Im Dezember 2018 war ich vier Wochen in Ägypten backpacken, da ich schon immer ein riesiger Fan von diesem nordafrikanischen Land mit faszinierender Geschichte war. Während ich dann in Dahab auf der Halbinsel Sinai zum Tauchen unterwegs war, gab es bei allen Touranbietern die Chance, das Weltwunder Petra, die sagenumwobene Felsenstadt in Jordanien zu erkunden. Petra war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer und ist für ihre monumentalen Grabtempel bekannt, deren Fassaden direkt aus den rötlich gefärbten Felsen gemeißelt wurden. Aufgrund der Stadtlage und des ausgeklügelten Wassersystems gehört Petra neben Bosra in Syrien und der Handelsmetropole Hegra (heute Mada’in Salih) in Saudi-Arabien zu den drei bedeutendsten Städten des Nabatäerreichs. Wer keine Lust hat, selbst anzureisen, der hat von der ägyptischen Halbinsel Sinai wirklich alle Vorteile einer gebuchten Tour. So war es dann auch für mich, denn 24 Stunden organisiertes Abenteuer zu einem Weltwunder zum Greifen nahe konnte ich absolut nicht ausschlagen!

So läuft ein Tagestrip nach Petra ab

Der Tagestrip nach Jordanien begann bereits um 3Uhr morgens. Ein Minivan sammelte mich von meiner Unterkunft aus ein und fuhr mich und andere sehr müde Reisende bis zur Grenze nach Taba, wo wir nach dem Auschecken aus Ägypten auf ein Speedboot wechselten. Dieses brachte uns in Rekordzeit nach Tala Bay nahe der jordanischen Stadt Aqaba. Ich muss zugeben, ich habe noch nie einen so schönen Hafen gesehen! Tala Bay ist wirklich wunderschön und wirkt super posh und edel. Hier hätte ich locker noch einen Tag in einem super gepflegten Resort chillen können! Für die Tagesreisenden aus Ägypten hatten die Jordanier direkt am Wasser ein Zelt aufgebaut, wo alle mit Reisepass einreisen mussten und gestempelt werden.

Visafakten: Da ich vier Wochen in Ägypten gebackpackt bin, brauchte ich zum Reisen ein Visum. Dieses beinhaltete auch nur den einmaligen Eintritt ins Land, daher hatte ich bei der Ausreise nach Jordanien die Sorge, dass ich nicht wieder ins Land gelassen werde. Doch die Ägypter sind bei einem Tagestrip kulant und lassen Dich einfach trotzdem wieder einreisen. Da Du den ganzen Tag auch mit einem Reiseleiter und anderen Mitreisenden unterwegs bist, brauchst Du Dir wirklich keine Gedanken machen. Niemand wird einfach zurückgelassen! Für Jordanien brauchst Du bei einem Tagestrip übrigens kein Visum, jedoch ist eine Einreisegebühr bereits im Tourpreis enthalten. Einen schönen neuen Stempel bekommst Du aber trotzdem in Deinem Reisepass verewigt!

Nach dem geglückten Einreisen wurden wir auf zwei Busse aufgeteilt und fuhren noch zweieinhalb Stunden durch die wunderschöne Wüstenlandschaft Jordaniens. Mittlerweile war die Sonne aufgegangen und strahlte hell über die atemberaubende Szenerie. Am Horizont erkannte ich Israel und einzigartige Bergketten türmten sich auf. Schon allein die Busfahrt war spannend! Irgendwann wurde aus der Wüstenlandschaft dann tatsächlich Häuser, Straßenzüge und dann waren wir mittendrin in Petra, der sagenumwobenen Stadt im Nahen Osten. Wir parkten den Bus am Straßenrand und dann ging es los! Petra kündigte sich mit einem prunkvollen Eingangstor und dem Schriftzug „I love Petra“ an, wo alle Reisenden die ersten Fotos knipsten. Wir erhielten nun unsere Tickets und konnten uns nun entscheiden, ob wir mit dem Tourguide herumwandern oder alleine loslaufen wollten. Wichtig war nur: wir hatten genau drei Stunden Zeit, dann mussten wir wieder im Bus sein. Ich fand drei Stunden leider etwas kurz, aber für mich war es dennoch besser, als gar nicht dabei zu sein.

Endlich angekommen: die Magie von Petra wird lebendig

Petra, früher bekannt unter „Regmu“ – die Rote, liegt in einem weiten Tal im Bergland von Edom. Was mir sofort aufgefallen ist, dass die Stadt wirklich sehr versteckt und geschützt zwischen schroffen Felswänden liegt. Die Ruinenstadt ist nur über einen schmalen Gebirgspfad im Nordwesten und durch eine 1,5 Kilometer lange und 70 Meter tiefe Felsschlucht vom Nordosten aus zu erreichen, welche an der engsten Stelle nur zwei Meter breit ist. Wir betreten das Weltwunder durch die Felsschluchten, die sich bombastisch neben uns auftürmen. Die ersten Pferdekutschen fahren in wirklich antik anmutenden Holzwagen umher, in welchen Touristen sitzen. Laut krachend galoppieren die Pferde durch die Schluchten, die mal größer, mal kleiner sind. Schon hier zeigt sich die wunderschöne rötliche Farbe der Steine, die schon jetzt ihre Geschichten erzählte. Petra war in der Antike aufgrund der besonderen Lage der Stadt ein wichtiger Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer verbanden. Besonders vom 5. Bis zum 3. Jahrhundert nach Christus kontrollierte Petra einen bedeutenden Knotenpunkt der Weihrauchstraße, welche vom Jemen aus an der Westküste Arabiens langführte und bis nach Gaza und Damaskus reichte. Wir wanderten wirklich lange durch die Schluchten Petras, bis wir irgendwann durch die Felsspalten das bedeutendste aller Baudenkmäler erblickten: Khazne al-Firaun, das Schatzhaus und Cover jedes Reiseführers.

Das Schatzhaus ist etwa 40 Meter hoch und 25 Meter breit und wurde im hellenistischen Stil erbaut. Eigentlich war das Schatzhaus in Wirklichkeit eines von zahlreichen Felsengräbern, welches eventuell dem Nabatäerkönig Aretas IV vorbehalten war. Vor dem Schatzhaus lauern auch die meisten Verkäufer und Händler. Alle wollen einem Kameltouren verkaufen, mit einem hoch oben auf die Felsen gehen für den tollen Ausblick, oder Souvenirs vorführen, die es in einem kleinen Stübchen vor dem Bauwerk zu kaufen gibt. Hier tummeln sich natürlich auch die meisten Touristen und alle laufen aufgeregt durch die Gegend, um den besten Fotospot zu finden. Die Händler sind wie oft im Nahen Osten sehr hartnäckig, doch nachdem ich mit einigen von ihnen Fotos gemacht habe, lassen sie mich dann auch in Ruhe. Das Schatzhaus ist natürlich das schönste aller Bauwerke, doch es gibt noch so viel mehr zu entdecken! Etwa 800 historische Baudenkmäler und Opferplätze sind erhalten geblieben, die entweder im nabatäischen, griechisch-hellenistischen oder römischen Stil gehalten sind. Es gibt zum Beispiel ein Römisches Theater ganz aus einem Felsen gemeißelt, wo sich heute statt Kämpfern eine Horde spielender Ziegen tummelt. Auch schön. Was mein Tourguide immer wieder betonte, war das ausgeklügelte Wassersystem der Nabatäer. Die ganze Felsenstadt war mit Aquädukten durchzogen, welche Wasser durch die ganze Stadt transportierten. Das höchst komplexe Wassersystem speiste sich aus Wasserquellen im Umkreis von 25 Kilometern rund um die Stadt. Es war eine wesentliche Voraussetzung für das Wachstum der Stadt, da sich die Nabatäer so eine Oase inmitten der kargen Wüsten- und Felslandschaft geschaffen hatten.

Nachdem ich genug Geschichte durch den Tourguide gehört hatte, erkundete ich die letzte Stunde Petra auf eigene Faust, was ich Dir unbedingt auch empfehlen würde. So hast Du die Ruhe, Dir alles in Deinem Tempo anzusehen und innezuhalten. Vor den Gräbern der Königswand legte ich eine kleine Pause ein und betrachtete die Szenerie von einem Felsen aus. Was für eine Kulisse! Kaum zu glauben, dass Petra kurzzeitig in Vergessenheit geraten und erst 1812 vom Schweizer Arabienreisenden Johann Ludwig Burckhardt neu entdeckt wurde. Erst nach weit nach 1920 wurden archäologische Ausgrabungen begonnen und erste Touristen gelangten in die Ruinenstätte. Nachdem Petra 1985 in die Liste der Weltwunder aufgenommen wurde, wurde die Stadt nach und nach eine der größten Sehenswürdigkeiten des Nahen Ostens. Um Petra touristisch besser nutzen zu können, siedelte die jordanische Regierung zwischen 1968 und 1985 B’doul-Beduinen zwangsweise um, da diese in den schattenspendenden Grabbauten gewohnt hatten. Nun wohnen alle Beduinen im Umland, vor allem in Wadi Musa, wo sie mit dem Tourismus gutes Geld machen können. Eine spannende Geschichte eines fantastischen Ortes, welche nur mit einem wirklichen Besuch richtig erlebt werden kann.

Auf dem Rückweg zum Ausgang konnte ich nicht widerstehen und erwarb noch ein schönes Souvenir: eine mit verschiedenfarbigem Sand gefülltes kleines Glasfläschchen, in welches der Verkäufer eine Wüstenszenerie mit Kamelen, Sonne, Bergen und meinem Namen auf Arabisch kreiert hatte. Er nahm dazu schlicht und einfach einen Trichter, ein stabiles Stück Metalldraht und verschiedenfarbigen Sand, um ein wahrhaft schönes Bild in der Flasche entstehen zu lassen. Das Souvenir begeisterte mich mehr als ein Gemälde und war darüber hinaus wirklich super praktisch mit Karte zu bezahlen. Auf dem Rückweg nach Ägypten hielt unser Tourbus noch an einem Restaurant, wo wir aus einem Buffett ein tolles Mittagessen zaubern konnten. Eigentlich mochte ich solche Massenabfertigungen nicht, doch manchmal geht es auf Tour eben nicht anders. Ich lernte dort ein Ehepaar aus Armenien kennen, was auch noch auf meiner Liste der zu besuchenden Länder steht. Da ich noch nie Armenier getroffen hatte, war das wirklich eine besondere Begegnung! Gegen 22Uhr abends kam ich müde, aber glücklich zurück an meinem Hotel in Dahab an. Petra ist wirklich zurecht ein Weltwunder und wartet nur darauf, von Dir besucht zu werden!

Top-Tipps für Deinen Tagestrip nach Jordanien

1. Allgemeines: Der Tagestrip von Dahab nach Petra dauert etwa 19 Stunden (von 3Uhr morgens bis 22Uhr abends) und kostet 180 bis 200€ pro Person. An- und Abreise, sowie die Grenzübergänge dauert etwa sieben Stunden pro Weg. Die Zeit in Jordanien selbst besteht aus Sightseeing von etwa drei Stunden und zwei Stunden Mittagessen.

2. Buchen: Du kannst die Touren überall und zu jeder Zeit an Dahab’s Strandpromenade buchen.

3. Touranbieter: Checke mindestens drei Touranbieter aus und kläre neben dem Endpreis ab, was in der Tour enthalten ist. Gibt es Frühstück, Lunch oder Getränke? Sind die Kosten der verschiedenen Fahrzeuge und die des Einreisens nach Jordanien inkludiert? Wirst Du mit Deinem Single Entry- Visum auch zurück nach Ägypten kommen können? Und wie lange werdet ihr schlussendlich in Petra verweilen? Ein guter Touranbieter nimmt sich Zeit für Dich und beantwortet all Deine Fragen, bevor Du sie gestellt hast.

4. Zeitpunkt: Du kannst Dir die Tour direkt für den nächsten Tag buchen, jedoch beginnt die Tour bereits um 3Uhr morgens. Das bedeutet, wenn Du am Tag der Buchung erst später aufgestanden bist, wirst Du nicht schon am frühen Abend müde sein und völlig fertig sein, wenn Du um 2:30Uhr aufstehen musst. Ich habe mir den Trip für den Tag darauf gebucht, bin um 5Uhr aufgestanden und um 19Uhr ins Bett gegangen. Das hat wunderbar geklappt!

5. Warten: Ägypter und Jordanier haben die Ruhe weg. Stell Dich bei den Grenzübergängen auf langes Warten ein. Trage Sonnencreme auf und widme Dich dann ganz Deinem Buch oder Deiner Serie auf dem Handy.

6. Snacks und Getränke: In den meisten Touren ist ein Mittagessen enthalten, ab und zu auch Frühstück je nach Anbieter. Ich würde Dir trotzdem empfehlen, Dich mit genügend Snacks und Wasser einzudecken, da es unterwegs eigentlich gar keine Möglichkeit gibt, etwas außerhalb der Souvenir- und Snackstände von Petra zu kaufen. Da Toiletten an Bord des Schiffs sind und das Einreisen in Tala Bay so lange dauert, können auch dort Toiletten genutzt werden, sodass der Fahrer nicht mehr anhalten wird.

7. Jordanisches Geld: Der einzige ATM auf der Strecke nach Petra war im Resort von Tala Bay, doch aus irgendeinem Grund konnte ich dort nicht abheben. Doch keine Panik: die Jordanier sind clever und jeder noch so kleine Händler in der Ruinenstätte selbst bietet eine Kartenzahlung an. Das ist praktisch die einzige Möglichkeit, um Souvenirs oder Snacks zu kaufen, wenn Du nicht schon in Ägypten in jordanische Dinar umgetauscht hast.

8. Powerbanks und Unterhaltung: Da der Trip so lange dauert, nimm Dir unbedingt Deine Powerbank mit. Da Du wirklich sehr lange in Bussen und Booten verbringst, brauchst Du auch genug Saft, um Dein Handy am Laufen zu halten. Zum einen für Fotos, zum anderen für Unterhaltung. Du wirst sicherlich viel Zeit haben für Musik hören oder auch fürs Filme schauen. Viele Reisende haben auch gelesen, wenn sie nicht gerade stundenlang verträumt aus dem Fenster gestarrt haben. Ein Buch ist sicherlich nicht verkehrt!

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