalters war die Stadt mit seinen drei Kilometern Seitenlänge bereits größer als alle bis dahin existierenden europäischen Städte. Angkor Thom verfügt über einen 100 Meter breiten Wassergraben, welcher die Stadt schützend umgibt, sowie über eine acht Meter hohe Stadtmauer und verschiedene Stadttore. Es gibt ein Straßenkreuz und eine Siegesallee, welche zum Königspalast führt, während die anderen vier Alleen sich am Bayon trennen. Dazugehörig sind verschiedene, wichtige Bauwerke wie etwa der Königspalast mit der Tempelpyramide Phimeanakas, die Terrasse der Elefanten und die Terrasse des Lepra-Königs oder auch die Turmreihe Prasat Suor Prat. In der Hauptstadt gab es dichte Wegnetze und Kanäle, die den Verkehr regelten und die Wasser- und Abwasserversorgung regelten. Angkor Thom stellt wie ein Tempelberg ein Modell der Welt nach damaliger Vorstellung dar: von Wasser umgeben, in alle Himmelsrichtungen ausgerichtet und mit dem Götterberg Meru im Zentrum, der durch den Bayon symbolisiert wird. Ich muss zugeben: Angkor Thom war für mich eines der schönsten Bauwerke dieser Welt, welches mich wirklich beeindruckt hat. Mit dem Roller durch diese riesige, antike Stadt fahren, war surreal und doch das realste der Welt. Auch, wenn es an fliegenden Händlern und Getränke- und Essensverkäufern nur so wimmelt: die Menge verteilt sich ziemlich gut!

Der Bayon-Tempel ist neben Angkor Wat und Angor Thom das berühmteste und eindrucksvollste Bauwerk der Tempelanlage. Berühmt ist der Bayon aufgrund der meterhohen Türme, aus welchen Gesichter ragen. Der Bayon wurde als Haupttempel errichtet und diente wie die meisten anderen Tempel auch den Anhängern des Hinduismus und Buddhismus gleichermaßen. Der Bayon unterscheidet sich jedoch primär von Angkor, da einige Dinge anders gestaltet wurden: zum einen ist das zentrale Heiligtum rund und nicht quadratisch, die Tempelanlage wurde über Jahrhunderte um- und ausgebaut; außerdem ist der Tempel nicht von einer Mauer umgeben, sondern von offenen Säulengängen und die etwa 200 Gesichter in den heute noch erhaltenen 37 Türmen sind bis zu sieben Meter hoch. Die lächelnden Gesichter stellen übrigens Bodhisattva Lokeshvara dar, welcher auch als Gott der Welt bekannt ist. Auch die Reliefs des Bayon sind außergewöhnlich, denn im Gegensatz zu den anderen Tempeln sind sie lebensnah und zeigen historische Erzählungen und Ereignisse wie den Alltag am Tonlé Sap See, Musik, Festessen aber auch Krieg. Dies war neben der Komplexität und der Architektur ein weiterer Grund dafür, dass der Bayon mitunter am längsten von nachfolgenden Königen genutzt wurde. Der Bayon-Tempel war in der Tat fantastisch und aufgrund der ewig lächelnden Gesichter echt aufregend, denn von Weitem sah der Tempel eher aus wie ein Schutthaufen, beim Näherkommen zeigte sich dann aber die Liebe zum Detail. Ich war damals einen halben Tag dort, um ausgiebig jeden Winkel zu erkunden und mich meinem natürlichen Weltentdeckerdrang hinzugeben. Es war wirklich einmalig!

Die Gesichter des Bayon-Tempel in Angkor, Kambodscha 2016.Mystisch und freundlich: die Gesichter des Bayon Tempel waren aus der Nähe super beeindruckend!

Jacqui vor dem Bayon-Tempel in Angkor, Kambodscha.Stolz wie Oskar bei der Erkundung des Bayon Tempel: endlich wird der Traum Realität!

Neben den riesigen Tempeln waren es aber auch die kleinen, verwunschenen und von Wurzeln und Dschungel verschlungenen Tempel wie etwa der Ta Phrom mit dem berühmten Krokodilbaum oder auch der Banteay Kdei – Tempel, welcher malerisch im Dschungel liegt und Dich mit einem riesigen Tor empfängt, welches Dich beim Durchschreiten direkt in die Vergangenheit versetzt; oder auch der Tempel Praeh Khan, welcher mit einer Säulenhalle auf Dich wartet, die an Griechenland erinnert. Der Banteay Kdei – Tempel ist mir besonders in Erinnerung geblieben, da dies der erste Tempel war, den ich in Kambodscha erkundete. Er war zuvor ein buddhistisches Kloster gewesen und beeindruckte nicht nur mit dem verwunschenen und riesigen Eingangstor aus Sandstein, sondern auch mit Löwenfiguren entlang der Balustrade. Der ewig lange Weg zum Eingang wurde von Nymphen und Inschriften verziert wie der Tempel selbst, der so aussah, als hätte er ein Holzdach – dabei war auch dieses Element angelaufener, verzierter Sandstein.

Wie in einer Seifenblase schwebte ich mit leuchtenden Augen durch das Terrain und erspähte Hunderte von Inschriften und Nymphen – den Apsaras – im Sandstein, sah viele verzierte Türmchen und Säulen und alles begleitet vom Schatten der riesigen Bäume mit silbrig glänzenden Stämmen und ihren riesigen Wurzeln. Worte können die Schönheit dieses Ortes nicht beschreiben… Diesen Ort müssen die eigenen Augen gesehen haben, um ihn vollends zu begreifen. Auch schön waren die Tempel mit Aussicht, beispielsweise der Pre Rup: auf das traditionelle Krematorium kraxelte jede Reisegruppe mühselig hoch, um dann ganz oben ein beispielhaftes Gruppenfoto zu schießen. Vor Deinen Füßen liegen nun diese fabelhaften Ruinen, die Dir das Gefühl geben, an einem Filmset zu sein. Auch ziemlich beeindruckend war der melancholische, kaum besuchte Tempel Neak Pean.

Beeindruckende Ruinen von Angkor in Kambodscha, 2016.Im Schatten der Tempel ist es für Einheimische und Reisende gleichermaßen wichtig, sich kurz auszuruhen.

Ein See nahe einer Tempelruine in Angkor, Kambodscha 2016.Melancholische Stimmung am Rand von Angkor: hier taucht der kleine Tempel wie aus dem Nichts auf.

Die wirklich kleinste Ruine von Angkor war komplett umgeben von einem riesigen eutrophierten Stehgewässer, aus welchem vereinzelt tote, mehr aber lebendige Bäume ragten. Überall lagen teils vermoderte Baumstämme, die von Wasserpflanzen eingerahmt und von Wasserläufern in Szene gesetzt wurden. Es war gespenstisch schön und für mich als Ex-Grufti auch romantisch-melancholisch durch den Todeshauch, der über dem ganzen Gebiet lag. Der Tempel kam daher wie in einem Gruselmärchen und passte perfekt in die Szenerie. Ein langer Holzsteg führte zu diesem, auf welchem ich bunte und schwarze Vögel mit langen, spitzen Schnäbeln erblickte; außerdem zahlreiche riesige Käfer und Insekten, und wunderschöne schwarz-gelbe Libellen, die so prächtig waren, wie ich es noch nie zuvor live gesehen hatte. Der Tempel selbst war nichts Besonderes, da nur noch ein Türmchen des ehemaligen buddhistischen Bauwerks stand. Diesen Besuch hatte ich nur wegen der Weite des großen Sumpfes angestrebt und es hatte sich gelohnt. Auch, wenn der Tempel echt klein war, war die Natur und die Gothic-Landschaft den Besuch wert. Ich bin immer noch sprachlos über die Vielfalt der Tempel, denn keiner gleicht dem anderen! Doch am besten findest Du dies selbst auf eine Faust heraus.

Die gesamte Tempelanlage hat nicht nur die Herrschaft des Thai-Königreichs Ayutthaya und das Verlassen der Anlage überlebt, sondern auch die Überwucherung des tropischen Waldes, welche erst mit dem Interesse europäischer Wissenschaftler rückgängig gemacht werden konnte. Diese strömten Ende des 19. Jahrhunderts nach Kambodscha, um die rätselhafte Tempelanlage zu erkunden, welche schließlich ein großes öffentliches Interesse propagierte, das in das französische Kolonialreich Indochina mündete. Die Tempel überlebten den ersten und zweiten Weltkrieg, sowie den Indochinakrieg und den auf Kambodscha übergreifenden Vietnamkrieg, nach dessen Beilegung es in den 1980er Jahren endlich wieder um die Restaurierung und Erforschung der Tempelanlage ging.

Verwunschene Tempelruinen im Gebiet von Angkor, Kambodscha 2016.Eine gespenstische Stille umgibt einige abgelegene Ruinen: hier entdeckst Du fast ganz allein!

Wandornamente in einem Angkor-Tempel in Kambodscha, 2016.Diese Skulpturen wirst Du oft in den Tempeln finden: die Apsaras sind Nymphen und Göttinnen. 

So wird Dein Tag in Angkor unvergesslich

Der Eintritt für die Tempel beginnt bei 37 US-Dollar für ein Tagesticket, 62 Dollar für drei Tage und ein einwöchiges Ticket kostet Dich 72 Dollar. Das Ticket für drei Tage kannst Du innerhalb von einer Woche nutzen, das Ticket für sieben Tage binnen eines Monats – Du hast also viel Zeit, wenn Du magst! Ich würde dir dringend empfehlen, mindestens ein Ticket für drei Tage zu kaufen, damit Du genug Zeit hast, Dich einem der Wunder Asiens zu widmen und das ganze auch verarbeiten kannst. Ich musste nach den ersten zwei Tagen erst einmal zwölf Stunden schlafen, da mich die Aufregung und die Eindrücke positiv ausgezehrt hatten. Darüber hinaus habe ich einen Tag am Tonlé Sap See eingeschoben, um am letzten Tag noch einmal so richtig von Ankor Wat beeindruckt zu sein. Da empfohlen wurde, sich den Haupttempel als letztes anzuschauen, habe ich mir diesen bis zum Ende aufgehoben und brauchte die Auszeit auf dem See, um die vielen Tempel einsortieren und verarbeiten zu können. Nach einer Weile sieht nämlich leider vieles gleich aus, wenn Du Dich zu sehr beeilst – dabei wollen wir doch jedes einzelne Wunder genießen!

Um das Gelände zu erkunden, hast Du verschiedene Möglichkeiten: Du kannst einen Fahrer engagieren, der Dich in ins Tuk Tuk einlädt und herumkutschiert, Du kannst selbst Roller fahren oder ein Fahrrad mieten. Ich habe damals erst eine Fahrradtour gemacht und bin dann aber in Anbetracht der fehlenden Fahrradgänge und der Hitze auf den Roller umgestiegen, mit dem ich weitaus schneller und bequemer mobil war und länger an Orten verweilen konnte, die ich besonders mochte. Das Tuk Tuk kostet Dich pro Tag ungefähr 15 Dollar (je nach Anzahl der Fahrgäste), der Roller etwa fünf Dollar und das Fahrrad vier Dollar. Die Preise sind für Kambodscha eher hoch, doch wer gibt nicht gerne ein wenig mehr aus, um Angkor zu erkunden?

Der beeindruckende Ta Phrom Tempel in Kambodscha, 2016.Einer der schönsten Tempel von Angkor: der Ta Phrom Tempel aus dem Film Tomb Raider.

Affen bei der Paarung in Angkor, Kambodscha 2016.Für lustige Momente sorgten besonders am Bayon die uns so ähnlichen Affen. 

Apropos Preise: in Siem Reap kannst Du trotz allem noch super günstig übernachten. Mein Hostel kostete 2,50 EUR im Dorm und fünf Euro pro Person im Doppelzimmer. Frühstück inklusive! Plane auch unbedingt einen Tag in der Stadt ein, denn Siem Reap ist wunderschön, was nicht nur an den französischen Kolonialbauten liegt, sondern auch an den liebevollen Details wie vielen bunten Blumen, den Holzbrücken oder den bunten Märkte. Es gibt Parks und Erholungsflächen, die liebevoll gepflegt werden; sowie Schaufenster mit Liebe zum Detail und sogar Bänke zum Chillen, was in großen Teilen Südostasiens eher Mangelware ist. Es ist deutlich zu merken, dass die Stadt vom Entdeckertourismus profitiert und wächst. Für mich ist sie eindeutig die schönste Stadt Kambodschas!

Extra-Tipps für Deine erfolgreiche Tempeltour

  • Da die Sandsteinwände der Tempel die Hitze speichern und es nicht immer Schatten gibt, empfehlen sich nicht nur Sonnencreme und ein Hut, sondern auch viel Wasser und gesunde Snacks. Besonders erfrischende Snacks wie Kokosnüsse und Melonen bekommst Du an jeder Ecke!
  • Wenn Du eine richtige Mahlzeit brauchst, verhandele: die Einheimischen haben je nach eingeschätztem Wohlstand der Reisenden verschiedene Speisekarten mit verschiedenen Preisen. So bekam ich zuerst die Karte in die Hand, wo alles fünf Dollar kostete, dann kam eine Karte für 3 Dollar zum Vorschein und schließlich die günstigste: alle Mahlzeiten für zwei Dollar. Handeln lohnt sich!
  • Bitte kleide Dich anständig, wenn Du die heiligen Stätten betrittst. Kurze Hosen und schulterfreie Kleidung sind tabu!
  • Wenn Du die Besuchermassen umgehen willst, starte früh und umgehe den morgendlichen Sonnenaufgangsansturm im Angkor Wat. Der Tempel ist auch zur Mittagszeit wunderschön!

 

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