Auf Weltreise zu gehen ist der Traum vieler Menschen, der mittlerweile auch mehr und mehr gelebt wird. Nur noch schöner scheint eine Weltreise mit dem Partner! Die romantische Idealvorstellung, zusammen mit den Backpacks Hand in Hand um die Welt zu reisen und in die Kulturen der verschiedensten Länder einzutauchen, zusammen Sonnenuntergänge über einem kristallklaren Ozean anzusehen und abends gemeinsam exotisches Essen zu kosten, ist auch wirklich unschlagbar – doch birgt eine Reise als Paar auch Hindernisse, auf die ich gerne im Vorfeld aufmerksam gemacht worden wäre. Ich ging im Winter 2015 mit meinem Freund auf große Weltreise und siehe da: aus meinem Partner wurde schon ein Jahr später mein Ex-Freund. Heute weiß ich, dass die Trennung ein notwendiger Schritt war, um bei mir selbst anzukommen. Wäre ich noch mit meinem Ex zusammen, wäre ich heute nicht so erfolgreich, unabhängig, glücklich und würde in London leben. Natürlich hätte ich dann auch nicht meinen neuen Partner, mit dem ich heute zusammen bin und bereits die größten Lebenspläne überhaupt geschmiedet habe… Trotzdem hat mich die Trennung 2016 erschüttert, denn sie kam aus dem hinterhältigen Nichts und hat mich einfach völlig aus der Bahn geworfen. Doch gab es schon früh genug Anzeichen, dass die Beziehung zum Scheitern verurteilt ist, was auch an der Weltreise selbst lag…

Von gesundem Abstand zum Leben auf engstem Raum

Die Vorstellung klingt erst einmal ziemlich romantisch: anstatt nur an manchen Abenden und an Wochenenden kannst Du Deinen Partner nun jeden Tag sehen. 24/7/365 wird nun Wochenende sein und Tage und Uhrzeiten werden keine Rolle mehr spielen. Gerade für Paare, die sich aufgrund von Berufstätigkeit unter der Woche kaum sehen, scheint dieser Gedanke sehr reizvoll. Endlich mal Zeit füreinander und endlich mal mehr Input als gemeinsame Abendessen, Stunden im Fitnessstudio oder Wochenendaktivitäten. Da mein Ex-Partner und ich in unserer Beziehung kein Problem mit Nähe oder häufigen Treffen hatten, erschien die Vorstellung keineswegs einschränkend oder erdrückend – ganz im Gegenteil!

Doch auch für ein Nähe liebendes Paar wie uns wurde die Weltreise dann eine Herausforderung, denn wirklich jeden Tag auf engstem Raum zu verbringen, war dann doch irgendwann anstrengend. 52 Wochen im Jahr aufeinander hocken fühlt sich dann in der Realität sehr anders an, denn es gibt keine wirklichen Rückzugsräume und auf einmal siehst Du all diese Dinge und Gewohnheiten Deines Partners, die er vorher gut vor Dir versteckt hatte. Ihr lernt Euch noch einmal ganz neu kennen und das ist nicht immer so angenehm, wie Du es Dir vielleicht vorstellst. Am Ende sind es dann die kleinen Dinge, weswegen Ihr Euch streitet und zugleich sind diese Dinge auch absolut nichtig und völlig unwichtig. Gerade in beengten Unterkünften liegt der Streit praktisch schon in der Luft. Und wer dann auch noch jedes Sightseeing, jeden Einkauf und jedes Essen miteinander verbringt, der kann sich gar nicht richtig abkühlen und die Gedanken abschweifen lassen.

Freiräume schaffen: auch mal etwas alleine machen

Da Du von jetzt auf gleich jeden Tag mit Deinem Partner verbringen wirst, ist es wichtig, auch Freiräume zu schaffen. Wenn der eine lieber mit dem Buch in der Hängematte liegen und Cocktails schlürfen will, Du aber lieber Ziplining oder Klippenspringen machen willst, dann trennt Euch einfach mal einen Tag. Es tut nicht nur unglaublich gut, mal Zeit für sich selbst zu haben, die Auszeit fördert auch die Beziehung. Zum einen gibst Du dem Partner Raum zum Atmen und zum Gedanken kreisen lassen, zum anderen hältst Du Dich nicht wegen einer anderen Person zurück. Wie oft habe ich schon Leute sagen hören „Ich hätte ja gern dies und das getan, aber es wollte niemand mit“ – ist das denn die Lösung? Schließlich machen wir die Dinge dann nie, von denen wir so lange geträumt haben, wenn wir uns immer darauf berufen, sie mit jemandem machen zu wollen.

Wenn Du die Dinge also allein unternimmst, verringerst Du auch die Chance, Dich mit Deinem Partner zu streiten. Denn in hitzigen Diskussionen fällt uns manchmal ein, was wir zwecks Beziehungskompromiss aufgegeben haben und welche Erlebnisse wir verpasst haben, weil der Partner nicht mitwollte. Die Lösung hierfür liegt einzig und allein im Abstand, denn jedes Paar hat auch unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche. Wer etwas mehr Ruhe und Zeit für sich allein braucht, der kann auch einfach mal mehrere Tage oder eine ganze Woche ohne den Partner reisen. Ihr könnt Euch schließlich später wiedertreffen und glaub mir: Ihr werdet Euch freuen wie kleine Kinder, wenn Ihr Euch nach ein wenig Abstand wiederseht.

Ich persönlich wünschte, ich hätte mich an diese Regel gehalten. Doch damals war ich diesbezüglich nicht gut genug informiert und hatte den Eindruck, ich müsste alles mit meinem Partner machen. Vor allem weil ich im Hinterkopf hatte, wie wertvoll Zeit mit dem Partner ist und weil ich jeden Moment auf Reisen teilen wollte. Mir war klar, dass wir eines Tages wieder vor lauter Arbeit und Pflichten den Fokus auf das Wesentliche im Leben verlieren würden und daher wollte ich jeden Moment mit meinem Partner aufsaugen. Lediglich meinen Tauchkurs habe ich damals allein gemacht und das war dann auch der einzige Abstand, den mein Ex und ich voneinander hatten. Heute weiß ich um die Wichtigkeit der Freiräume und würde mich mit meinem Partner sogar im Vorfeld darauf einigen, Tage oder Wochen auf Reisen allein zu verbringen. Dies stärkt nicht nur die Partnerschaft, sondern auch die mentale Gesundheit. Denn nur wer ab und an allein ist, lernt zu reflektieren und kann an sich selbst arbeiten.

Die Romantik nicht vergessen: Date-Nights sind Pflicht

Ein großer Faktor, warum Beziehungen scheitern, sind Studien zufolge unter anderem fehlende Date-Nights, wo Romantik und Zweisamkeit die oberste Priorität haben. Da wir im Alltag bereits genug andere Dinge zu tun haben, sind Date-Nights nicht nur eine Auszeit, sondern auch das Fundament einer jeden guten Beziehung. Schließlich haben wir uns damals in jemanden verliebt, der erst ein Fremder war, und erst die gemeinsamen romantischen Stunden pflanzten die Liebe in uns – nicht die Stunden, wo wir andere Dinge taten. Ein Partner sollte zwar auch der beste Freund sein, aber eben auch der Partner, der Liebe gibt und Liebe empfängt.

Wichtige Ereignisse wie den Jahrestag oder den Kennenlerntag feiern, zusammen romantisch Essen gehen oder sich mal einen Spa-Day gönnen sind Balsam für die Beziehung. Auch Überraschungen und Geschenke sind wertvoll und sollten nicht vergessen werden. Denn nur, weil Du Deinen Partner jeden Tag siehst, heißt es nicht, dass die Beziehung für selbstverständlich genommen werden sollte. Alternativ könnt Ihr Euch auch einfach mal mit einer Flasche Wein an den Strand setzen und über Gott und die Welt reden, während das Leben vorbeizieht und nur das Rauschen der Wellen bleibt. Schwelgt in Erinnerungen, stöbert in Fotos und lacht zusammen. So habt Ihr nicht nur eine Auszeit von der Reise, sondern auch wieder Frische und Lebendigkeit in Eurer Beziehung.

Über Gefühle und Gedanken auf Reisen sprechen

Wer reist, der erwacht. Nachdem wir Zuhause mit viel zu viel Arbeit, Pflichten und Wochenendbetäubung um den Verstand und um unsere Selbstreflexion gebracht werden, öffnet Reisen plötzlich so viele Türen, von denen wir dachten, sie seien verschlossen. Auf einmal stehst Du ohne Ablenkungen und Betäubung vor Dir selbst und es gibt kein entkommen. Der Grauschleier des tristen Alltags ist abgefallen und nun musst Du Deine Wunden versorgen, die Du schon so lange ignoriert hast und nun musst Du Dich mit Deinen intimsten Wünschen und Träumen auseinandersetzen und für Dich einstehen. Diese Klarsicht ist zum einen mitunter erschlagend, zum anderen augenöffnend. Auf einmal weißt Du, was Du genau vom Leben willst und um dies umzusetzen, braucht es den Mut zu radikalen Veränderungen, denn nur diese sind der Schritt zur nächsten Entwicklungsstufe. Auch bei mir hat sich in den letzten Jahren alles so sehr verändert, dass ich viele Freunde verloren habe. Zum einen, weil sie keine Ahnung mehr hatten, wer ich bin und wie ich mich verändert habe, zum anderen, weil ich nun andere Gesellschaft bevorzugte, da sich meine Bedürfnisse und Lebensansichten verschoben hatten.

Die wohl größte und erste Veränderung auf Weltreise war dann aber diese hier: je länger ich reiste, desto mehr wurde mir klar, dass ich keine auf Zeit begrenzte Reise machen wollte. Ich wollte so lange reisen, wie es mir passte – ohne Zeitdruck, ohne Gesellschaftsdruck und ohne Gedanken an Jobs und steigende Mieten in Berlin. Vor dieser Herausforderung würde ich irgendwann ohnehin wieder stehen… so der Gedanke. Je mehr Zeit verstrich, desto mehr verlor ich auch mein früheres Leben in Berlin aus den Augen. So vieles, worum ich mir vorher eine Platte gemacht hatte, spielte keine Rolle mehr. Ich wollte mich nur noch um mich selbst, meine Lebensträume und meine Lieblingsmenschen kümmern. Doch mein Fokus lag klipp und klar auf dem Reisen: ich wollte mich nicht beschränken und zwingen, 2018 nach Hause zu kommen.

So merkte ich auch lange Zeit nicht, dass es meinem Ex damit anders ging: je länger er mit mir reiste, desto mehr wollte er nach Hause. Es waren die kleinen Dinge, die mir irgendwann die Augen öffneten: er hatte keine Lust auf Sightseeing und verbrachte lieber Stunden am Handy, wollte lieber zehn Stunden oder mehr schlafen anstatt früh aufstehen und die Welt entdecken und lieber mit seiner Familie und Freunden telefonieren, als mit mir zu sprechen. Da er sich mir nie aktiv mitgeteilt hat, habe ich es leider erst bemerkt, als es bereits zu spät war. Die Tatsache, dass er zurück nach Berlin wollte, ich aber nicht, und wir darüber nie gesprochen haben, spielte eine große Rolle in unserer Trennung. Drum ist es wichtig, dass Du Dich mit Deinem Partner absprichst. Setzt Euch zusammen und reflektiert die Reise. Ist alles wunderbar? Gefällt mir diese Region der Erde oder möchte ich woanders hin? Brauche ich jetzt Sommer oder Winter? Klärt diese Fragen und findet eine Lösung, bevor Euch die aktive Entscheidungskraft genommen wird.

Wünsche und Bedürfnisse auf Reisen genau absprechen

Für eine gelungene Weltreise als Paar ist es auch wichtig, seine Wünsche und Bedürfnisse auf Reisen abzusprechen und sich vor allem auch daran zu halten. Wenn er lieber in kalte Gebiete reist, Du aber erst bei 35 Grad im Schatten so richtig aufblühst, müsst Ihr Kompromisse schaffen. Warum nicht einmal wohin reisen, wo Du sonst nie hingefahren wärst? Mein Tipp ist hier eine Mischung aus den unterschiedlichen Bedürfnissen: teilt die Reiseziele 50/50 auf und entscheidet gemeinsam, wo Ihr zuerst hinreisen wollt. Wenn Ihr Euch nicht einigen könnt, sollte jemand nachgeben und einen Kompromiss eingehen. Mein Ex wollte damals zuerst nach Asien, ich aber nach Australien. Heute bin ich froh, dass wir erst ein Jahr später nach Australien gekommen sind, denn so geriet ich über Umwege auf meinen vorherbestimmten Weg, der mich nach Großbritannien und vollends zu mir selbst geführt hat. Wären wir erst in Australien gewesen, wäre es ganz sicher anders gekommen! Seid hier einfach beide offen für Kompromisse und Veränderungen und Du wirst sehen, wie viel schöner die Reise sein wird!

Löst aufkommende Probleme auf Reisen gemeinsam

Dass eine Weltreise kein Urlaub ist, wird den meisten erst nach den ersten sechs Wochen klar. Eine Weltreise ist mit viel Aufwand und Organisation verbunden und früher oder später wird es eindeutig Stresssituationen geben, denen wir uns stellen müssen. Selbst erfahrene Reisende sind ab und an von Sprach- und Kulturbarrieren so überfordert, dass erst einmal eine Pause vonnöten ist, um sich zu sammeln. Diese Momente bergen die Gefahr, sich gegenseitig Anschuldigungen zu machen oder sich darauf zu verlassen, dass der Partner es schon regeln wird. Doch so einfach ist es nicht! Probleme auf Reisen gilt es stets gemeinsam zu lösen. Hier sollte es ein klares Wir-Denken geben und aktives Handeln beider Parteien. Sich zu denken „ich habe das letzte Problem gelöst, jetzt kann er mal aktiv werden“ ist hier fehl am Platz. Du solltest nur dann das Ruder übernehmen, wenn Du siehst, dass Dein Partner so überfordert ist, dass er das Problem einfach nicht lösen kann.

So war es zum Beispiel bei meinem jetzigen Partner und mir, als er mich in Argentinien besucht hat. Da Südafrikaner eher weniger reisen, war es für meinen Freund sehr stressig, dass wirklich niemand Englisch sprach und selbst vermeintlich einfache Dinge wie ein Uber zum richtigen Ort zu bestellen, eine wahre Challenge waren. Also habe ich hier übernommen und mithilfe meines gebrochenen Spanisch und dem Google Translator den Uber-Fahrer noch an den richtigen Abholpunkt gelotst. Dafür konnte er dann wieder bei anderen Schwierigkeiten mithelfen, zum Beispiel, als sich das Uber verfahren hatte. Wichtig ist im Übrigen nicht nur der gegenseitige Support bei Problemen, sondern auch, Probleme gar nicht entstehen zu lassen. Das funktioniert, indem Du Dich nicht immer an Kleinigkeiten aufhängst: dann hat der Händler mich eben über den Tisch gezogen, dann habe ich eben verschlafen, dann haben wir eben den Bus verpasst. Wen kümmert’s? Auf Reisen hast Du wirklich mehr als genug Zeit und viele Ereignisse sind auch wirklich nicht der Rede wert…

Wichtig ist auch, dass Ihr Euch nicht über das liebe Geld streitet. Wo es um Geld geht, da hört die Freundschaft auf, wird oft gesagt – leider ist es wahr und kann somit auch auf Beziehungen übertragen werden. Plant im Vorfeld Euer Reisebudget und vor allem auch den Lebensstandard, den Ihr auf Reisen halten wollt. Wenn Du lieber in Hostels schläfst und am Straßenstand isst, Dein Partner aber eher auf Luxus und gehobenes Ambiente steht, muss hier ein Kompromiss geschaffen werden, der Probleme erst gar nicht entstehen lässt.

Zum Schluss: wertvolle Tipps für die Weltreise als Paar

  • Sprecht offen über Eure Gefühle und Gedanken
  • Macht auch mal etwas alleine (und wenn es ein einwöchiger Trip in eine andere Stadt ist!)
  • Sprecht Eure Pläne ab und seid offen für Veränderungen
  • Vergesst Eure Date-Nights nicht, sie sind das Fundament Eurer Beziehung
  • Lasst Euch bei Problemen nicht im Stich und werdet beide aktiv
  • Respektiert, motiviert und stärkt Euch gegenseitig

Bist Du mal mit Deinem Partner um die Welt gereist?

Deine

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