2018 bereiste ich das wunderschöne Ägypten – ein Land, wo ich schon mit 12 Jahren unbedingt hinwollte, um tief in die Geschichte einzutauchen und endlich die Wüste zu sehen, denn diese ist neben dem Meer meine liebste Landschaftsform. Es gibt in Ägypten jedoch nicht nur die Sahara zu bestaunen, sondern auch die Schwarze und die Weiße Wüste, welche sich im Westen des Landes befinden. Die Weiße Wüste, die auch als „Sahara el Beyda“ bekannt ist, liegt 45 Kilometer von der Stadt Farafra entfernt, dessen 5000 Bewohner überwiegend Beduinen sind. Die Wüste ist ein endloser Traum aus weißen Kalksteinformationen und riesigen Monolithen, die nicht selten Tieren oder Formen ähnlich sehen. An die Weiße Wüste schließt sich die Schwarze Wüste an, dessen Hügel mit Basalt bedeckt sind; einer Art von Vulkangestein, welche die Umgebung wie eine Mondlandschaft aussehen lässt. Die Landschaft war wirklich magisch! Warum ich Dir eine abenteuerliche Safari mit Übernachtung in der Weißen Wüste Ägyptens nur empfehlen kann, erfährst Du in diesem Artikel.

Abenteuer im Jeep: die Wüstensafari beginnt

Ich beginne meine Wüstensafari von der Baharyia Oase aus, welche etwa 100 Kilometer von der Weißen Wüste entfernt ist. Dies hat den einfachen Grund, dass mir dieser Ort und das Camp, wo ich übernachtet habe, empfohlen wurde und ich durch einen Freund aus Kairo einen vergünstigten Preis für das Komplettpaket bestehend aus Übernachtungen, Essen und der Safari bekommen hatte. In der Baharyia Oase war ich zu der Zeit der einzige Gast, was an zwei Sachen liegt: zum einen war es Winter und mit fünf bis 15 Grad deutlich kälter als erwartet, zum anderen sind die Wüstenoasen in Ägypten aufgrund von Sicherheitsbedenken (die ich jedoch nicht bestätigen kann) keine typischen Touristenziele. Gegen Mittag änderte sich die Situation jedoch, da meine Mitreisenden aus Panama und Argentinien eingetroffen waren. Beim Mittagessen stellten wir uns vor und schließlich ging es mit gepackten Taschen in den Offroad-Jeep.

Die Fahrt zur Weißen Wüste dauerte ungefähr zweieinhalb Stunden und führte uns zunächst durch die schwarze Wüste, die bereits vor den Toren der Baharyia Oase liegt. Durch die von Vulkangestein bedeckten Hügel sieht die Landschaft aus wie auf dem Mond, was ich ziemlich beeindruckend fand. Viele Hügel haben die Form von Kegeln, welche bis zu 100 Meter hoch sein können. Laut unseres Guides, der ein Beduine meines Alters mit schwarzem Bart ist und Englisch mit arabischem Akzent spricht, entsteht dieses Vulkangestein dadurch, wenn sich dünnflüssiges Magma an die Erdoberfläche ergießt und dort erkaltet. Dies hat vor Millionen von Jahren stattgefunden, als es noch aktive Vulkane in der Gegend gab; heute ist davon nur noch die Wüste übrig. Neben den beeindruckenden Hügeln, die sich wie ein Spaziergang auf dem Mond anfühlen, kannst Du hier nur die Ferne, interessante Felsformationen und das Grab des René Michaud bestaunen; einem Schweizer, der 1981 in Bawiti das erste Hotel errichtete und somit den Wüstentourismus begründete.

Blick auf die Bahariya Oase, umgeben von schwarzer Wüste.
Wie eine Mondlandschaft offenbart sich mir die Schwarze Wüste.

Ein Meer aus Weiß: wir sind angekommen

Nachdem wir die Schwarze Wüste hinter uns gelassen hatten, wurde die Wüste spürbar heller. Aus einem beigefarbenen Farbton wurde zunächst ein Cremeton und plötzlich standen wir vor einer Sanddüne mit riesigen, cremefarbenen Felsformationen, die wie ein Gemälde vor uns lagen. Unglaublich, dass die Natur diese riesigen Kalksteinfelsen so einfach aus Wind und Sand hat entstehen lassen… Nachdem wir erste Erinnerungsfotos geschossen haben, brettern die Beduinen mich und meine drei Mitstreiter weiter immer tiefer in die Weiße Wüste hinein. Wir begegnen einer Kamelherde, für die wir jedoch anhalten müssen, da wir es im Gegensatz zu den Einheimischen immer noch sehr aufregend und toll finden, wenn wir Kamele sehen. Ein zweiter Stopp erfolgt für das Sandboarding, was immer eine gute Idee in der Wüste ist.

Schließlich wird aus der cremefarbenen Wüste die Weiße Wüste und die Felsformationen sind schlichtweg atemberaubend schön. Der Himmel ist wolkenlos und hellblau und zwischendrin finden sich immer wieder grüne Farbtupfer in Form von einsamen Palmen und braune Farbtupfer in Form von Kamelen, die in Herden daher wanderten. Wir fahren derweil an besonderen Kalksteinfelsen vorbei, welche als Hase, Kamel, Pilz und Huhn bekannt sind; doch wir halten nicht an, weil das Camp aufgebaut und das Abendessen vor dem Einbruch der Dunkelheit gekocht werden müssen. Die zwei Beduinen wollen dafür gar keine Hilfe und lehnen unsere Unterstützungsangebote immer wieder ab, sodass unsere Gruppe einfach umherstreift und Fotos macht. Das Nachtlager wird direkt hinter dem weißen Jeep errichtet, der als Befestigung dient und besteht im Wesentlichen aus dicken Stoffen, die mit Holzstäben verbunden, als Vorhang dienen. Sie schirmen den Wind von allen Seiten ab, sodass wir nun auf bequemen Sitzkissen an einem niedrigen Tisch Platznehmen können und den Tourguides beim Kochen zusehen können. Denn eine mobile Küche mit Feuer haben Sie auch kurzerhand aufgebaut!

Unser Guide Islam war ein waschechter Beduine aus Baharyia.
Wie eine Filmkulisse sieht die Weiße Wüste aus: unreal und so perfekt!

Romantik im Beduinencamp: Abendessen unter dem Sternenhimmel

Als es Abendessen gibt, ist es bereits stockdunkel und nur das Zischen des Kochtopfes und das Knistern des Lagerfeuers ist zu hören, das nun lichterloh brennt und ein wenig Wärme spendet. Die Temperaturen sind auf fünf Grad gefallen und ich bin froh, dass ich meine Thermounterwäsche für die Antarktis schon von Anfang an dabei habe. Es ist bitterkalt! Zum Abendessen gibt es für mich reichlich Reis und Gemüse, für die anderen gibt es noch Hähnchen dazu. Es werden Wasser, Coke und zum Nachtisch Bananen und Mandarinen gereicht. Es ist wirklich genug für alle da! Nach dem Essen ist es für mich Zeit, in den unendlich schönen Sternenhimmel zu schauen. Die Sterne sind hier draußen so zahlreich, dass sie wie eine Million kleiner Diamanten aussehen. Und siehe da: eine Sternschnuppe zieht vorbei! Schnell etwas wünschen!

Unser kleines, romantisches Beduinencamp am Morgen.

Den Abend lassen wir bei gemeinsamen Geschichten am Lagerfeuer ausklingen, bei denen wir nicht nur etwas über das Leben der Einheimischen erfahren, sondern auch über die Möglichkeit, dass vielleicht heute Nacht ein Wüstenfuchs ins Camp kommt. Das wäre so schön! Ich entscheide mich derweil, draußen mit den Beduinen unter freiem Himmel zu schlafen, während meine drei neuen südamerikanischen Freunde in Zelten schlafen. Doch da ich nur einmal im Leben hier bin und die Sterne sehen will, bis mir die Augen zufallen, lege ich mich eben raus. Wärmer ist es im Zelt sowieso nicht…

Der Pilz und das Huhn sind zwei der großen Sehenswürdigkeiten in der Weißen Wüste.
Kamele waren für uns immer ein Grund zum Jubeln.

Guten Morgen: aufwachen inmitten atemberaubender Natur

Bereits um kurz vor sieben ist die Nacht vorbei. Es war so kalt, dass wir uns alle die aus Kamelhaaren bestehenden Decken bis über die Köpfe gezogen haben. Das Lagerfeuer ist schon längst erloschen und die Sonne wärmt uns nur bedingt mit einigen schwachen Strahlen. Meine Mitstreiter sind schon wach und sitzen auf Matten vor dem kleinen Tisch, der nun ein wenig abseits vom Camp steht, da die Beduinen und ich ja auf den Matten im Windschutz geschlafen haben. Nachdem ich mich umgezogen, mein Gesicht mit Wasser aus Plastikflaschen gewaschen und die unendlich weite Toilette aufgesucht habe, sitze auch ich am Tisch und bin auf das Frühstück gespannt. Dieses war in Ägypten bisher immer überwiegend westlich, was mich sehr erstaunt hat. Auch heute gibt es Pitabrot mit Feigenmarmelade (die Ägypter lieben Feigenmarmelade!), herzhaftem Schafskäse mit Tomaten, Obst, Kaffee und einem kleinen Schokotörtchen, was mich an die Yes-Schnitten aus der Schulzeit erinnert. Mir schmeckt es wie jeden Tag in Ägypten sehr gut!

Nach dem ergiebigen Frühstück packen wir das Camp und den Müll ein, zurren wieder alles auf dem Autodach fest und dann brausen wir wieder davon. Dieses Mal machen wir Halt an den tier- und pflanzenförmigen Kalksteinfelsen, die riesig, beeindruckend und schneeweiß in der Gegend herumstehen. Hier haben wir genug Zeit für Andenkenfotos. Es folgt ein Besuch beim Kristallberg, der tatsächlich eine Unmenge von Kristallen hervorgebracht hat, die aus teilweise natürlich aufgesprungenen Felsen einfach herumliegen. Da die Beduinen sagen, die Kristalle seien von der Sonne und der Wüste mit positiver Energie aufgeladen, nehmen wir alle ein paar Kristalle mit. Zum Schluss besuchen wir das Eiscremetal, welches schon wieder cremefarben statt weiß ist und aus vielen kleinen Felsen besteht; dann wird aus Creme wieder beige und schlussendlich brausen wir wieder durch die schwarze Wüste, die uns bis nach Baharyia zurückbringt. Was ein unvergessliches, unglaublich schönes Abenteuer!

Unglaublich: der Hase ist genauso natürlich geformt worden wie die anderen Figuren.
Der Kristallberg bringt mit sich, was der Name verspricht: Kristalle.

Plane deinen Besuch in der Weißen Wüste

  • Buche die Tour in Kairo im Voraus und bezahle nicht mehr als 80USD
  • Die Tour sollte die Minibusfahrten, die Unterkunft samt Verpflegung und Wasser, sowie die Wüstentour selbst beinhalten
  • Starte Deine Tour von der Baharyia Oase aus. Empfehlen kann ich Dir das Badry Sahara Camp
  • Nimm Dir Thermounterwäsche oder generell Winterkleidung für die Abende mit
  • Vergiss für den Tag nicht Deine Sonnencreme
  • Sei Dir klar darüber, dass es weder in Baharyia, noch in der Wüste Wlan gibt. Eine ägyptische Simkarte mit mobilem Datennetzwerk funktioniert nur an bestimmten Stellen und je nach Netzabdeckung des Anbieters

Warst Du mal in der Weißen Wüste?

Deine

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