Willkommen zu einem neuen Beitrag meiner Serie „Coronaferien“! Heute dreht sich alles um das wunderschöne Ostdeutschland, welches nicht nur meine Heimat ist, sondern auch ein irgendwie eher unterschätztes Reisegebiet in Deutschland – abgesehen von Berlin natürlich. Oft höre ich, dass es im Osten nichts Schönes zu sehen gibt und alles verfallen ist. Das dürfte zwar zur Zeiten der DDR und in den 1990er Jahren so gewesen sein, aber ganz sicher nicht mehr heute. Ich habe im Rahmen meiner Deutschlandtour im Jahr 2010 alle Städte Ostdeutschlands besucht und habe von Dresden über Erfurt und Halle (Saale) wahre Schönheiten und beeindruckende Bauten gesehen, von denen andere Bundesländer nur träumen können. Die ostdeutschen Vorurteile haben sich zwar weitestgehend gelegt, jedoch wissen trotzdem noch nicht alle, warum sich Urlaub im Osten heute lohnen soll. Doch neben den architektonisch und historisch beeindruckenden Städten gibt es auch traumhafte Naturziele zu bestaunen. Welche das sind, erfährst Du in meinem neusten Artikel. Und nein, Berlin ist hier aus Prinzip nicht zu finden. Denn da fährst Du sowieso einmal im Leben hin!

Potsdam (Brandenburg)

Ich habe an der Universität Potsdam Philosophie und Geschichte im Bachelor studiert. Für uns Berliner*innen war Potsdam oft die enttäuschende zweite Wahl für alle, die keinen Studienplatz in Berlin bekommen hatten. Was für uns eher tiefstes Vorstadt-JWD (janz weit draußen) war, entpuppte sich nach und nach zu einer wahren Perle einer ostdeutschen Stadt. Es war so viel spannender, in Potsdam zu studieren, denn meine Uni ist nichts geringeres als das Schloss und die Sommerresidenz von Friedrich dem Großen, dem preußischen König! Das Schloss Sanssouci ist dem Schloss Versailles in Frankreich nachempfunden und verfügt nicht nur über aufwendig angelegte Gärten mit Orangerie und Atrium, sondern auch über prunkvolle Gemächer, die besichtigt werden können. Auf so einem Gelände Geschichte zu studieren, hatte schon etwas Ehrfürchtiges an sich! Nebenbei lohnt sich auch immer ein Abstecher in die wunderschöne Potsdamer Innenstadt, die mit traumhafter Altstadt, Kopfsteinpflasterstraßen und dem Holländischen Viertel wartet, welches von 1733 bis 1742 von einem niederländischen Baumeister errichtet wurde. In Potsdam finden sich außerdem die Babelsberger Filmstudios, die uns einen Einblick in die Filmwelt geben.

Spreewald (Brandenburg)

Der Spreewald ist nicht nur bekannt für seine Gurken, sondern auch für sein lagunenartiges Wasserlabyrinth, das gerne per Kanu oder per Spreewaldkahn erkundet wird. Das Biosphärenreservat beeindruckt mit einem Netz aus knapp 1000 Kilometern Fließgewässern, von denen 300 Kilometer befahrbar sind. Bei einer entspannten Kanufahrt durch die Gewässer können die heimischen Tier- und Pflanzenarten bewundert werden. Das etwa 82 Kilometer südlich von Berlin entfernte Reiseziel ist ideal für ein gemütliches Wochenende in der Natur, die auch per Fahrrad erkundet werden kann. Die Stadt Lübbenau stellt dabei das kulturelle Zentrum des Spreewalds dar, in der die Sagenwelt der sorbischen Kultur kennengelernt werden kann. Das slawische Volk ist für seine Musik und für seine Trachten bekannt. Es gibt ein Spreewaldmuseum mit historischen Bauernhäusern und einer Ausstellung rund um die Spreewaldgurke im Ortsteil Lehde. Sehenswert sind nicht zuletzt auch die abgelegenen Spreewaldhöfe mit ihren flachen Wohnstuben.

Eisenach (Thüringen)

Eisenach hat mich vor zehn Jahren besonders mit seiner Altstadt und der Wartburg beeindruckt, welches während der mittelalterlichen Reformationszeit der Zufluchtsort Martin Luther‘s war und im 19. Jahrhundert die Bühne der Wartburgfeste, welche eine große Rolle für die deutsche Einigungsbewegung spielten. Ich würde daher immer einen Besuch auf der Wartburg empfehlen, da diese eben nicht nur mit Geschichte, sondern auch mit schöner Architektur beeindruckt. Die Altstadt Eisenach’s ist denkmalgeschützt und besticht mit einem Rathaus aus der Renaissance-Zeit, sowie mit Überresten der Stadtmauer. Nach einem Morgen auf der Wartburg und einem thüringischen Mittagessen in der Altstadt, kannst Du auch direkt in den Thüringer Wald starten, der noch mehr schöne Ausflugsziele bereithält.

Thüringer Wald

Den Thüringer Wald dürften viele noch von Goethe kennen, denn hier schrieb er das „Wandrers Nachtlied“. Das 1000 Quadratkilometer große Mittelgebirge besteht zum einen aus dem Kammgebirge zwischen Werratal (bei Eisenach) und Wohlrose (bei Ilmenau), dem Thüringer Schiefergebirge im Süden und dem Rennsteig, welcher ein etwa 170 Kilometer langer Kammweg ist, der unter anderem als historischer Grenzweg diente. Er ist der älteste und mit etwa 100.000 Wanderern jährlich meistbegangene Weitwanderweg Deutschlands. Der Rennsteig ist vom Eisenacher Ortsteil „Hörschel“ begehbar und kann an seinem weißen R als Wegzeichen erkannt werden. Wer also in der Nähe ist, der sollte unbedingt ein paar Stunden Waldbaden gehen. Und für alle anderen gibt es immer noch die Bergbahn in Oberweißbach, die sich durch das Thüringer Schiefergebirge erstreckt. Sie verbindet die Stadt Schwarzatal mit der Gemeinde Cursdorf und beeindruckt mit einmaligen Landschaften – ganz ohne die Mühen des Wanderns.

Erfurt (Thüringen)

Erfurt ist eine meiner Lieblingsstädte in ganz Deutschland und nicht nur bekannt für die Sendung mit der Maus oder Bernd das Brot, sondern auch für eine der größten Altstädte Deutschlands, in denen sich prächtige Häuser der Patrizier und liebevoll rekonstruierte Fachwerkhäuser finden. Erfurt war ein wichtiges Kultur- und Handlungszentrum im Mittelalter und kann sich auch heute noch sehen lassen. In der Innenstadt finden sich quirlige Restaurants, interessante Lädchen und eine Souvenirmeile, die über die Krämerbrücke führt. Diese war in Erfurt immer mein Lieblingsplatz, denn sie ist nicht nur die längste durchgehend bebaute und bewohnte Brücke Europas, sondern auch einfach ein toller Ort zum Abhängen. Kleine Gruppen treffe sich hier zum Bier trinken und quatschen vor einmaliger Kulisse. Die 120 Meter lange Brücke über den Fluss Gera verbindet den Benediktsplatz mit dem Wenigemarkt. Ansonsten kannst Du den Erfurter Dom, das Rathaus oder auch die Alte Synagoge bestaunen. Am schönsten ist es, einfach loszulaufen und zu sehen, wo Du hinkommst. Da Erfurt nicht sonderlich groß ist, kannst Du Dich auch garantiert nicht verlaufen!

Dresden (Sachsen)

Auch Dresden zählt zu meinen Lieblingsstädten. Die als „Elbflorenz“ bekanntgewordene Stadt beeindruckt mit imposanten Repräsentativbauten aus der Barockepoche wie zum Beispiel dem Dresdener Schloss, der Frauenkirche und auch der Semperoper. Besonders bei der Semperoper solltest Du nachschauen, ob aktuell Führungen angeboten werden, denn diese Oper ist einfach nur traumhaft schön und einen Besuch wert! Auch der Zwinger-Komplex beeindruckt mit seiner Architektur und den einmaligen Gartenanlagen. Dresden hat leider oft den Ruf, dreckig, unspektakulär und voller Nazis zu sein, doch wer einmal an diesen Sehenswürdigkeiten vorbeigegangen ist, der weiß nun, dass sich Dinge ändern können. Neben den großen Prunkbauten verfügt Dresden über eine lebhafte Restaurant- und Kneipenszene und in der Neustadt haben die Linken das sagen – nicht die Nazis.

Sächsische Schweiz (Sachsen)

Die Sächsische Schweiz liegt südöstlich von Dresden, reicht bis ins Osterzgebirge und dürfte vielen bekannt sein durch ihre bizarren Felsformationen aus Elbsandstein. Das 93 Quadratkilometer großes Gebiet umfasst zwei Gebiete: das Gebiet der Bastei bei Rathen mit dem Polenztal, Brand und den Uttewalder Grund, sowie das Gebiet der Hinteren Sächsischen Schweiz zwischen der Elbe und der Grenze zu Tschechien mit den Schrammsteinen, dem Großen Zschand, dem Großen Winterberg und Kirnitzschtal. Besonders die Felsformation „Bastei“ dürfte vielen bekannt sein, denn sie beeindruckt mit einer wunderschönen Basteibrücke vom Ferdinandstein aus. Sie verfügt über eine Aussichtsplattform und zählt zu den meistbesuchten Touristenattraktionen der Sächsischen Schweiz. Viele Besucher*innen wandern nicht nur durch die Natur, sondern klettern auch an den Felsen hoch. Es gibt viele Seile und Sicherungspunkte für Kletterer*innen und verschiedene Stiegen, an denen auch Wanderer*innen zu verschiedenen Orten gelangen können, die eigentlich eher für Kletterer*innen erreichbar sind. Auch kommen viele hierher, um zu „boofen“, was das Freiübernachten unter einem Felsvorsprung bezeichnet.

Leipzig (Sachsen)

Leipzig war zu meinen Gothiczeiten aufgrund des größten Gothic-Festivals der Welt immer meine zweite Heimat. Noch heute fühle ich mich dort Zuhause, denn jedes Jahr bis 2012 war ich dort, um meine Subkultur zu feiern. Leipzig ist heute das „kleine Berlin“, denn die Stadt ist immer noch sehr alternativ und vor allem günstig. Nicht nur die Straßencafés, die internationale Küche und die Pubs machen Leipzig so interessant, sondern auch bekannte Locations wie der Auerbachs Keller, die Moritzbastei und auch das Völkerschlachtendenkmal, welches an die große Schlacht von 1813 erinnert. In Leipzig kann eigentlich alles fußläufig erreicht werden, doch wer müde vom Laufen ist, kann einfach die Trams nehmen, die Dich in Windeseile überall hinbringen. Leipzig verfügt mit seinem kleinen Berliner Charme auch über zahlreiche Parks und entspannte Seen etwas außerhalb, die zu einem relaxten Wochenende einladen. Leipzig ist immer eine Reise wert!

Quedlinburg (Sachsen-Anhalt)

Quedlinburg liegt im Harzvorland und ist eine der ältesten Städte in Ostdeutschland. Hier finden sich über 2000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten, eine kopfsteingepflasterte Altstadt und Straßencafés im mittelalterlichen Ambiente. Es gibt ein Schlossmuseum, eine Domschatzkammer und einen echten mittelalterlichen Kirchenschatz, sowie ein Fachwerkmuseum, die über die Architektur des Ortes informiert. Wer einen fernen Blick auf die roten Dächer der Stadt werfen möchte, der kann rund um Quedlinburg wandern gehen. Hier locken unter anderem das Bodetal, das Harzgebirge und die Burg Falkenstein zu Wanderausflügen.

Wernigerode (Sachsen-Anhalt)

Ganz in der Nähe von Quedlinburg liegt die beschauliche Stadt Wernigerode, die als Erholungsort im Landkreis Harz anerkannt ist. Der Stadtkern besteht ebenfalls zum Großteil aus Fachwerkhäusern, doch der Unterschied zu Quedlinburg ist, dass über diesen das Wernigeröder Schloss thront. In Wernigerode startet ebenfalls die Harzer Schmalspurbahn, die über Schierke zum Brocken und quer über den Harz nach Nordhausen in Thüringen fährt. Neben den typischen Restaurants und Cafés gibt es einen Wildpark in Nöschenrode, den Planetenweg mit Rundgang, der das Planetensystem erklärt, sowie verschiedene Museen wie etwa das „Harzmuseum“ oder das „Museum Schiefes Haus“. Wer sich also dieses Jahr im Harz erholen möchte, der kann gleich mehrere Orte besuchen, um etwas Neues kennenzulernen.

Halle, Saale (Sachsen-Anhalt)

Halle an der Saale ist eine Großstadt im Süden Sachsen-Anhalts, die als Ausgangspunkt der sozial-humanistischen Bildung in Deutschland gibt, da August Hermann Francke hier 1698 die Frankeschen Stiftungen gegründet hat. Halle ist außerdem Sitz eine der ältesten Universitäten Deutschlands und verfügt über eine Vielzahl von kulturellen und musealen Einrichtungen, z.B. der Stiftung Moritzburg oder das Landesmuseum für Vorgeschichte. Halle bezeichnet sich aber nicht nur mit diesen Einrichtungen als „Kulturhauptstadt Sachsen-Anhalts“, sondern auch aufgrund des Opernhauses und der Kulturinsel Halle mit etabliertem Puppentheater. Es gibt zwei Burgen zu bestaunen, die Burg Giebichenstein und die Moritzburg; außerdem verfügt Halle über zahlreiche Kirchen, einen Wasserturm und mehrere Flussinseln, welche für Großstädte einmalig sind. Halle ist zu Fuß begehbar und ein entspanntes Reiseziel für alle, die sich erholen möchten.

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