„Alles neu macht der Mai“ lautet ein Sprichwort, doch bei mir ist es wohl eher der Februar. Gleich zum Anfang des Monats bekam ich das erste Mal seit Ewigkeiten wieder schlechte Nachrichten ins Haus geliefert, die rascher Handlung bedurften. Doch meine Einstellung ist stets positiv, denn auch aus Steinen, die auf einen geworfen werden, kann wirklich etwas Schönes gebaut werden! Schlechte Zeiten wird es immer geben, doch das wichtigste ist, wie wir damit umgehen. Alles im Leben geschieht aus einem Grund und viele Dinge sind einfach nicht so schlimm, wie wir immer denken. Ein positives Mindset kann ein ganzes Leben verändern…

Ein notwendiger, aber nicht geplanter Umzug

Gleich zu Beginn des Monats stellte sich heraus, dass der Mann, den ich für meinen Vermieter gehalten hatte, selbst nur Mieter in dem Haus war, wo er mich und andere in einzelnen Zimmern wohnen ließ. To be fair: das Haus an sich ist eine Wucht und es ist für britische Verhältnisse riesig – auch mein Zimmer war wirklich groß, mit riesiger Fensterfront und neu abgeschliffenem Parkettboden aus Kirschholz, welches in Anbetracht der britischen Teppichliebe, die sogar ins Badezimmer geht, wirklich etwas Besonderes ist. Natürlich bin ich, als ich aus Südamerika kam, direkt auf das Angebot angesprungen und eingezogen. Wer sollte auch ahnen, dass die Vermietung nicht legal von Statten ging? Ich hatte eine gute Zeit in dem Haus, doch wollte ich eigentlich so lange bleiben, bis mein Freund und ich zusammenziehen.

Nun kommt es immer anders als wir denken und da ich immer gelassen und vor allem lösungsorientiert an die Probleme herangehe, entpuppte sich das erzwungene Ausziehen als wahres Blessing in Disguise. Da ich wirklich schon Schlimmeres erlebt habe, war für mich die Angelegenheit nach nur zwei Tagen erledigt. Den Montag nach dem Eintreffen der Nachricht verbrachte ich nicht mit arbeiten, sondern mit Anzeige erstatten bei der Polizei und dem Suchen nach Wohnungen. Bereits bei meiner dritten Wohnungsbesichtigung am Dienstagabend landete ich einen Volltreffer: ich fand meine Traum-Einraumwohnung, welche in London noch heißbegehrter sind als in Berlin. Zur Besichtigung kamen etwa 30 Leute und wir mussten in einer Schlange anstehen, um die Wohnung zu besichtigen. Doch ich hatte die Ruhe weg, denn erstens kannte ich das schon aus Berlin und zweitens hatte ich beim Anfassen der Türklinke die Vision, wie ich hier in ein paar Monaten ein- und ausgehe – und wie ich schon lange gelernt hatte sind die Dinge, die wir uns bildlich vorstellen können, ein Zeichen dafür, dass Dinge Wirklichkeit werden!

Nun hatte ich schließlich direkt die Zusage und auch mein Wunscheinzugsdatum wurde akzeptiert. Ich mietete mir einen Umzugswagen, trommelte meine Freunde zusammen und packte schon einmal alle Kisten und mein Zeug zusammen, da ich aufgrund meines kriminellen Vermieters keinen Nerv mehr dafür hatte, in meinem Zimmer zu wohnen. Ich zog stattdessen vorübergehend zu meinem Freund und verbrachte den Alltag ganz normal mit arbeiten, sporteln und kuscheln. Nun ist es auch nur noch eine Woche bis zum Umzug und die Freude ist riesig! Zwar schaue ich auch leicht entnervt auf den Vorfall zurück, doch Ärger mit der Wohnung und Umziehen ist in London ganz normal, da hier richtiges Wildwest auf dem Wohnungsmarkt herrscht. In London funktioniert es wirklich nur alleine, wenn das nötige Gehalt vorhanden ist. Doch wer es richtig macht, der kann in London doppelt so viel verdienen wie in Berlin – und den Status habe ich erreicht, was mich unglaublich stolz macht!

Im Selfloveclub: ich bin stolz auf mich

Das führt mich gleich zu meinem nächsten Thema des Februars: auf sich stolz sein. Nachdem ich nun im Stande war, meine eigene Wohnung in einem Luxus-Tower zu mieten und diese für deutsche Verhältnisse horrende Miete trotzdem nur ein Drittel meines Einkommens ist, dämmerte mir langsam, wie weit ich in meinem Leben gekommen bin. Meine Teenagerjahre und meine goldenen Zwanziger waren nämlich nicht von einem Leben in der Mittelschicht geprägt, sondern von Armut. Und das, obwohl ich schon als Schülerin nebenbei jobbte und auch bis zum erfolgreichen Universitätsabschluss immer zur Arbeit ging! Zwar war Berlin damals noch günstiger als heute, doch es reichte trotzdem nur für Lidl. Dinge über 20 Euro waren für mich extrem teuer und ich musste mich damit begnügen, mit einer im Schritt gerissenen Hose über den Winter zu kommen – mit einer kurzen Radlerhose drunter, da ich mir keine neue Hose leisten konnte und nähen nicht mehr half. Meine Schuhe waren oft kaputt und meine Klamotten wurden über zehn Jahre alt. Für mich waren die Jahre, in denen ich mir nur gelegentlich kurze Reisen in Europa leisten konnte (was oft billiger war, als daheim in Berlin zu bleiben) und mir nicht mal eine Bahnfahrt zu Freunden nach Köln leisten konnte, wirklich lehrreich. Niemand sollte so leben müssen, schon gar nicht in der ersten Welt!

Inzwischen verdiene ich das höchste Gehalt meines Lebens, was daran liegt, dass in Großbritannien und besonders in London die Chancen anders verteilt sind: hier kannst Du direkt nach der Uni mit einem unbefristeten Vertrag und einem Gehalt einsteigen, welches es in Berlin erst ab drei Jahren Berufserfahrung gibt. Ein Universitätsabschluss bringt automatisch mehr Geld und selbst wenn Du den Job noch nie gemacht hast, wirst Du mit hohem Gehalt eingestellt und kannst Dich dann in der Probezeit beweisen. Für mich, die jahrelang in einem Restaurant gearbeitet hat, Müll anderer Leute eingesammelt hat und Toiletten für anfangs sechs Euro die Stunde geputzt hat, ist das ein richtiger Segen, für den ich noch jeden Tag dankbar bin. Für mich ist es nicht selbstverständlich, in einer schönen Umgebung zu wohnen, sich Lebensmittel über zwei Euro pro Stück zu kaufen oder sich mal eine Handtasche zu gönnen. Noch immer habe ich Angewohnheiten, die mich erinnern, wo ich herkomme: Produkte über 2.50 Pfund kaufe ich im Supermarkt nicht und wenn ich morgens meinen Kaffee nicht schaffe, wärme ich ihn mir nach der Arbeit auf und trinke ihn dann. Mein Freund findet das ganz schön krass, denn er ist im reichen, weißen Südafrika natürlich andere Standards gewöhnt gewesen. Aber ich kann nur jedem sagen: jeder kann es schaffen, auch Du! Mit einem klaren Ziel vor Augen und viel Ehrgeiz und Disziplin kannst Du Dir Türen öffnen, die andere nicht für Dich offen gehalten haben. Und dann dürfen wir stolz sein!

Deine

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