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Karneval in Rio de Janeiro: ein Kindheitstraum, der wahr wurde

Von am 3. September 2017

Im Februar 2013 konnte ich mir endlich einen meiner längsten Lebensträume erfüllen: ich feierte das weltberühmteste und aufregendste Karneval der Welt in Rio de Janeiro mit! Schon als Kind träumte ich davon, den Zuckerhut zu besichtigen, mich an der Copacabana zu sonnen und die heißen Sambatänzerinnen zum Karneval tanzen zu sehen. Und da ich gerade bei Reiseträumen einfach nicht mehr warten wollte und will, habe ich mir den Traum vor sechs Jahren als Ziel gesetzt und den Traum eineinhalb Jahr später erfüllt. Brasilien ist eines der aufregensten und interessantesten Länder, wo ich jemals gewesen bin, und die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe, prägen mein Leben bis zum heutigen Tag. Doch bevor ich endlich nach Südamerika aufbrechen konnte, musste ich eine ganze Menge planen und organisieren – denn zum Karneval nach Rio, das möchte die ganze Welt!

Eineinhalb Jahr zuvor: die Planung beginnt

Bereits Mitte 2011 fasste ich den Entschluss, 2013 endlich beim Karneval in Rio dabei zu sein. Warum ich so weit vorausplante, ist ganz einfach: Brasilien ist im Februar eines jeden Jahres das am stärksten frequentierte Ziel der Welt. Von überall reisen Tausende Menschen an, um dieses einmalige Ereignis mitzuerleben, weswegen die Preise für Flüge und Hostels explodieren. Schon allein mein Flug nach Brasilien war 250 Euro teurer als normalerweise, und auch die Hostels gaben Gas: vor und nach dem Karneval kostete eine Nacht in einem Vierbettzimmer 20 Euro die Nacht, während der fünf Karnevalstage 100 Euro. Somit hatte ich schon allein 750 Euro Aufschlag nur allein des Erlebnisses wegen, plus Kosten für das Eintrittsticket zur Parade im Sambodromo und Taschengeld, was für zwei Wochen Rio und einen Wochenendausflug nach Sao Paulo reichen sollte. Weil mir das schon bewusst war, dass ich tief in die Tasche greifen musste, fing ich früh an zu sparen und zu buchen. Alles in allem gab ich für zweieinhalb Wochen etwas mehr als 3.000 Euro aus, was für mich die bislang teuerste Reise meines Lebens war. Doch jeder, wirklich jeder Cent war es verdammt noch einmal wert!

Ankunft in Südamerika: Brasilien tanzt den Samba

Schon nachdem ich gelandet war, empfing mich das Feuer Brasiliens. Die Vorfreude auf Karneval lag überall in der Luft, und schon am Flughafen war alles mit Plakaten von sexy Brasilianerinnen in ihren glitzernden Sambakostümen geschmückt. Willkommen zum Karneval in Rio de Janeiro 2013 begrüßte mich ein riesigeres Banner und so langsam erwachte ich aus meiner Trance. Kaum zu glauben, ich war wirklich in Südamerika! So richtig realisierte ich das erst, als ich am nächsten Tag in meinem Hostel an der Copacabana aufwachte und mich mit Backpackern aus aller Welt anfreundete. Das Hostel war bis aufs letzte Bett ausgebucht so wie alle anderen Unterkünfte in ganz Rio de Janeiro und im Umkreis. Nicht nur die Reisenden, auch die Einheimischen waren total aus dem Häuschen und hatten die Stadt geschmückt. Überall konnten Andenken, Accessoires und kleine Outfits für die Karnevalstage gekauft werden – und alle langten kräftig zu. Eine ganze Stadt war im Ausnahmezustand!

Panorama mit Zuckerhut von Rio de Janeiro 2013.

Vom Traum zur Wirklichkeit: 2013 durfte ich endlich den Zuckerhut in Rio mit eigenen Augen sehen. Unvergesslich!

Rio’s Karneval auf den Straßen und am Strand

Als die Karnevalstage begannen, gab es kein Halten mehr: riesige Menschenmassen schoben sich zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Straßen, die literweise Alkohol tranken und lange Schlangen vor mobilen Garküchen bildeten, die wie Pilze aus dem Boden geschossen waren. Alle Läden waren bis spät in die Nacht geöffnet und einige davon beschallten die Partymeute mit Musik und Angeboten. Überall patroullierten Polizeiautos, standen Feuerwehrleute und Sanitäter bereit. Ich traf Menschen aus aller Welt, die gerade nur noch eines konnten: aus tiefstem Herzen lächeln und mit mir anstoßen. Bier und Maiskolben waren für mich neben süßer Pizza zum Nachtisch zu meinem Standardessen für die Partyabende zum Karneval geworden, weswegen ich noch heute bei Dosenbier mit Mais am Spieß an Brasilien denken muss.

Die Menschenmassen, die allesamt verkleidet waren, trafen sich nicht nur auf den Straßen Rios, sondern auch an den Stränden. Dort war zwar abends kaum noch Licht, da die Straßenlaternen nicht stark genug herüberscheinen konnten, jedoch tat das der Atmosphäre keinen Abbruch: bis weit in die Morgenstunden wurde getrunken und gegessen – aber eher weniger getanzt. Zu meiner Überraschung war Musik auf den Straßen und am Strand nämlich verboten. Warum auch immer! Ich habe nur ein einziges Mal Musik gehört, als ein Auto widerrechtlich auf der Straße parkte und alle Leute direkt hinstürmten, um dort heiße Sambarhythmen hinzulegen. Und ich muss zugeben: es stimmt wirklich. Brasilianerinnen sind die heißesten und am meisten ausgezogenen Tänzerinnen, die ich jemals gesehen habe!

Karnevalstage an der Copacabana in Rio de Janeiro 2013.

Ein typischer Karnevalsabend in Rio: Menschenmassen in Kostümen feiern ausgelassen mit Drinks und Snacks. 

Tagespläne zum Karneval: die Blocos von Rio

Jeden Tag zu bestimmten Uhrzeiten fanden an bestimmten Ecken – also Blocks – in Rios Straßen die sogenannten Blocos statt. Diese sind ganz einfach Straßenumzüge, auf denen Tänzer*innen auf LKWs und Kleintransportern tanzen. Organisiert sind sie von verschiedenen Teams, die für die Musik und den Tanz zuständig sind. Doch sind die Straßenumzüge keinesfalls so riesig wie wir das vielleicht von der Loveparade oder vom CSD kennen – es ist ein wenig kleiner, aber trotzdem geht immer noch gehörig die Post ab!

Die Musik ist je nach Wagen traditionell brasilianisch und wird ab und an von Instrumenten begleitet. Die Blocos findet bereits im Januar statt und enden erst am Sonntag nach dem Karneval und unterscheiden sich je nach Team. Der größte Bloco in Rio de Janeiro ist der Cordao de Bola Preta mit mehr als 200.000 Besuchern während der Karnevalszeit. Simpatia e Quase Amor schafft es immerhin, 100.000 Tanzwütige anzulocken. Und da die Besucher nicht alle an einem Tag erscheinen, verteilen sich die Menschenmassen ganz gut.

Ein interessanter Fakt: beinhaltet die gespielte Musik auch Bass, werden die Blocos zu Bandas.

Der erste Karnevalswagen fährt 2013 ins Sambodromo in Rio de Janeiro ein.

Ein Moment, in dem die Zeit für mich stillstand: der erste Karnevalswagen fährt ins Sambodromo ein. 

Highlight des Karnevals in Rio: die Parade im Sambodromo

Ein Muss bei jedem Karnevalsbesuch in Rio de Janeiro ist natürlich ein Besuch bei der Parade im eigens dafür gebauten Sambodromo, welches eine Art riesige, 700 Meter lange Betonstraße mit Tribünen ist, auf der die einzelnen Sambaschulen, die gegeneinander antreten und ihre Wagen und Kostüme vier Tage lang zur Schau stellen. Da jede Sambaschule 90 Minuten Zeit hat, sich zu präsentieren, dauert eine Parade nicht selten bis zu 12 Stunden. Ich habe sage und schreibe acht Stunden geschafft – und da war der Umzug noch längst nicht durch! In die große Arena passen 88.500 Menschen, die der Karnevalsparade beiwohnen können. Und glaub mir: die Arena war restlos bis auf den letzten Platz ausgebucht!

Als ich endlich an meinem Platz angekommen war, konnte ich es noch gar nicht glauben, wie riesig und schön alles war. Und als die erste Sambaschule mit ihrem Drachenwagen auftrat, konnte ich die Freudentränen nicht mehr zurückhalten. Diese Reise und diese Erfahrung war jeden verdammten Cent wert gewesen! Nicht nur der erste, sondern sämtliche Karnevalswagen waren üppig je nach selbst gewähltem Motto der Sambaschulen dekoriert worden und hatten allerlei Spezialeffekte: von rauchenden Drachennüstern über Konfettikanonen und leuchtenden Lampions war alles dabei. Nicht nur die Wagen, sondern auch die Tänzer*innen selbst waren in bunte Karnevalsoutfits gekleidet, welche alle aufeinander abgestimmt waren. Die Farbpracht ist mir heute noch so stark in Erinnerung wie die bunten Sarees der Frauen in Indien. Es war unvergesslich schön!

Eine Sambaschule in blau-weißen Outfits tanzt im Sambodromo in Rio de Janeiro 2013.

Strahlende Gesichter, wohin ich nur schaue: die Tänzer*innen im Sambodromo waren zurecht stolz! 

Das System hinter dem Karnevalsumzug

Hinter dem Karnevalsumzug im Sambodromo steckt natürlich auch ein Wettbewerb, der von einer Sambaschule gewonnen werden möchte. Also wird nicht nur ein Thema, sondern auch die passenden Outfits organisiert und angefertigt. Jede Sambaschule hat ihre eigene Farbe, sodass es nicht selten vorkommt, dass Einheimische zu den Karnevalstagen die jeweiligen Farben ihrer Lieblingssambaschule tragen. Die Sambaschulen sind in vier Ligen eingeteilt, von denen die zwölf besten in der Grupo Especial sind, welche ihren großen Auftritt zwischen Karnevalssonntag und Dienstag haben. Je nach Erfolg können die Sambaschulen aus der höchsten Liga wieder in eine tiefere Liga hinab fallen und Sambaschulen aus niedrigeren Ligen aufsteigen.

Jede Sambaschule plant ihren Auftritt akribisch genau: es wird nicht einfach losgelaufen, sondern jeder erfüllt seine Aufgabe. Niemand läuft, aber alle tanzen – viele singen dazu und einige spielen Instrumente. Auf den wirklich bis ins Detail dekorierten Festwagen dürfen nur die am besten tanzenden und am besten aussehenden Mitglieder performen – und die zwischendrin als Solotänzerinnen auftretenden Frauen in Glitzeroutfits, deren Bilder jährlich rund um die Welt gehen, die sind noch einmal eine ganze Liga für sich. Denn ganz ehrlich: mit einem Hauch von Nichts aus durchweg glitzernden Bikinis und üppigem Federschmuck auf Rücken und Kopf und High Heels an den Füßen kann niemand einer Brasilianerin widerstehen!

Übrigens: eine Sambaschule ist in Brasilien ein Ort, an welchem der jährliche Karnevalsumzug inklusive Motto und Outfits organisiert wird. Samba selbst lernen Brasilianer*innen schon im Kindesalter.

Ein gelber Karnevalswagen mit dem Motto "Ägyptische Götter" in Rio de Janeiro 2013.

Mit viel Liebe zum Detail: die Karnevalswagen zeigen das Motto der Sambaschulen, die gegeneinander antreten. 

Ein Tänzer steigt aus einer roten Karnevals-Limousine in Rio de Janeiro 2013.

Die kreativste Limousine in Brasilien: der von den Tribünen tobenden Meute gefällt’s! 

Die Krönung der besten Sambaschule

Am Aschermittwoch wird entschieden: die Jury zählt die an die jeweilige Sambaschule vergebenen Punkte aus und verkündet die Sieger, was im Übrigen im ganzen Land live im Fernsehen ausgetragen wird. Das ganze Land möchte dabei sein, wenn Brasilien sich wieder einmal farbenprächtig in seiner faszinierenden Kultur präsentiert. Die ersten drei Sambaschulen erhalten ein Preisgeld, die sechs besten dürfen eine Woche darauf aus Spaß an der Freude noch einmal im Sambodromo auftreten.

Für mich war das Karneval in Rio de Janeiro jedenfalls eine der besten Erfahrungen meines Lebens und faszinierend schön. Bis heute erinnere ich mich an jedes Detail und jeden Abend mit meinen Freunden aus aller Welt, mit denen ich heute noch Kontakt habe. Ob Backpacker oder Einheimische – ich war wahrhaftig überall dabei. Mittendrin. Im Karneval von Rio de Janeiro!

Schon gewusst? Jeder kann am Karneval teilnehmen. Du musst Dich nur für eine Sambaschule entscheiden, deren Outfit kaufen und bei den Proben mittanzen und los geht’s! Die Preise für ein Karnevalsoutfit liegen zwischen 100 und 700 Euro. Beim nächsten Besuch in Brasilien bin ich dabei!

Eine Sambatänzerin zeigt den Fotografen, wie sexy sie im Sambodromo in Rio de Janeiro 2013 ist.

Unglaubliche Freude und Gefühlsexplosionen zum Karneval muss auch diese heiße Sambatänzerin verspürt haben! 

 

Warst Du auch beim Karneval in Rio de Janeiro? Wie sind Deine Erfahrungen?

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Jacqui's Original-Signatur.

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Jacqui Grewenig
London, England

G'day mate! Ich bin Jacqui, Weltreisende, Aussteigerin und Freigeist. Ich liebe das Leben, das Reisen, fremde Kulturen, vegetarisch-veganes Streetfood aus aller Welt und lerne gerne neue Leute kennen. Ich begeistere mich für Meditation, Yoga und den Buddhismus und reise am liebsten in Länder, die völlig anders sind als Europa. Darum ist mein Lieblingsland wohl auch Indien... ♥ Ich bin vor 2 Jahren ausgestiegen und lebe und arbeite seitdem rund um die Welt.

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