Das Auswärtige Amt hat kürzlich die schon existierende weltweite Reisewarnung für insgesamt 160 Länder bis zum 31. August 2020 verlängert. Für Reisen innerhalb der EU und nach Großbritannien gelten ab dem 15. Juni nur noch Reisehinweise. Da vom Reisen aber generell abgeraten wird, sind Rückholaktionen von Urlaubern, wie sie Anfang 2020 stattfanden, auch nicht mehr geplant. Somit ist es natürlich doppelt unangenehm, im Ausland Urlaub zu machen – auch, wenn wir uns das so gerne wünschen. Doch warum nicht einfach mal in Deutschland Urlaub machen? Bevor ich in der Lage war, im Ausland zu reisen, reiste ich schon als Teenie durch ganz Deutschland. Als ich 21 Jahre alt war, hatte ich bereits alle 16 Bundesländer besucht und ich muss bis heute feststellen: Deutschland ist so ein wunderschönes Land und leider vollkommen unterschätzt! Klar ruft bei uns, wenn wir an Urlaub denken, oft die Sonne und vor allem die Ferne, sodass wir lieber in die Karibik fliegen oder nach Australien, aber die wenigen Urlaubstage im Jahr nicht mit einem Trip in der Heimat vergeuden wollen. Dabei ist Deutschland malerisch schön! Es gibt so viele tolle Ecken, die nicht verpasst werden dürfen, daher habe ich Dir diese neue Serie zusammengestellt. Im ersten Teil von „Coronaferien“ geht es um die schönsten Reiseziele in Westdeutschland.

Externsteine, Horn-Bad Meinberg (NRW)

Versteckt im Tal der Weimbecke in Lippe, Ostwestfalen, findet sich eine der schönsten Sehenswürdigkeiten in ganz Nordrhein-Westfalen: die Externsteine. Die Sandsteine im Teutoburger Wald bestechen mit ihren atemberaubenden Formationen und der Einbettung in den Weimbecketeich, der sie romantisch umgibt. Die Externsteine dürften vielen bekannt sein als eine Kultstätte für Esoterikfans, welche den Felsformationen außergewöhnliche Kraft und positive Energie zuordnen. Besonders zur Walpurgisnacht und zur Sommersonnenwende finden an den Externsteinen spirituelle Feierlichkeiten statt, welche mit esoterischen Ritualen, Zeltlagern und Lagerfeuern gefeiert werden. Ich habe 2009 im Rahmen einer Deutschlandreise im Wald neben den Externsteinen gezeltet, was ich nur wärmstens weiterempfehlen kann, da die Gegend einfach bezaubernd wirkt!

Stadt Monschau (NRW)

Monschau liegt in der Eifel und ist bekannt für die pittoresken Fachwerkhäuser, die sich dicht an den Ufern der Rur (nicht zu verwechseln mit der Ruhr) positioniert haben. Die Kleinstadt mit seinen knapp 12.000 Einwohnern lockt mit einer historischen Altstadt voller wunderschöner Fassaden und dem mittelalterlichen Stadtbild, welches sich vor der Burg Monschau präsentiert. Es ist nicht nur idyllisch, einen Spaziergang durch die Stadt selbst zu tätigen, von hier aus hast Du auch eine tolle Grundlage für Wanderungen im Umland, z.B. in den Nationalpark Eifel. Ich würde mir Monschau gerne anschauen, wenn ich im August nach Deutschland komme. Sofern der Flug nicht gestrichen wird, kann ich mir diesen Wunsch erfüllen!

Archäologischer Park, Xanten (NRW)

Stehst Du auch so auf Geschichte wie ich? Dann bist Du richtig in Xanten, einer Stadt nahe der niederländischen Grenze. Dort gibt es einen archäologischen Park mitsamt Museum, wo Du etwas über die Zeit der Römer lernen kannst. Geschichte ist hier zum Anfassen konstruiert worden, denn neben Artefakten und Alltagsfunden, die entlang des Niederrheins entdeckt wurden und nun in Xanten ausgestellt werden, gibt es Wohn- und Handwerkshäuser, die bestaunt werden können. Ab und an finden immer noch Ausgrabungen statt, die besonders Kinderherzen höherschlagen lassen dürften. Den Tag ausklingen lassen kannst Du dann perfekt in der Xantener Altstadt, die aufgrund ihrer kleinen Größe und der mittelalterlichen Architektur einen Besuch wert ist.

Zeche Zollverein, Essen (NRW)

Wer etwas mehr Stadt braucht, der kann der Zeche Zollverein einen Besuch abstatten. Das alte Bergwerk wurde 1986 stillgelegt und beherbergt heute das Ruhr Museum, welches die Geschichte über das Ruhrgebiet erzählt, sowie ein Designmuseum und sogar einen Pool, der als „Werksschwimmbad“ bekannt ist. Du kannst hier tief eintauchen in Industriekultur, einen Rundgang über das Gelände machen oder eine Führung buchen. Zur Coronazeit gelten verschiedene Regeln, daher wäre es ratsam, sich zuerst zu informieren, welche Attraktionen geöffnet haben. Was Du aber immer machen kannst, ist eine Radtour rundherum: die 3,5 Kilometer lange Ringpromenade führt Dich durch die Natur rund um die Zeche.

Burg Eltz, Münstermaifeld (Rheinland-Pfalz)

Neben einem Besuch in Monschau steht im August auch ein Tagestrip zur Burg Eltz auf dem Programm. Die Märchenburg aus dem 12. Jahrhundert thront malerisch auf einem steilen Felsen über dem idyllischen Elzbachtal, wo sie mit ihren acht Wohntürmen, historischen Räumen und Fachwerk die Besucher anzieht. Für die Öffentlichkeit zugänglich ist normalerweise das Museum, welches unter anderem einen Kapellenerker, Himmelbetten und einen Rittersaal beherbergt. Auch jetzt zu Coronazeiten sind Besucher*innen willkommen, allerdings können nur 200 Menschen auf einmal in die Burganlage. Und wer lieber draußen bleiben will, der muss sich nicht ärgern: auch von außen ist die Burg ein wahrer Hingucker!

Fahrradfahren im Mosel-Tal (Rheinland-Pfalz)

Wer möchte, der kann sich von der Burg Eltz auf ein Fahrrad schwingen und den Mosel-Radweg erkunden, der durch malerische Weinberge an der Mosel entlangführt. Der Mosel-Radweg gehört zu den Fernradwegen und ist Teil der internationalen Radwanderroute „Velo Tour Moselle“. Da er am Deutschen Eck endet, ist es eine hervorragende Idee, den Burgbesuch mit einem Besuch in Koblenz zu verbinden. So kannst Du nicht nur von der Natur in die Stadt radeln, sondern Dich auch stärken, wenn Du in der Stadt angekommen bist.

Deutsches Eck, Koblenz (Rheinland-Pfalz)

Nach einer schönen Radtour durch das Mosel-Tal am Deutschen Eck ankommen, ist eine tolle Belohnung! Das Deutsche Eck ist eine künstlich aufgeschüttete Landzunge am Zusammenfluss von Rhein und Mosel und das Wahrzeichen der Stadt Koblenz. Hier steht auch seit 1891 das Denkmal für Kaiser Wilhelm I., der nach drei Kriegen Deutschlands Einigung herbeigeführt hatte. Heute dient das Deutsche Eck unter anderem als Veranstaltungsort, wo nicht nur Open Airs stattfinden, sondern auch ein Gin-Festival und Streetfood-Touren.

Loreley, Sankt Goarshausen (Rheinland-Pfalz)

Eine andere tolle, etwas einsamer gelegene Sehenswürdigkeit in Westdeutschland ist die Loreley bei Sankt Goarshausen. Der Schieferfelsen ragt sich steil am rechten Rheinufer an der Innenseite einer Flusskurve auf. Wer Zeit hat, sollte unbedingt einen Aufstieg unternehmen, denn der Ausblick von der Loreley ist spektakulär: die Burg Katz thront vor der Rheinkurve, die sich weit in die Ferne erstreckt. Wer keine Lust auf Wandern hat, der kann die Loreley auch von unten bestaunen, z.B. im Rahmen einer Bootsfahrt oder einfach vom Ufer aus. Neben dem Aussichtspunkt befindet sich die 1939 erbaute Freilichtbühne, welche regelmäßig für Großveranstaltungen genutzt wird. Das wäre doch vielleicht eine Idee für die Zeit nach Corona?

Bergpark Wilhelmshöhe, Kassel (Hessen)

Die Stadt Kassel ist klein, aber hat mehr zu bieten, als Du vielleicht denkst. Neben einer schönen Einkaufsmeile und interessanten Museen hat mir schon bei meinem ersten Besuch der Bergpark Wilhelmshöhe richtig gut gefallen, der 2013 zum UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt wurde. Die Landgrafen und Kürfürsten von Hessen-Kassel ließen den Park 1696 anlegen und über 150 Jahre erweitern. In der Vergangenheit beherbergte der Bergpark neben französischen Gärten auch italienische Gärten, wobei besonders der untere Park heute dem Englischen Gartenbeispiel folgt. Besonders bekannt sind die Wasserspiele, die sich im Park von der Herkules-Statue über die Kaskaden bzw. über das Schloss Wilhelmshöhe ergießen. Ich fand den Bergpark ganz besonders im Herbst toll, wenn die Blätter alle Farben tragen und der Ausblick so richtig romantisch wird. Doch ganz egal, wann Du da bist, Kassel-Wilhelmshöhe ist immer eine Reise wert!

Schloss Biebrich, Wiesbaden (Hessen)

Das Schloss Biebrich, welches im 18. Jahrhundert errichtet wurde, ist eines der bedeutendsten Barockschlösser am Rhein und diente als Residenz der Fürsten und späteren Herzöge von Nassau. Das rötlich gefärbte Schloss besteht aus einem West- und Ostflügel, die sich an die äußeren Pavillons anschließen, sowie einer Rotunde, zwei Galerien und einem Schlossgarten. Wer sich hier im Zuge der Pandemie lieber fernhalten will, der kann es handhaben wie bei der Burg Eltz: ein Bild von außen ist auch eine Reise wert.

Römer, Frankfurt am Main (Hessen)

Wer sich auch in den aktuellen Zeiten trotzdem in einer Großstadt wohlfühlt, der sollte das Rathaus der Stadt Frankfurt am Main nicht verpassen, welche auch als „Römer“ bekannt ist. Im 15. Jahrhundert wurden zwei Bürgerhäuser gekauft, die zum Amtssitz der Stadt umgewandelt wurden. Diese wurden über die Jahre schließlich elf Häuser, in dessen Räumlichkeiten viele der römisch-deutschen Könige gekrönt wurden. Wer dann noch Lust hat, der kann sich die weiteren Sehenswürdigkeiten der Mainmetropole anschauen: den Main Tower, das Goethe-Haus, die Zeil oder auch das Museumsufer mit Blick auf die Wolkenkratzer.

Mathildenhöhe, Darmstadt (Hessen)

Die Mathildenhöhe liegt in der Darmstädter Innenstadt und wird bereits seit dem 19. Jahrhundert als Englischer Garten gepflegt. Darmstadts Wahrzeichen ist gut am „Hochzeitsturm“ erkennbar, welcher aus den Zeiten der Darmstädter Künstlerkolonie kommt und den Weg zum Hügel östlich des Stadtzentrums weist. Die Künstlerkolonie war zwischen 1899 und 1914 dort ansässig und hat das Erscheinungsbild des Ortes maßgeblich geprägt. Auf den „Musenhügel“ wurden einige beeindruckende Gebäude gebaut, welche den Ort zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Hessens machen. Warum nicht einfach mal vorbeischlendern?

Rundwanderweg Saarschleife (Saarland)

Das Saarland ist nicht nur das kleinste Bundesland in Deutschland, sondern auch ein wohl eher unbeliebteres Reiseziel in Deutschland, was ich persönlich gar nicht nachvollziehen kann. Vielleicht liegt es an der Ferne zu Berlin, aber von meinen Freunden war ich immer die einzige, die schon einmal im Saarland war – genauer gesagt 2009, nachdem ich mein Abitur bestanden hatte. Das Saarland ist das einzige Bundesland in Deutschland, welches Geschäfte mit meinem Nachnamen hat, was mich sehr gefreut hat. Wer ins Saarland kommt, der sollte auf jeden Fall nicht den Rundwanderweg rund um die Saarschleife verpassen, denn diese wird besonders in den frühen Morgenstunden oder bei Sonnenuntergang in ein einzigartiges Licht getaucht. Die schönste Aussicht hast Du vom „Cloef“ aus, welche Du am besten von der Gemeinde Mettlach, Ortsteil Orscholz erreichst. Der Rundwanderweg ist ein tolles Ziel für einen Halbtagesausflug und lohnt sich in jedem Fall!

Saarbrücken (Saarland)

Wer im Saarland ist, der muss natürlich auch in die Landeshauptstadt fahren. Saarbrücken ist klein, aber wunderschön und schnell besucht. Die lebendige Stadt besticht mit schöner Architektur, herzlichen Cafés und quirligem Leben am Sankt Johanner Markt – ganz besonders im Sommer. Egal, ob Du neben dem Saarkran am Fluss sitzt oder dem Schloss einen Besuch abstattest, Saarbrücken hat diesen gemütlichen Charme, der jeden Ausflug dorthin so angenehm entspannt macht. Und selbst, wenn Du nur auf einen Kaffee nach einem Ausflug zur Saarschleife hinfährst, es lohnt sich allemal!

Biosphärenreservat Bliesgau (Saarland)

Wer lieber ein weiteres Ziel in der Natur ansteuern möchte, der ist im Naturreservat Bliesgau gut aufgehoben. Hier kannst Du nicht nur wandern gehen, sondern auch radeln. Du erlebst einen einmaligen Mix aus Biodiversität und Geschichte, denn hier kannst Du ein Schloss, eine Burg und auch ein Bergbaumuseum besuchen. Für Radler*innen ist der Glan-Blies-Radweg mit seinen 129 Kilometern ein bekannter und beliebter Radweg, für Wanderer*innen empfiehlt sich die Schlossbergtour mit 14,6 Kilometern oder auch der Blies-Grenzweg mit 15,7 Kilometern. Anschließend kannst Du in der Altstadt von Blieskastel ein kühles Bier genießen und den Tag ausklingen lassen. Wer kann da noch widerstehen?

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