Nachdem ich den Juli eher ruhig verbracht habe, steht der August wieder ganz im Zeichen von Action, denn nun sind die letzten 4 Wochen angebrochen, in denen ich noch in Kurzarbeit bin. Dann geht es zurück zur Arbeit und ich bin ehrlich gesagt ziemlich vorfreudig, so verrückt es klingt! Ich verbringe diesen Monat in der Heimat und werde noch einmal richtig aufdrehen, bevor ich die Arbeit komplett und zu 100% in den Fokus rücke. Warum, das kannst Du in dieser neuen Ausgabe von Stadtgefühle erfahren!

Geschätzte Zeit daheim

Während Du das hier liest, befinde ich mich bereits seit zehn Tagen Zuhause in Berlin. Fast den gesamten August bin ich daheim und ich schaffe es sogar, Freunde in Nordrhein-Westfalen zu besuchen und mit diesen zwei tolle Ausflüge zu machen: zur Burg Eltz und nach Monschau in die Eifel. Ich freue mich wirklich sehr, denn meine durch Kurzarbeit entstandene Freizeit noch einmal sinnvoll zu nutzen, bevor die Arbeit wiederbeginnt, ist wirklich ein Segen! Das letzte Mal, dass ich länger als zwei Tage am Stück daheim war, war im Jahr 2017, wo ich eine Woche Zuhause war. Und das letzte Mal, dass ich länger als eine Woche daheim war, war sogar im Jahr 2015. Da habe ich natürlich viel Nachholbedarf was das Treffen mit Freunden und Familie angeht! Ich habe so viele schöne Erlebnisse geplant, unter anderem ein Picknick mit Freunden auf dem Tempelhofer Feld, ein Tag in Potsdam und an meiner alten Uni, ein Tag im Spreewald und ganz viel Sightseeing in Berlin, damit mein südafrikanischer Freund sich genau ansehen kann, wo ich herkomme und was ich in meinem Leben in Deutschland so getrieben habe. Da Berlin für uns auch eine Wohnalternative für irgendwann in der Zukunft ist, ist der Aufenthalt Zuhause natürlich gleich doppelt so wichtig.

Ich freue mich auf laue Sommerabende mit meinem geliebten Sterni, endlosen Spaziergängen durch Kreuzberg, Friedrichshain und Prenzlberg und ich freue mich auf günstiges und vegetarisches Sushi bei meinem Lieblingsladen, spontane Open Airs in Parks, draußen sitzen, mit Fremden ins Gespräch kommen, tagsüber im Trepi oder Görli chillen und Obstdöner essen. Hach, wie ich mein geliebtes Berlin immer noch so sehr vermisse! Für mich gibt es keinen schöneren Ort auf der Welt und glaube mir, ich habe viele tolle Orte gesehen. Doch so ist das eben mit der Heimat… Ich freue mich sehr! Und darüber hinaus bin ich auch noch richtig beruhigt, denn das Coronavirus ist in Deutschland im Gegensatz zum UK viel mehr unter Kontrolle, sodass ich einfach ganz entspannt bleiben kann. Natürlich lassen wir uns nach der Heimkehr testen, aber es wird ganz bestimmt nichts zu befürchten sein. Da stecke ich mich ja eher in der Tube an, wenn ich in Central herumfahre…

Die Arbeit lieben gelernt

Zum 01. September 2020 kann ich endlich wieder ins Büro. Ganze fünf Monate und sieben Tage war ich dann in Kurzarbeit und habe mich damit begnügt, die Rechnungen ohne meine übliche Provision zu zahlen. Da ich im Sales arbeite, ist die Provision oft höher als mein Grundgehalt und das macht sich natürlich direkt in der Potte bemerkbar. Während meiner Kurzarbeit habe ich dann auch ganz plötzlich nach 31 Jahren erkannt, wie wichtig es ist, eine gutbezahlte und unbefristete Arbeit zu haben, denn wir alle sind Teil des kapitalistischen Systems und brauchen es wie es uns braucht – ob wir wollen oder nicht! Ohne Kapitalismus kann ich nicht reisen, kann keine Erlebnisse buchen, kann nur in meinen vier Wänden sitzen und Indoor-Hobbies nachgehen. Für mich war diese Erkenntnis echt krass, da ich aus einer eher linken Ecke stamme und mich früher mit meiner Meinung in Sachen Politik, Arbeit und Kapitalismus eher als Punkerin bezeichnet hätte. Doch wir können das kapitalistische System nicht ändern, also ist es besser, wenn wir uns damit arrangieren und uns die Sterne herauspicken, nach denen wir greifen wollen.

Ich habe mich im gleichen Atemzug auch daran erinnert, wie schrecklich all meine Jobs vor dem waren, den ich jetzt habe. Ich habe jahrelang als Verkäuferin und in der Gastronomie gearbeitet. Ich habe Jeans, Goth Couture und Unterwäsche verkauft, Toiletten geputzt, ganze Restaurants mit über 100qm in einer Schicht geputzt; habe an der Kasse gestanden, nachts gearbeitet, am Wochenende und für ganz wenig Geld. Am Anfang bekam ich menschenverachtende sechs Euro die Stunde, dann wurden es irgendwann mal acht. Aber bis ich da angekommen war, waren sechs Jahre vergangen. Ich hatte zwar auch mein unregelmäßiges (und besseres) Einkommen als Model, aber ich habe mich immer auf meine anderen Jobs konzentrieren müssen, damit ich genug Einnahmen hatte. Auch während meiner Weltreise habe ich schrecklich hart gearbeitet und in einem Hostel und bei Privatfamilien als Putzfrau gearbeitet. Ich habe als Bäckerin in einem Supermarkt gejobbt und zum Schluss 13 Stunden pro Tag am Fließband einer Kartoffel- und Zwiebelfabrik in Australien gestanden und sortiert. Ich habe Birnen bei 40 Grad im Schatten geerntet und wurde von allen Arbeitgebern gnadenlos ausgebeutet und nicht gut behandelt.

Ein Grund dafür, warum mein Partner und ich weiterhin in London bleiben, ist die wirtschaftliche Situation, die viel besser ist als in Berlin. In London ist es viel wahrscheinlicher, einen sehr gut bezahlten und von Anfang an unbefristeten Job zu finden, und da die Steuern nur 20% betragen, sind die Abzüge auch noch gering. Ich habe noch nie so viel verdient wie heute und wurde auch noch nie so gut auf der Arbeit behandelt. Für jemanden wie mich, der früher keine Wahl hatte, wurde ich endlich nach Jahren der Knechtschaft gewürdigt und anerkannt. Ich habe so noch einmal erkannt, dass es ein Segen ist, eine Arbeit zu haben, die einem viel Einkommen beschert. Denn viel Einkommen bedeutet mehr Reisen, mehr Erlebnisse und eine Eigentumswohnung. Ich habe meine Einstellung gegenüber der Arbeit in den letzten Monaten so sehr verändert, dass ich mich sehr freue, im September zurückzukehren, um die großen Fische an Land zu holen. Das einzige, was ich lernen muss, ist meine Work-Life-Balance besser intakt zu halten – was mir mit meiner neuen Dankbarkeit und gelernten Erholung deutlich besser gelingen kann als zuvor!

Deine

Bildquelle: Pixabay

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