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Fliegen, teleportieren oder unsterblich sein! Welche Superkraft hast Du Dir schon immer gewünscht? Bei mir waren es ganz klar die Zeitreisen, denn wie schön würde es sein, wenn wir einfach in ein anderes Jahrzehnt, gar Jahrtausend reisen könnten? Für mich wäre das genauso schön wie um die Welt zu reisen und ich fand es immer schade, dass wir so etwas nicht können. Bis mir dann 2018 bewusst wurde, dass wir in gewisser Weise doch zeitreisen können! Wie das gehen kann? Ganz einfach: Du kannst Länder bereisen, die auf einem anderen Stand sind als Europa. In Afrika kannst Du in der Zeit zurückreisen, in Asien dagegen sogar auch in die Zukunft. Welche Orte Du besuchen kannst, um möglichst viele Zeitsprünge zu machen, erfährst Du in diesem Artikel.

Zurück in die Vergangenheit: Ägypten

Mein vierwöchiger Backpackingtrip nach Ägypten war eine der schönsten Reisen meines Lebens. Ich liebte nicht nur die Geschichte und die Landschaften, sondern auch die Tatsache, dass ich einfach in der Zeit gereist war. In Kairo entdeckte ich zahlreiche herumfahrende Autos, die ich sonst nur aus dem Fernsehen kannte. Alte Modelle aus den 1970ern und sogar 1960ern fuhren laut knatternd durch die Gegend. Viele Männer waren auch auf alten Mofas unterwegs und manche auf Kutschen mit vorgespannten Eseln. Das Streetfood wurde meist auf dem offenen Feuer zubereitet und auf Märkten wurden sogar eine Herde lebende Ziegen als Mittagessen angeboten – was ich als Vegetarierin nicht so toll fand, aber da ich so etwas auch nur aus dem Fernsehen kannte, war es interessant zu sehen! Auch das Rauchverbot ist in Ägypten noch nicht angekommen: bei meiner Ankunft in Kairo wurde im Flughafen an jeder Ecke geraucht, außerdem im Linienbus in die Stadt und in jedem noch so kleinen Raum. Sogar Kinder rauchen dort Zigaretten und fahren auf Mopeds umher. Und je mehr Du in abgelegene Gegenden reist, desto mehr reist Du in die Vergangenheit: in der Siwa-Oase gab es beispielsweise kaum Autos, sondern mehr Kutschen. Obst und Gemüse gab es nur auf einem Markt, es gab keine Supermärkte oder Corner-Shops. Für eine Person wie mich die reist, um die Welt genauso zu sehen, wie sie ist, war das einfach super spannend!

 

Ab in die Zukunft: Singapur

Singapur kam mir vor wie ein riesiges Freizeitparadies mit Skyline und Palmen im Miami-Style. Hier schien es mir, als sei alles von Grund auf penibel geplant worden, denn alles war einfach perfekt: die super modern eingerichteten und klimagrün gebauten Wohnblöcke waren umrahmt von üppigen Gärten und hatten ihre eigenen Pools und Tennisplätze, die Bürotower waren smart und grün mit viel Glas und vielen Hoch- und Flachdachgärten gebaut und architektonisch in sich stimmig. Es gab viele Grünflächen, einen riesigen botanischen Garten, einen Zoo mit teils freilebenden Tieren und schöne Denkmäler und Plätze dazwischen. Singapur besticht ebenfalls mit der Sentosa-Insel, wo ein Freizeitpark und viele andere entspannende Einrichtungen gebaut wurden. Singapur ist so nicht nur ultramodern, sondern auch super sauber! Vieles, was ich dort 2016 gesehen hatte, hatte ich in Europa noch nie gesehen. Öffentlicher Nahverkehr und Plätze sind mit gratis Wifi ausgestattet und alles ist in sich stimmig. Singapur ist der perfekte Ort, um mal in die Zukunft reinzuschnuppern!

Singapur Skyline (Pixabay).

Vergangenheit und Zukunft in einem: China

China hat eine ganz besondere Position, wenn es um Zeitreisen geht: zum einen kannst Du in tiefe Geschichte eintauchen und entlegene Orte besuchen, die Dich zurückbringen in die Vergangenheit. Viele geschichtsträchtige Orte in China fühlen sich an wie ein Filmset, weil sie so anders und surreal sind. Besonders rund um die Nationalparks in Sichuan fühlte ich mich wie auf einem anderen Planeten: es gab kein Wifi, keine Heizungen und Bauern fuhren mit Kutschen umher und überall liefen Schweine durch die Straßen, die nicht geteert waren. Unterkünfte waren mit viel Holz und Stein gebaut und verfügten oft über eine Feuerstelle zum Wärmen. Die Menschen auf den Dörfern lebten in kleinen Steinbaracken und bauten ihr Gemüse selbst an – und wenn Ausländer*innen kamen, waren alle ganz süß aufgeregt und wollten mal Hallo sagen.

Lijiang Altstadt, China (2016).

Zum anderen kannst Du in den chinesischen Großstädten in die Zukunft reisen: viele Millionenmetropolen in China sind einfach der Inbegriff von High-Tech: smarte (aber leider nicht so grüne) Wolkenkratzer, ultramoderne Wohnhäuser, selbstfahrende öffentliche Verkehrsmittel und eine komplett mit Wifi vernetzte Stadt – hier hat sogar die letzte Oma alles auf Ihrem Handy parat, egal ob Bezahlservices, die neuste Realityshow oder Routeninfos. Toiletten waren vollautomatisch und berührfrei und in einem Restaurant haben sogar Roboter das Essen ausgeliefert. Viele Dinge, die die Chinesen*innen in den Metropolen im Jahr 2016 hatten, haben wir nicht mal im Jahr 2021. China ist wundervoll für alle, die gerne beide Seiten erleben wollen und von der Vergangenheit in die Zukunft schauen wollen!

Shanghai bei Nacht (Pixabay).

Wie eine andere Zeitdimension: Indien

Wie Du bestimmt auch weißt, ist Indien mein absolutes Lieblingsland. Menschen, Kultur und die Lebensweise haben mich seit klein auf fasziniert. Wer an Indien denkt, der denkt an scharfe, vegetarische Gerichte, bunte Sarees, hohe Hindutempel, Rikschas und an Goa. Doch Indien ist auch eine wahre Zeitreise, denn hier mahlen die Mühlen teils noch wie in den 1960ern und Jahrzehnten davor. Nicht nur Züge oder Busse stammen aus einer ganz anderen Zeit, auch die alten Taxis aus der britischen Kolonialzeit fahren noch umher, als sei es nicht 2021. Markthändler ziehen ihre Stände noch selbstständig umher, Rikschas sind nicht immer motorisiert, sondern haben auch mal Menschen auf Fahrrädern davor gespannt, in Büros habe ich es oft auf Schreibmaschinen tippen gehört und Waschmaschinen sind ein rares Luxusgut. In Pondicherry habe ich darüber hinaus einen Bügelservice auf der Straße gesehen, den ein Mann mit einem Kohlebügeleisen ohne Strom betrieben hat, was ich so zuvor nur aus dem Museum kannte. Für mich gibt es nichts Spannenderes, als das echte Leben zu beobachten. Und in Indien bedeutet dies in jedem Falle immer einen Zeitsprung, den nicht einmal neue Luxusmalls in Bombay verhindern können. Indien befindet sich in einer ganz anderen Zeitrechnung, was natürlich auch von der anderen Seite betrachtet aus traurig erscheinen kann, doch wenn wir die Realität akzeptieren, wie sie ist, dann finden wir auch viel Interessantes darin. Wer auf Zeitreisen steht, der findet hier alles, was er sehen möchte.

Die ultimative Zukunftsvision: Japan

Noch war ich nicht persönlich in Japan, doch die Reisenden berichten immer dasselbe: Japan sei so supermodern! Besonders Tokio sei wie eine ganz andere Welt, denn sie profitiert besonders davon, dass Japan eine Supermacht in Sachen Smartphone-Technologie, Robotik und Automobilindustrie ist. Hier ist die Technik auf dem neusten Stand und sogar Toiletten werden zu smarten High-Tech-Geräten. Riesige smarte Wolkenkratzer und Wohngebäude werden gesäumt von bunten Neonlichtern und die Straßen sind voll von Young Professionals, die die neusten Trends in den Start-Ups entwickeln. Tokio ist eine andere Dimension, wenn es um Moderne geht: alles ist vollautomatisiert. Ich bin gespannt, ob die Stadt hält, was sie verspricht!

Tokio's berühmteste Kreuzung Shibuya bei Nacht (Pixabay).

Zeitreisen Deluxe: Laos

Laos liegt mit seiner Lage zwischen Thailand und Kambodscha oft auf den Backpackerrouten der Weltreisenden und ist verhältnismäßig schnell bereisbar. In Laos fiel mir direkt auf, wie wenige Autos herumfuhren. Sogar Motorroller waren eher die Ausnahme je nach Ort – hier wurden oft Fahrräder genutzt oder alles per Fußweg erledigt. In einigen Unterkünften gab es oft keinen Herd, sondern nur eine Feuerstelle zum Kochen. Menschen badeten in den Flüssen und Frauen wuschen dort ebenfalls die Kleidung der Familie. Als ich dort war, geriet ich in den schlimmsten Wintereinbruch seit 70 Jahren, welcher Teile von Laos und Thailand betraf. Es war so kalt, dass ich mit Kleidung schlafen musste, denn Heizungen gab es nicht. Die einzige Möglichkeit sich zu wärmen, war an Feuerstellen an der Straße oder über der morgendlichen Suppe im Restaurant. Auf den Dörfern und in kleineren Städten lebten die Menschen in Holzhütten statt Steinhäusern und überall liefen Hühner, Ziegen und Schweine herum. Das einzige, was an Laos wirklich modern war, war das Wifi-Netz: in jedem Ort abgesehen von einem einzigen gab es superschnelles Internet.

Leben wie vor 300 Jahren: Amische in den USA

Eine besondere Reise in die Vergangenheit stellt der Besuch einer amischen Gemeinde in den USA dar. Amische sind eine christliche Gemeinschaft, die nach ihrem Gründer Jakob Ammann benannt ist und um 1630 in der Schweiz als eine Gruppe ehemaliger Mennoniten entstanden ist. Die Mennoniten gehörten der radikalen Täuferbewegung an. Amische leben nach strengen Worten der Bibel und lehnen moderne Technik, Autos, Reißverschlüsse und sogar Strom ab. Die größten Gemeinschaften gibt es in Ohio, Indiana und Pennsylvania. Die Amischen leben von der Gesellschaft abgezweigt in ihrer ganz eigenen Welt und versorgen sich autark: sie bauen Mais und Getreide an und haben eigene Nutztiere auf ihren Farmen. Sie produzieren Butter, Marmelade und auch Kleidung selbst und gehen in eine Schule nur für Amische, die neben Grundkenntnissen auch Bibeldeutsch lehrt. Einige Gemeinden öffnen sich jedoch auch für Touristen und nehmen so weiteres Geld ein, um sich versorgen zu können. Amische besuchen steht auch ganz oben auf meiner To-Do-Liste, denn dies ist ganz klar eine sehr weite Zeitreise in die Vergangenheit und besser als ein Besuch im Museum!

 

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Kommentare:

  • Ines S.

    20. Januar 2021

    Vielen Dank. insbesondere Laos interessiert mich sehr, aber ich hänge eben voll im Afrika-Feeling drin. Es heißt ja immer, Afrika sei schwerer zu bereisen als Asien, ich bin nicht sicher ob das stimmt. In Thailand fand ich es schwierig, dass viele Menschen kein Englisch sprechen. Obwohl ja genau darin die Herausforderungen beim Reisen bestehen. Gerade lese ich noch den Artikel bzgl. der DKB, die doch sonst von jedem so hoch gelobt wird. Das ist ja erschreckend.
    Schreib‘ bitte weiter, Polly, ich lese immer gerne mit. Danke. Und „Reisedurststrecke“ trifft es genau. LG

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