Der Mai war – wie der April zuvor schon – ein komischer Monat. Komisch, weil wir immer noch unter dem Coronavirus leiden und alle Pläne ins Wasser gefallen sind. Ich wäre nicht nur in Athen, sondern auch in Rumänien und in Berlin gewesen, doch stattdessen schaue ich immer noch auf dieselben Londoner Häuser aus meinem Fenster im elften Stock und bewege mich immer noch in meinem Radius von zwei Kilometern in Richtung Familienhaus und zwei Kilometer in Richtung Park und Lidl. Außer Heimprojekten gibt es nicht viel zu tun und da alles so überraschend kam, bin ich immer noch perplex. Es sind verrückte Zeiten, in denen wir leben!

Lockdown Extended

Mittlerweile ist es Ende Mai und ich bin seit ganzen zwei Monaten in einer Art Kurzarbeit, jedoch mit 100% Gehalt. Es ist verrückt, wie lange die Coronakrise schon andauert! Ich habe immer noch nicht ganz realisiert, was passiert ist, da ich das Virus für nicht so gefährlich hielt, wie es jetzt aber ist. Hier im UK sind nach wie vor alle Geschäfte geschlossen und wir sind immer noch im Lockdown. Einziger Unterschied zum April-Lockdown ist es allerdings, dass wir nun eine Person eines anderen Haushalts im Park mit zwei Meter Abstand treffen dürfen. Ansonsten ist alles wie zuvor und ich finde alles ziemlich krass. Ich hätte nie gedacht, dass sich alles so entwickelt, wie es sich entwickelt hat. Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass ich all meine Reisen absagen und außerdem in Kurzarbeit gehen muss. Vermutlich bleibe ich da auch noch bis zum Herbst drin, da für meinen Bürojob die Verfügbarkeit deutschsprachiger Märkte obligatorisch ist. Ich habe mich letztes Jahr sehr nach einer Auszeit gesehnt, da ich viel gearbeitet habe, doch diese zwanghafte Auszeit habe ich mitnichten erwartet!

Ich muss mich zum ersten Mal seit 17 Jahren damit begnügen, nicht zu reisen und keine Events geplant zu haben. Ich fokussiere mich daher auf meine Familie, meine Freunde und auf meine private Entwicklung. Da ich gerne kreativ arbeite, habe ich verschiedene Quarantäne-Projekte am Laufen, um die ich mich während der Woche kümmere. Ich stehe jeden Tag früh auf und setze die Projekte nach und nach um. Zwischendurch habe ich auch mehr Zeit zum Meditieren und Lesen, welches ich beides sehr genieße. Mein Leben ist ruhig geworden – so ruhig, wie ich es mir höchstens Ü70 hätte vorstellen können. Doch da ich glaube, dass alles aus einem Grund passiert, nutze ich die freigewordene Zeit nun für meine Privatprojekte und für Zukunftsplanungen. Gerne würde ich nach meiner Zeit in London wieder in einem kreativen Beruf arbeiten, der journalistische Elemente enthält. Die Frage ist, ob sich da etwas finden lässt, was gut bezahlt ist wie mein aktueller Job… Zum Glück habe ich Zeit, auf diese Frage eine Antwort zu finden.

Ein erster Ausflug und erste Pläne

Da Boris Johnson den Lockdown nun etwas gelockert hat, dürfen wir nicht nur eine andere Person im Park treffen, wir dürfen auch eintägige Roadtrips machen. Dies führte meinen Freund und mich dann letztes Wochenende zum ersten Mal seit zwei Monaten aus London raus nach Rye in East Sussex. Dort gingen wir am Strand spazieren, sammelten Muscheln und sonnten uns in den Dünen, denn das Wetter war bombastisch! Da ich das Meer außerdem so sehr liebe, ist es für mich doppelt schön, so nah dran zu wohnen. Nach bereits anderthalb Stunden erreichten wir die Küste, wo es vor Menschen nur so wimmelte. Trotzdem gelang allen der Sicherheitsabstand von zwei Metern. Es war schon komisch, mal wieder so viele Menschen zu sehen, da mein Freund und ich seit dem Lockdown nicht mehr in Zone eins waren, also in Central London, wo sich die Massen nur so tummeln. Der Ausflug war zwar nur ein halber Tag ohne die obligatorischen Cafébesuche, doch haben wir uns in den wenigen Stunden außerhalb der Stadt wirklich gut erholt. Ich konnte förmlich merken, wie die Energie meinen Körper durchflutet hat!

Neben der Magie der ersten kleinen Reise in England haben mein Freund und ich nun Pläne gemacht, weitere nahegelegene Ziele per Tagestrip zu erkunden. Da ich im UK schon alles bereist habe, gibt es für mich nicht mehr viel Neues zu sehen. Trotzdem freue ich mich auf den anstehenden Ausflug in den Nationalpark Surrey Hills, wo wir unser Jubiläum verbringen werden. Da wir ja ein Auto haben, stehen nun auch wieder Besuche mit Freunden auf dem Programm – jedoch nur in Parks. Doch kurz in einen anderen Distrikt fahren ist mit dem Auto nicht nur billiger und schneller, sondern auch sicherer als der öffentliche Nahverkehr. Für uns sind die geplanten Treffen mit Freunden etwas ganz Besonderes, da wir die meisten seit März nur noch über Zoom gesehen haben.

Gedanken an Deutschland

Ich überlege mir derzeit auch, ob ich bei nächster Gelegenheit vier bis sechs Wochen in Deutschland verweilen soll. Da ich jetzt vermutlich bis zum Herbst in einer Art Kurzarbeit bin und nun viel Zeit habe, würde ich gerne mal wieder zurück zu den Wurzeln gehen. Da ich nun auch seit fast fünf Jahren nicht mehr in Deutschland wohne und nur für Wochenendtrips vorbeifahren konnte, habe ich wirklich großes Heimweh. Berlin ist auch nach 47 Ländern noch meine absolute Lieblingsstadt Nummer eins und die Heimat. Außerdem hätte ich jetzt besonders viel Zeit, meine Freunde in ganz Deutschland zu sehen und kann nebenbei noch deutsche Süßigkeiten und Snacks naschen, die ich immer noch sehr vermisse. Meine Basis würde das Familienhaus sein, doch möchte ich keine Freunde vergessen, wenn ich dann schon mal da bin. Ob es klappt, wird die Zukunft zeigen, denn aktuell gibt es keine Billigflüge und wir sind immer noch im Lockdown. Vielleicht ändert sich dies zum Hochsommer. Dann wäre das traurige Reisejahr 2020 auch immerhin wieder etwas aufregender…

Deine

Polly's Signatur 2019.

Bildquelle: Pixabay

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