Inzwischen sind wir hier in London ganze drei Monate im Lockdown. Erst vor ein paar Tagen haben die ersten, nicht lebensnotwendigen Geschäfte eröffnet, doch nach wie vor sind alle Friseure, Nagelstudios oder Fitnessstudios geschlossen. Mittlerweile haben wir uns dran gewöhnt – auch, wenn wir uns immer noch über die Sturmfrisuren der Männer und die kaputten Spitzen der Frauen wundern, wenn wir durch die Straßen schlendern. Dankbarkeit macht sich breit über den Fakt, dass meine ganze Familie bisher vom Coronavirus verschont wurde, ob in Deutschland, in Südafrika, im UK, in Spanien oder Australien –  egal, wo sie alle wohnen. Ich habe den ersten richtigen Sommermonat im Lockdown dazu genutzt, wieder einmal in mich zu gehen und mir zu überlegen, was ich neben meiner privaten Zukunftsvision eigentlich noch erreichen möchte. In dieser Ausgabe meines monatlich erscheinenden Tagebuchs erfährst Du nicht nur das, sondern auch, was ich sonst noch so erlebt habe.

Kreativität: zurück zu den Wurzeln meiner Talente

Anfang des Monats habe ich mich endlich mit klarem Kopf hinsetzen können und über meine berufliche Zukunft nachdenken können. Wer Lebensentscheidungen treffen möchte, der muss sich gut erholt haben, um den Nebel im Gehirn liften zu können, der sich im Alltagsleben dicht und grau über unsere Gemüter senkt. Da ich jetzt bereits seit drei Monaten in einer Art britischer Kurzarbeit bin, konnte ich diesen Zustand jetzt endlich auch erreichen, ohne dafür auf Reisen sein zu müssen. Was ein Triumph! Herausgekommen ist ein toller neuer Plan, der mich wieder zurück in die Kreativbranche bringen soll, denn ich habe wieder einmal gesehen, dass kreative Arbeit die einzige Arbeit ist, die mir Spaß macht – und die einzige Arbeit, für die ich wirklich bestimmt bin. Klar, Sales ist nicht schlecht, vor allem nicht in Hinblick auf die Gehälter, doch geht es hier nicht sonderlich kreativ zu. Ich habe schon als Teenie immer alles gemocht, was mit Kreativität zu tun hatte: Schreiben, Lesen, Websiten erstellen, Videoproduktion, Fotobearbeitung, Fotografie, Modeln und vieles mehr. Für mich gibt es abgesehen vom Reisen keine schönere Option, mir meine Zeit zu vertreiben.

So habe ich mir nun zuerst per Onlinekurs das Programm Adobe Premiere Pro 2020 beigebracht und meine ersten Videos vom Reisen und aus meinem Modelleben produziert. Im Juli folgt ein Onlinekurs zum Thema Photoshop, damit ich endlich meine Bilder perfekt bearbeiten kann. Da diese beiden Programme anspruchsvoll sind, habe ich mich da vor allem in Zeiten des Studiums fernhalten wollen, da mir der Workload sonst zu viel geworden wäre. Doch heute, fünf Jahre nach meinem Bachelor, ist dies anders. Ich habe endlich wieder Platz in meinem Kopf und bin aufnahmefähig! Daher habe ich neben den zwei Onlinekursen nun noch drei weitere Fortbildungen gefunden, die jeweils ein Jahr dauern und sich mit Social Media, Journalismus und dem Thema Autor sein beschäftigen. Eigentlich verfüge ich aufgrund meines journalistischen Backgrounds schon über gutes Wissen, doch möchte ich dieses gerne vertiefen. Mein erster, berufsbegleitender Kurs beginnt im Oktober und ich könnte nicht glücklicher sein!

Krönen möchte ich meinen Weg zurück in die Kreativbranche dann mit einem speziellen Masterstudiengang, von dem ich Dir noch erzählen werde, wenn es losgeht. Ich habe mich bisher bei verschiedenen Fernunis informiert und habe meinen Traumstudiengang gefunden. Nun muss nur noch geklärt werden, ob ich diesen neben meinem Salesjob hier in London machen werde, oder als Vollzeitstudium in Kapstadt oder Zuhause. Doch da es damit noch Zeit hat, lasse ich dies einfach auf mich zukommen. Alle Fragen, die ich habe, werden sich wie immer von selbst beantworten, wenn die Zeit gekommen ist. Für mich ist es wichtig, überhaupt anzufangen und weiteres Wissen zu erwerben. Es war immer klar, dass ich einen Masterabschluss machen werde, doch fühlte ich mich in den letzten fünf Jahren nicht dazu berufen, etwas anderes zu tun, als zu reisen und zu arbeiten. Aber die Dreißiger machen alles anders – und es ist immer noch so aufregend und wunderschön!

Dankbarkeit für die wichtigen Dinge im Leben

Je länger ich in meinem Zuhause „eingesperrt“ bin, desto mehr wird mir klar, wie wichtig es ist, ein schönes Zuhause zu haben. Zu diesen Zeiten kein angenehmes und sicheres Zuhause zu haben, welches genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist, ist wirklich ein schrecklicher Gedanke! Ich bin dankbar, dass ich noch kurz vor dem Lockdown umgezogen bin, sodass ich nun als Ergebnis meine Ruhe habe und für mich sein kann – zumindest bis zum Winter, wenn mein Freund und ich zusammenziehen. Ich bin dankbar dafür, alleine leben zu können. Dankbar dafür, eine schöne Einrichtung zu haben und all die technischen Geräte, die mir helfen, meinen kreativen Hobbies nachgehen zu können. Ich werde mir auch wieder bewusst, wie schön es ist, jeden Tag etwas Neues kochen zu können und auch mal etwas zu backen. Ich habe die ruhige und entspannte Zeit wiederentdeckt, die oft so sehr in der Hektik des Alltags untergeht.

Ich habe mich nicht nur in Dankbarkeit für meinen materiellen und hart erarbeiteten Wohlstand geübt, sondern auch in Dankbarkeit für meine Erlebnisse, für meine Abenteuer und alles, was ich bisher erreicht habe. Ich bin so dankbar dafür, dass ich trotz aller Einwände auf Weltreise gegangen bin, bevor das Virus die Welt lahmlegte. Ich bin dankbar für all die Exzesse meiner Wilden Zwanziger, dankbar für die Lehren der Dreißiger und für die neuen Ziele, die ich jetzt habe. Ich bin dankbar für meine inzwischen große Familie, die mir nicht nur Verwandte in Deutschland, sondern auch in Südafrika, Spanien, in Großbritannien und in Australien gegeben hat. Ich bin glücklich darüber, meine Familie im UK regelmäßig sehen zu können und die Zeit sinnvoll zu nutzen, solange wir sie haben. Der Lockdown im Juni hat mir eine große Einsicht beschert, dass ich alles in meinem Leben richtiggemacht habe. Ich bereue nichts, aber auch gar nichts. Und darauf kommt es schließlich auch an!

Deine

Bildquelle: Pixabay

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