Zebras im Krüger Nationalpark in Südafrika 2009.

Als ich letztens in den Kalender geschaut habe, ist mir aufgefallen, dass ich erschreckenderweise schon fast 30 Jahre alt bin. Ich fühle mich aber immer noch wie 21 und habe auch sonst kaum Gemeinsamkeiten mit Menschen in meinem Alter. Vielleicht stimmen ein, zwei Sachen überein, wie die Tatsache, dass Menschen mit Ende 20 viel ruhiger und gelassener sind, als mit Anfang 20 – das war es dann aber auch schon. Da nun leider die Zeit für Work and Travel drängt, habe ich mich gefragt, in welchen Ländern ich denn eigentlich jenseits der 30 Work and Traveln kann und warum es die Altersgrenze für Work and Travel überhaupt gibt. Und was können wir noch tun, um jenseits der 30 Arbeit und Reisen als Alternative zum Sparen zu erleben? Erfreulicherweise gibt es da einige Möglichkeiten, die uns Endzwanzigern geblieben sind. Welche das sind, erfährst Du hier!

Warum Work and Travel meist mit 30 Jahren endet

Erst einmal: keine Panik für alle, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. In Ländern wie Australien und Neuseeland ist es machbar, das Working Holiday Visum bis einen Tag vor dem 31. Geburtstag zu beantragen. Und weil es bis ein Jahr nach Beantragung des Visums möglich ist, in das jeweilige Land einzureisen, ist Work and Travel bis zum 31. Lebensjahr praktisch gesichert. Doch danach wird es für die meisten Ländern kritisch. Die offizielle Begründung, warum Work and Travel ab 30 kaum mehr machbar ist, ist die, dass ein Working-Holiday-Jahr den interkulturellen Austausch junger Menschen fördern soll, damit diese ihren Horizont erweitern können, bevor sie beruflich Fuß fassen.

Vielleicht mag das so stimmen, aber ich persönlich würde noch ergänzen, dass der Staat von Menschen ab 30 andere Dinge erwartet, wie etwa eine Vollzeit-Berufstätigkeit und Gründung einer Familie. Daher ist es für einen Staat nicht besonders lukrativ, wenn Menschen jenseits der 30 weiterhin die Gelegenheit haben, unendlich zu Work and Traveln, eben weil dieser dann auf Arbeitskräfte und Nachwuchs warten oder gar verzichten muss. Auch kommt in einigen Ländern die Angst auf, dass hochqualifizierte Ausländer, die eben nicht nach Schule oder Studium, sondern mit Mitte 30 Work and Traveln wollen, den Einheimischen die Arbeit wegnehmen – was sicherlich totaler Quatsch ist. Die meisten Menschen wollen nach einer Auszeit zurück nach Hause.

Byron Bay in Australien 2017.Ein Grund für Reisen auch jenseits der 30 ist definitiv Byron Bay in Australien.

Warum wir trotzdem jenseits der 30 Work and Traveln

Ich finde es einfach schade, dass alles auf ein Alter begrenzt werden muss: ob Reisen, Studium, Sprachenlernen oder Kinder bekommen. Oft wird uns gesagt, dass sich ein Fenster bald schließen wird, weswegen wir in regelrechte Torschlusspanik ausarten und überreagieren. Ich halte das Gerede über ein sich schließendes Fenster für übertrieben und teilweise einen Mythos. Natürlich weiß ich, dass beispielsweise Frauen nach der Menopause keine Kinder mehr bekommen können, jedoch halte ich die Drängelei für Nachwuchs bis maximal 35 Jahren für Schwachsinn. Ich kann mich auch noch mit 43 dazu entscheiden, Kinder zu haben. Alles nicht so wild. Ich finde die Fensterschließ-Torschlusspanik im Jahr 2017 einfach nicht mehr zeitgemäß, denn Menschen entwickeln sich unterschiedlich und nicht alle können normiert werden. Wir sollten zu jeder Zeit die Möglichkeit haben, ins Ausland zu gehen und zu Work and Traveln.

Die Skyline von New York City 2008.2008 durfte ich New York City das erste Mal fühlen. Momente, für die ich jederzeit alles gebe!

Die Begründung, dass ältere Menschen sowieso nicht Work and Traveln wollen, weil die Unterkünfte zu einfach, die Jobs zu unangenehm und die Umstände zu schwierig sind, halte ich ebenfalls für unwahr. Ich habe schon mehrfach gelesen und mitbekommen, dass insbesondere Menschen jenseits der 30 gern Work and Traveln würden und dafür auch bereit sind, ihre Lebensstandards herunterzuschrauben oder komplett aufzugeben. Immerhin drängt sie die bereits verlorene Zeit, in der sie es nicht geschafft oder sich nicht getraut haben – zumindest laut den Statements einiger Reisesüchtigen. Denn gerade für Menschen, denen das Geld nicht so locker sitzt, die aber gern in teure Länder wie Australien oder Japan reisen wollen, ist Work and Travel unerlässlich. Ich hätte mir in Anbetracht der hohen Fixkosten in Australien (Mindestens $750 pro Monat für ein einfaches Bett in einem schäbigen Hostel im Mehrbettzimmer oder mindestens $400 pro Monat für simples Essen ohne Schnickschnack) niemals ohne Work and Travel leisten können. Und der Wunsch, einen Traum zu leben, wird irgendwann größer sein als jede Sorge, jeder Zweifel und jede Lebensstandard-Absenkung.

Leider ist das einziges Land, welches Work and Travel bis 35 Jahren anbietet, Kanada. Es gibt jedoch noch Licht am Ende des Tunnels: in Australien wird gerade diskutiert, die Altersgrenze auf 35 Jahre anzuheben, was ich klasse finde! Jedoch ist das noch nicht offiziell beschlossen, es findet sich aber ein entsprechender Hinweis auf der Government-Seite:

Age of eligibility – Government announcement

The Government is considering options for expanding the upper age of eligibility from 30 to 35 years, including timeframes, legislative requirements and engagement with partner countries. Reciprocity of arrangements for Australian citizens remains a key feature of the programme. The current age of eligibility (18 to 30) will remain in place for the time being.

Quelle: https://www.border.gov.au/Trav/Visa-1/417-

Three Rondals in Südafrika 2009.Ein Jahr in Südafrika? Bei dem Anblick der Three Rondals fällt das ganz leicht!

Weitere Lösungen für Langzeitaufenthalte ab 30

Wer ohnehin kein Work and Travel ab 30 mehr machen will, hat noch ein paar andere Möglichkeiten, um sich eine Auszeit zu gönnen. Ich habe Dir hier alles aufgelistet, was Du wissen musst.

Reguläre Arbeitsvisa in EU und Ausland

Für uns EU-Angehörige ist es zum Glück kinderleicht, innerhalb der EU zu arbeiten. Wir können uns praktisch überall bewerben und dann einfach auf Zeit umziehen. So war es für mich nach meinem verkürzten Australien-Aufenthalt super easy, in London Fuß zu fassen, zumal der Brexit noch nicht durch ist. Ich bin mit meinem EU-Pass einfach durch die Kontrolle am Flughafen spaziert und habe mich ganz normal auf Jobs beworben, die ich dann durch Vorlegen meines Passes so einfach bekommen habe wie meinen Bank-Account. Doch auch wenn sich die Briten aus der EU verabschiedet haben, gibt es noch viele andere tolle EU-Länder, in denen sich ein längerer Aufenthalt mit Arbeit anbietet. Wenn ich da nur an Irland, Frankreich oder Italien denke, bekomme ich wieder dieses Leuchten in meinen Augen.

International gesehen kannst Du Dich eigentlich auch überall auf ein Arbeitsvisum bewerben, was je nach Land unterschiedlich leicht oder schwierig ist. Für die USA ist ein Arbeitsvisum sicherlich sehr stressig, aufwendig und mit vielen Hürden verbunden (aber nicht unmachbar!), für Singapur ist es aber beispielsweise relativ einfach. Hier bekommt nahezu jeder Mensch je nach Qualifikation ein entsprechendes Arbeitsvisum, was Dir helfen kann, einen längeren Aufenthalt planen zu können. Für eher schwierigere Länder wie die USA oder China bleiben spezielle Lösungen wie Betreuer*in in einem US-Summercamp oder Englisch- oder Deutsch als Fremdsprache – Lehrer*in, was eigentlich überall geht. Als Fremsprachenlehrer*in hast Du grundsätzlich gute Karten auf ein Arbeitsvisum im Ausland. Länder, in denen Du relativ einfach ein Arbeitsvisum bekommen kannst, sind unter anderem Hong Kong, Südkorea, Taiwan, Südafrika und Brasilien.

Karneval im Sambodromo in Rio de Janeiro 2013.2013 erfüllte ich mir den Traum vom Karneval in Rio de Janeiro. Eines der schönsten Feste der Welt!

WWOOFing

WWOOFing steht für World Wide Opportunities on Organic Farms und ist ein Programm, bei dem unentgeltlich, aber für Kost und Logis auf Farmen rund um die Welt gearbeitet werden kann. Arbeitszeiten und Aufgabenfelder variieren je nach Farm und Land. Bei dieser Variante lebst Du auf der jeweiligen Farm und hast meist zwei Tage frei, die Du fürs Reisen nutzen kannst. Beachte jedoch, dass die meisten Farmen sehr weit ab vom Schuss liegen, Du ein Auto benötigst, um herumfahren zu können, und dass Du trotzdem Geld fürs Sightseeing und Deine Mobilität sparen musst. Wenn das für Dich perfekt ist, hast Du hier eine Lösung gefunden.

Als Crewmitglied auf Boot, Yacht oder Kreuzfahrtschiff

Wer gern auf dem Meer unterwegs ist und kurze Landgänge genießen kann, für den ist Arbeiten auf Boot, Yacht oder Kreuzfahrtschiff ideal. Noch dazu kann eine Menge an Geld für weitere Reisen gespart werden, da eigentlich täglich gearbeitet wird und die raren Landgänge nicht wirklich Unmengen von Geld verschlingen. Gerade Handwerksberufe wie Koch*Köchin, Kellner*in, Reinigungsfrau*mann, Barfrau*mann, Friseur*in oder generelle Helfer/innen sind auf jedem Schiff vonnöten. Auch Kinderbetreuer*innen, Manager*innen und Fitnesspersonal sind immer gern gesehen. Warum sich das nicht also zu Eigen machen?

Die Wüste in Abu Dhabi 2014.Wüste und Meer sind meine liebsten Landschaften. Kein Wunder, dass ich die Emirate 2013 liebte!

Entwicklungshilfe und Freiwilligenarbeit

Viele Länder, die weder per Work and Travel, noch mit einem Arbeitsvisum besucht werden können, brauchen Entwicklungshelfer*innen in allen Lebensbereichen: das Bauen von Schulen, Brunnen oder Häusern ist in vielen Gebieten in Afrika obligatorisch. Ebenfalls werden händeringend Lehrer*innen, Kinderbetreuer*innen und andere Helfer*innen gesucht, die die Welt zu einem besseren Ort machen wollen. Neben Entwicklungshilfe gibt es auch verschiedene andere Versionen der Freiwilligenarbeit, etwa zum Thema Tier- und Umweltschutz. Natürlich geht diese Hilfe auch ein wenig an die psychische Substanz, da niemand auf der Welt leiden soll und es grausam ist, dem zuzusehen, jedoch ist dies eine exzellente Möglichkeit, hilfsbedürfige Menschen und Tiere zu unterstützen und lange Zeit im Ausland zu sein.

Haustausch und Haussitting

Auch eignet sich ein Haustausch oder Haussitting für eine Langzeitreise ab 30 Jahren. Hierbei tauscht Du Dein Haus oder Deine Wohnung mit einer anderen Familie irgendwo in der Welt oder passt auf ein fremdes Haus auf. So kannst Du relativ kostengünstig lange an einem Ort bleiben und eventuell noch ein wenig mehr vom Land sehen. Interessierte können sich schlau machen, welche zertifizierten Websites je nach Land den Austausch anbieten – von privaten Haustauschen oder Housesitting sollte hier abgesehen werden, da keine Absicherung vorliegt. Und schließlich möchte niemand ein leergeräumtes Haus vorfinden oder in ungünstige Vorfälle verstrickt werden, die im Vorfeld vermieden werden können.

Am Goa Strand in Indien 2013.Meine erste Begegnung mit Goa in Indien 2013 begleitete mich ins Paradies.

Online arbeiten

Wem eine Selbstständigkeit liegt, der kann sich am Segen unserer modernen Zeit bedienen und ein Online-Business aufbauen. Ob Blog, Online-Shop oder Dienstleistungen, hier ist einfach alles möglich! So ein Online-Business erleichtert es natürlich ungemein, um die Welt zu reisen, denn Dein Büro kann praktisch überall sein: am Strand, im Gästehaus, egal ob Tag oder Nacht. Und auch für Menschen, die ungern selbstständig arbeiten, gibt es die Lösung, online für eine Firma zu arbeiten. Viele Büros bieten inzwischen Home Office an, wo es wirklich keine Rolle spielt, an einem Ort präsent zu sein. Journalisten, Filmcutter oder andere Menschen mit kreativen Computerjobs können ebenfalls online für ein spezielles Unternehmen arbeiten.

Sabbatical

Ein Sabbatical ist eine maximal einjährige, teils bezahlte Auszeit von einem Job, ohne diesen aufgeben zu müssen. Ein Sabbatical ist je nach Firma nach drei bis fünf Jahren möglich, wird aber nicht von allen Arbeitgebern bewilligt. Lehrer*innen, Beamte*innen und Leute, die im Büro arbeiten, haben es da am einfachsten. Um das Sabbatical zu finanzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten: eine Zeit lang wird für ein reduziertes Gehalt gearbeitet, dessen Anteil dann ins Sabbatical fließt, oder es werden gesammelte Urlaubstage und Überstunden eingelöst, sowie Einmalzahlungen veranlasst. Andere Arbeitgeber handhaben es so, dass sie eine längere Auszeit zwar genehmigen, aber nicht finanzieren. Eines ist jedoch sicher: der Job.

Die wunderschönen Gardens by the Bay in Singapur.Die Gardens by the Bay in Singapur sind ein Meisterwerk wie der Stadtstaat selbst.

Meine Lösung für Dauerreisen ab 30: ein Mix aus allen Möglichkeiten

Da ich noch knapp drei Jahre habe (bis zur Vollendung des 30. Lebensjahrs), um zu Work and Traveln, verschlägt es mich 2018 als nächstes nach Neuseeland, wo ich mit meinem Freund eineinhalb Jahre wohnen werde. Anschließend geht es nach einem weiteren Jahr Weltreise mit Budget mit einem Arbeitsvisum für ein Jahr nach Japan und schließlich werde ich meine letzte Work and Travel Erfahrung in Kanada machen können. Somit sind die nächsten acht Jahre rund um die Welt arbeiten und reisen abgedeckt, was mich sehr glücklich macht. Und für die Zeit danach habe ich auch schon ein Ass im Ärmel: bis dahin möchte ich komplett von in Zukunft zwei Online-Businesses und meinen Büchern leben können. Sollte dies nicht gelingen, kann ich immer noch auf viele Arbeitsvisa rund um die Erde zurückgreifen, die mir helfen, lange Zeit im Ausland zu bleiben. Für alle anderen Länder gibt es dann nur die Möglichkeit, Geld zu sparen und im Rahmen eines Touristenvisums zu verweilen. Es gibt definitiv immer einen Weg mit mehreren Lösungen, die zum Ziel führen… Aufgeben lohnt sich einfach nicht. Und ich finde, dass das ein gelungener Mix aus allen Möglichkeiten ist, die mir Reisen für Jahrzehnte sichert. Vielleicht auch für Dich? Denn das ist doch alles, was wir wollen: dass das Fenster nicht geschlossen werden muss.

 

Weißt Du noch andere Lösungen für Langzeitreisen oder kennst Du noch mehr Work and Travel Destinationen ab 30? 

Deine
Jacqui's Original-Signatur.

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