Endlich hast Du es getan und den großen und langersehnten Schritt der Weltreise gewagt. Du hast Deinen Rucksack gepackt und hast Dich aufgemacht, die Welt zu erkunden und Deine Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Bravo, ich bin stolz auf Dich! Dann kennst Du vielleicht auch das schnelle Gefühl der Ekstase, was Dich schon nach den ersten zwei Wochen einholt. Du bist die ganze Zeit nur geflasht und hast einen Overkill an guter Laune, dass Du alle um Dich herum mit Deiner positiven Art faszinierst. Und das kommt nicht von ungefähr, denn alles hat sich nun verändert. Die Tatsache, dass Du Deinen Traum lebst, ist eines der krassesten Gefühle, was es im Leben gibt. Es ist, als würde Dir jemand den Boden unter den Füßen wegreißen und auf einmal spannst Du Deine Flügel aus und fliegst soweit Du kannst – denn fallen wirst Du nur, wenn Du glaubst, dass Du nicht fliegen kannst! Ich kenne diese Euphorie und diesen Reiserausch nur zu gut und berichte Dir in diesem Artikel, wie es dazu kommt und was den permanenten Glückszustand auslöst. Vielleicht hast Du ja ähnliche Erfahrungen gemacht?

Arbeit, Sorgen und lästige Pflichten entfallen

Wie oft hast Du schon davon geträumt, einfach Deinen Schreibtisch über den Haufen zu werfen, den Computer aus dem Fenster zu ballern, Deinem Chef den Dicken zu zeigen und einfach auf Nimmerwiedersehen abzuhauen? Wie oft hast Du Dir gewünscht, statt im Büro Deine Lieblingsländer zu erkunden oder fremde Kulturen zu erleben? Der Moment, in dem Du Deinen Job kündigst und Dich endlich für Dich selbst entscheidest, ist krass. Doch sich auf Reisen gar nicht mehr um das Thema Arbeit kümmern zu müssen, ist das Größte! Und glaube mir, die Umstellung ist nicht so einfach wie Du Dir das vielleicht vorstellst. Es ist zunächst sehr ungewöhnlich, keinen Job (oder wie in meinem Falle kein Studium) mehr zu haben. Ich hatte ständig das Gefühl, dass ich etwas vergessen hatte und bin zwischendurch beim anfänglich praktiziertem Ausschlafen hochgeschreckt, weil ich dachte, ich müsste zur Uni oder zu meinem Nebenjob. Und irgendwann, als das dann auch bei mir im Kopf angekommen ist, dass ich wirklich nicht mehr hin muss, blieb nur ein riesiges Gefühl von Zufriedenheit und Befriedigung. Ich war so glücklich, dass ich endlich ein Kapitel abgeschlossen hatte, dass ich schon ganz bald alles zum Thema Uni vergessen hatte.

Genauso ging es mir auch mit allen anderen Pflichten. Ich musste mich weder um Haushalt, noch um Rechnungen oder Mieterhöhungen kümmern, die in Berlin in regelmäßigen Abständen ins Haus flatterten und meine Sorgen ins Unermessliche steigerten. Ich musste mir keine Gedanken machen mehr um unliebsame Termine mit Behörden oder Ärzten, hatte keine Rennerei mit dem Wocheneinkauf mehr und habe kurzum alles abgegeben, worauf ich ohnehin noch nie Lust hatte. Verstehe mich nicht falsch: ich habe all diese Pflichten trotz dessen immer ganz deutsch und brav erledigt, doch habe ich mich innerlich immer dagegen gesträubt. Ein Leben, wo ich auch mal 100% das machen kann, was ich wirklich will, erschien wie eine Utopie. Seitdem ich mir den größten Träum einer Weltreise, die zu einer Dauerreise wurde, erfüllt habe, bin ich so leicht und unbefangen wie nie. Und weil Arbeit und Pflichten wegfallen, sind auch all die Sorgen auf einmal nicht mehr da. Wie soll ich die Gentrifizierung überstehen? Was mache ich, wenn mein Arbeitsvertrag nicht verlängert wird? Was ist, wenn ich sterbe, bevor ich meine Träume gelebt habe? Was mache ich, wenn ich niemals den Richtigen finde? Wo will ich in fünf Jahren sein? Zu viele Fragen, zu viele Gedanken, zu viel Kummer. Seitdem ich reise, ist alles auf einen Schlag weggefallen. Meine größten Sorgen auf Weltreise sind eher anderer Natur: bekomme ich einen Sonnenbrand? Oder: wie komme ich von A nach B? Wann kann ich die nächste Sehenswürdigkeit besuchen? Für jemanden wie mich, der jahrelang um alles hart kämpfen musste, ist das ein absoluter Traum! Es ist wundervoll, keine Verpflichtungen und Sorgen zu haben!

Das wohl schönste und aussagekräftigste Graffiti aus Berlin ist 2015 mit der Gentrifizierung gestorben. 

Betäubungen aller Art fallen endlich aus

Was wir seit unserer Jugend kennen, ist die allwöchentliche Wochenendbetäubung. Mit ein wenig Gift ab und zu hatte Nietzsche den Nagel schon damals auf den Kopf getroffen, denn der wöchentliche Rausch war für die meisten von uns seit dem 15. Lebensjahr Standard. Einfach mal alles vergessen und nur Sein – ein natürlicher Wunsch, der einfach durch zu viel Arbeit, Pflichten und auch durch jugendliche Triebe da ist und uns jahrelang begleitet. Und auch, wenn wir mit zunehmendem Alter ruhiger werden, ist das beliebte Treffen nach der Arbeit am Freitag im Pub, das Wochenendglas Wein oder der Wochenendflirt im Club immer noch ein probates Mittel, um abzuschalten und alles auszublenden. Selbst mein sehr bürgerlicher und hochgebildeter Vater trinkt jeden Tag ein Feierabendbierchen. Unter der Woche können wir dafür immer gut mit Serien, Filmen und dem Handy abschalten: Netflix-Marathon oder Instagram suchten bis der Daumen abfällt sind für unsere Generation nichts Ungewöhnliches. Und doch haben diese Aktivitäten oft eines gemeinsam: sie sind leicht, sie sind seicht und sie betäuben hervorragend.

Auf Reisen kommt dies fast gar nicht mehr oder nur in geringem Maße vor, denn wir sind so sehr damit beschäftigt, unser Leben zu genießen und unsere Träume zu leben, dass wir entweder gar keinen Drang mehr verspüren, uns so zu verhalten, oder einfach zu erschöpft sind – körperlich und seelisch. Nachdem ich in Berlin noch einmal kräftig abgesteppt habe, bevor die Reise im November 2015 begann, war ich bis London nicht mehr so unterwegs. Heute gehe ich zwar aufgrund meiner Arbeit und meines Freundeskreises mehr aus, jedoch nicht mehr so exzessiv wie früher. Dieses Mal weiß ich auch, dass die Qual der 40-Stunden-Woche, die ich betäuben will, nicht für immer ist, sondern nur für ein paar mehr Monate, denn dann geht die Reise weiter. Ich finde es jedenfalls wundervoll, dass es endlich etwas Besseres gibt, als betrunken durch die Gegend zu twerken oder Instagram und Netflix bis zum Gettno zu suchten. Das Leben bietet so viel mehr, als es besoffen auf der Couch oder im Club zu vergeuden!

Wenn Du den kaputten Käfig durchbrichst, erwartet Dich eine völlig neue Welt!

Datum und Uhrzeit werden völlig nebensächlich

Ein toller Nebeneffekt am Reisen ist auch, dass Du irgendwann gar nicht mehr weißt, welcher Tag, welcher Monat und welche Uhrzeit es ist. Die Uhrzeit ist zwar am ehesten rekonstruierbar, jedoch werden Tage und Monate völlig unwichtig – vor allem, wenn Du in Regionen bist, wo immer Sommer ist. Bereits in der zweiten Woche meiner Weltreise hatte ich jegliches Zeitgefühl verloren, denn wenn Du genau das machen kannst, was Du liebst, verschwindet die Realität! Da ich auch keine Uhr mehr dabei hatte, weil ich mich auch symbolisch von den Ketten des Hamsterrades befreien wollte, wusste ich meistens nicht, wie spät es ist. Ich habe in Asien irgendwann aber gemerkt, wann die Sonne unterging, woraufhin ich dann doch wusste, dass es Abend ist. Ich stelle immer noch begeistert fest, dass der Verlust von Datum und Uhrzeit jedes Mal passiert, wenn ich auf Reisen bin. Es ist ein wundervolles Gefühl, denn ich bin tatsächlich frei, unbeschwert und sorgenlos. Das Gefühl, den Tag nicht zu kennen, kenne ich natürlich auch vom Alltag, wenn der Workload wieder viel zu übertrieben war. Doch da hat mir das Gefühl eher Angst gemacht, denn ich habe gemerkt, dass mir mein Leben durch die Finger rinnt, ohne, dass es wirklich da war. Das ist auf Reisen ganz anders.

Ein weiterer interessanter Faktor ist auch, dass Monate und Uhrzeiten ganz anders wahrgenommen werden. Im Dezember war ich für gewöhnlich total gefrustet und schon fast traurig vom Winter, da ich Kälte und fehlende Sonne einfach nicht ab kann; im Juli dafür total überdreht, jeden Tag auf Achse und vor allem Draußen, um den Sommer mitzubekommen. Kurzum: die Wintermonate sind bei mir eher unbeliebt. Ganz anders auf Reisen: da jeden Tag Sommer ist, verliere ich den Bezug zu Monaten und auch Jahreszeiten. Für mich war das eines der tollsten Gefühle auf Reisen! Genauso ist es dann auch mit der Uhrzeit: ich bin eigentlich ein Morgenmensch, doch wenn der Wecker vor 8:00 Uhr klingelte, fand ich das schon zu früh. Seitdem ich reise, ist 4:30 Uhr vielleicht zu früh, aber alles ab 5:00 Uhr völlig in Ordnung. Wer hätte das gedacht? Es ist so schön, wenn Dinge einfach mal ganz anders empfunden werden als sonst. Erfrischend irgendwie!

Warum so ernst? Genieße das Leben, bevor es Dir genommen wird!

Die größte Befriedigung: Häkchen auf der Bucketlist

Machen ist wie wollen, nur krasser. Den Spruch habe ich mal auf dem Blog Vanilla Mind gesehen und konnte nur zustimmend lächeln. Da es für mich sehr wichtig ist, meine Träume zu leben und mein Leben vollends auszukosten, bevor es mir genommen wird, sind Häkchen auf der Bucketlist für mich das schönste und aufregendste Gefühl der Ekstase, was weit über den üblichen Wochenendrausch oder auch über den Liebesrausch in einer Beziehung hinausgeht. Mit jedem Häkchen mehr fühle ich mich ganz aus der Welt geschossen vor Glück und ich bin nicht nur stolz auf mich, dass ich es allein hinbekomme, mir meine Träume nach und nach zu erfüllen, sondern ich habe auch keine Angst mehr, mit unerfüllten Träumen zu sterben. Ich kann sagen: endlich habe ich zum Karneval auf Rios Straßen getanzt, endlich habe ich Angkor Wat gesehen und endlich einen Koala gehalten. Wow!

Mit jedem Häkchen werde ich gelassener, ruhiger und dankbarer, denn seine Träume wirklich zu leben, ist auch für uns Kinder der ersten Welt – leider – keine Selbstverständlichkeit. Aber je mehr Du erlebst, umso glücklicher wirst Du, denn die Erlebnisse, Erfahrungen und Abenteuer bleiben, nicht die teuren Klamotten, das Auto oder das Haus! Und gerade weil wir aus der ersten Welt kommen, müsste es eigentlich eine Verpflichtung sein, dass jeder einfach sein Ding macht und weniger darauf hört, was die Gesellschaft gerne von uns hätte. Denn andere Menschen haben kein Dach über dem Kopf, kein Essen, können nicht lesen und schreiben und müssen kilometerweit zum nächsten Brunnen gehen, um nicht zu verdursten. Die Mehrheit der Menschen hat immer noch keine Chance darauf, ihre Träume zu leben. In Anbetracht dieser traurigen Tatsachen will ich mit den Mitteln die ich habe das bestmöglichste Leben führen, was ich kann Denn andere würden ihr Leben dafür geben!

Endlich bei Dir selbst angekommen und noch die Bucketlist abgehakt: das beste Gefühl des Lebens!

Der lange Weg der Selbstfindung

Was das Reisen ebenfalls so ekstatisch macht, ist die Tatsache, dass Du Dich selbst finden wirst. Und zwar schneller und intensiver als Du es je Zuhause gekonnt hättest. Die Entfernung zur Heimat und die vielen neuen Eindrücke, die Du erlebst; die vielen neuen Abenteuer, die Du fühlst und die vielen neuen Menschen, die Du triffst, erweitern Deinen Horizont mehr als Studium und Schulbesuch in einem. So viele Einflüsse verändern Dich zum Positiven und Dir wird schneller klar, was Du möchtest, wohin Du willst und wer Du bist. Probleme können differenzierter wahrgenommen und gelöst werden und am Ende stehst Du wie ein Fels in der Brandung. Auch, wenn ich in etwa immer wusste, was ich möchte, hat mich die Weltreise erst zu 100% bei mir selbst ankommen lassen. Und genau das ist einfach wieder ein total krasses, geiles Gefühl der Ekstase, denn ich weiß nun, dass sich all die Mühen, all das Leiden und all die Umwege einfach gelohnt haben! Denn auch, wenn es einfach scheint, ist genau das eines der schwierigsten Dinge im Leben: zu wissen, was Du wirklich willst und wer Du unter dem Müssen, dürfen und können wirklich bist.

All diese Elemente vereint schießen Dich auf Weltreise einfach nur vor Glück aus der Realität. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist einer der schönsten Nebeneffekte an Welt- und Langzeitreisen, die Dich in der Gefühlsintensität beeindrucken und verändern werden. Und dieser Rausch ist weder gefaked, noch bringt er Unbehagen mit sich, denn der Rausch des Reisens ist der einzige, der nicht schädlich ist! Und high und glücklich vom Leben zu sein, ist das Größte, was es gibt!

 

Kennst Du den Rausch des Reisens?

Deine 

Jacqui's Original-Signatur.

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