Einmal über die Chinesische Mauer spazieren – wäre das nicht wundervoll? Dieser Unterpunkt findet sich neben einem Besuch bei den Pyramiden und in Machu Picchu auf so vielen Bucketlisten weltweit. Kein Wunder, ist die Chinesische Mauer doch das größte menschliche Bauwerk aller Zeiten und zurecht eines der Sieben Weltwunder der Neuzeit. Auch auf meiner Bucketlist stand dieses Erlebnis ganz weit oben und 2016 konnte ich mir diesen Traum schließlich erfüllen, als es an einem warmen Sommertag von Peking aus losging. Mein Besuch auf der Chinesischen Mauer hat mich sprachlos, ehrfürchtig und so beeindruckt hinterlassen, dass ich mich an jedes noch so kleine Detail scharf erinnern kann. China ist ja schon an sich ein Land der Superlative, doch die Geschichte zu spüren macht dieses Land noch einmal extra-außergewöhnlich. Bei meinem Besuch hatte damals auch alles perfekt mitgespielt: das Wetter war wunderbar, die Reisenden freundlich und aufgeregt, mein ausgesuchter Mauerabschnitt war verhältnismäßig leer und am Ende konnte ich noch mit einer acht Kilometer langen Rutsche an der Mauer heruntersliden. Wie ich meinen Besuch organisiert habe und was Du davon mitnehmen kannst, erfährst Du nun hier!

Zurecht ein Weltwunder: was Du wissen musst

Die Chinesische Mauer wurde ursprünglich im 7. Jahrhundert v. Chr. begonnen, um die Bevölkerung vor nomadischen Reitervölkern aus dem Norden des chinesischen Kaiserreiches zu schützen, welche die Einheimischen mit Raubüberfällen attackierte. Die historische Grenzbefestigung ist zusammen mit den im 14. Jahrhundert erbauten Abschnitten etwa 21.200 Kilometer lang und zieht sich durch Wälder, zerklüftete Berge und über Seen bis hin zum Meer, wo sie endet. Die Mauer erstreckt sich über 15 Provinzen von Gansu über die Innere Mongolei und Peking bis hin nach Lianing. Der Mauerabschnitt zwischen Shanhaiguan, Yumenguan und Yungguan ist mit einer Länge von 3460 Kilometern die längste Mauer der Welt und im Guiness-Buch der Rekorde verzeichnet. Doch nicht nur wegen seiner unglaublichen Länge ist die Chinesische Mauer das größte Bauwerk aller Zeiten – sie ist es auch aufgrund ihrer Masse und ihres Volumens: sie ist gigantisch!

Tipp #1: Wähle die beste Jahreszeit

Die meisten Menschen besuchen die Chinesische Mauer nur einmal im Leben – gute Vorausplanung ist daher unabdingbar! Dies beginnt schon bei simplen Entscheidungen wie etwa die der Reisezeit. Wenn Du ein Sommertyp bist und die Mauer in einem Meer aus tropischen Grüntönen sehen und im T-Shirt herumlaufen möchtest, solltest Du natürlich im Sommer fahren. Im Winter kann alles märchenhaft verschneit sein; vorausgesetzt, es schneit dann auch wirklich. Da Peking im Winter aber auch von furchtbarem Smog heimgesucht wird, kann es hier zur Trübung Deiner Reise kommen – im wahrsten Sinne des Wortes! Der Smog ist so dicht, dass er sich wie eine Decke über die Mauer und die Landschaft legt. Daher solltest Du immer vor dem Buchen schauen, wie das Wetter ist, wie sich die Umweltverschmutzungen verhalten und natürlich auch, wie die Mauer in welcher Jahreszeit aussieht.

Tipp #2: Wähle den richtigen Mauerabschnitt

Nur 8.2% der Chinesischen Mauer sind trotz intensiver Förderung in einem guten Zustand. Glücklicherweise sind 600 Kilometer davon direkt in der Nähe von Peking, sodass es hier verschiedene Möglichkeiten zur Besichtigung gibt, allerdings wird oft immer der bekannteste Punkt ausgewählt: Badaling. Dieser ist nur 70 Kilometer von Peking entfernt, was dazu führt, dass alles hoffnungslos überfüllt ist und Reisende in Massen abgefertigt werden. Lange Warteschlangen und hektisches Gewusel auf dem Mauerabschnitt machen Dir nicht nur Deine Erinnerungen, sondern auch die Andenkenfotos madig. Bessere und weniger frequentierte Mauerabschnitte sind Mutianyu, Simatai, Juyongguan und das zweieinhalb Stunden entfernte Jinshanling. Ich war im Sommer 2016 auf dem Abschnitt in Mutianyu, welchen ich trotz des supertouristischen Eingangsbereiches als ruhig empfand. Es waren zwar einige Reisende da, doch es gab viele Optionen, Fotos zu machen, wo keine Menschenseele zu sehen war. Mit den Fotos von Menschenmassen auf der Mauer hatte es jedenfalls nichts zu tun und ich konnte in Ruhe alles genießen, ohne von den Massen überrannt zu werden.

Tipp #3: Stehe früh genug auf

In eigentlich jedem Reiseführer der Welt findet sich immer wieder ein Satz: stehe früh genug auf, wenn Du Deine Sehenswürdigkeit genießen willst. Ich könnte dem nicht mehr zustimmen! Je früher Du losmachst, desto idyllischer und ruhiger erlebst Du Dein Ziel. Am besten kommst Du vor 8 Uhr morgens schon an und genießt den stillen Morgen, bevor ab 9:30 Uhr die Massen kommen. Zwar ist es in den von mir genannten Mauerabschnitten ruhiger, doch im Tagesverlauf lassen sich auch hier weitaus mehr Menschen feststellen, als am Morgen. Ich war bereits um 7 Uhr an der Mauer und konnte mir somit die Rush Hour in Peking und Stress am Eingangszentrum ersparen.

Tipp #4: Nimm Dir Zeit für den Augenblick

Wenn wir schon über Zeit reden, dann schließt sich dieser Tipp nahtlos an den anderen an: nimm Dir Zeit. Niemand will die Chinesische Mauer im Endspurt sehen müssen, weil Du nicht genug Zeit eingeplant hast. Ich habe den ersten (und vielleicht letzten, was ich nicht hoffe) Tag großzügig ausgelegt gehabt und mir einfach ein unbegrenztes Zeitfenster gesetzt – nach Peking zurück kommst Du schließlich immer irgendwie! Und nicht nur das Herumwandern braucht Zeit; auch das Fotografieren, die Pausen zum Innehalten des atemberaubenden Erlebnisses und der Landschaft, sowie die Pausen zum Mittagessen und Trinken. Außerdem macht nichts mehr ein Erlebnis kaputt, als ein zu straffer Zeitplan.

Tipp #5: Nutze öffentliche Verkehrsmittel

Ich habe oft bemerkt, dass Reisende im Ausland nicht darüber informiert sind, dass es eindrucksvolle Infrastrukturen auch in anderen Ländern gibt. Klar, wir wissen, dass es in Südafrika so gut wie keinen öffentlichen Nahverkehr gibt und wir wissen auch, dass die Züge in Indien nicht nur voll, sondern auch unglaublich langsam sind; aber oftmals wissen wir nicht, dass es auch in Kairo eine gut funktionierende U-Bahn oder eben öffentliche Verkehrsmittel zur Chinesischen Mauer gibt. Und ich spreche hier nicht von Reisebussen, sondern von normalen Buslinien, die von A nach B fahren. Ich habe mich in meinem Hostel einfach genau über die Buslinie und den Abfahrtsort informiert, mir einen Zettel auf Chinesisch schreiben lassen, da Busfahrer und auch viele andere Menschen kein Englisch sprechen, und habe alles ohne Schwierigkeiten gefunden. Einheimische helfen Dir auch mit Händen und Füßen und Navigationsapps tun ihr übriges. Warum also nicht einfach mal den Bus nehmen?

Extra-Tipp: Wenn Du Dir öffentliche Verkehrsmittel in einem Land mit großer Sprachbarriere nicht zutraust, kannst Du Dir auch einen privaten Fahrer mieten. Diese sind gar nicht so teuer wie immer gedacht und die Kosten können mit anderen Reisenden geteilt werden. So vermeidest Du, Dich einer teuren Tour mit Zeitdruck und den Massen anzuschließen.

Tipp #6: Packe Deinen Rucksack sorgfältig

Damit der Ausflug nicht zum Buzzkill wird, packe Dir alles ein, was Du vielleicht brauchen könntest: Hut, Sonnencreme, Regenschirm, Reiseführer, Powerbank und vor allem Essen, Getränke und ein wenig Geld. Natürlich kannst Du auch auf der Mauer Snacks und Getränke aus Kühltaschen von dort herumstehenden Chinesen kaufen und im Besucherzentrum speisen und dinieren wie ein Kaiser, doch wenn Du selbst etwas einpackst, musst Du Dich nicht mit aufdringlichen Kellnern und Kellnerinnen und hohen Preisen herumschlagen. Nimm Dein Geld lieber und kaufe Dir davon coole Andenken, wenn Du so wie ich ein Andenkenfan bist. Ich habe mir damals einen dieser ulkigen Regenschirmhüte gekauft und noch dazu ein schönes, handgemaltes Bild.

Tipp #7 Vermeide die Seilbahn…

Nachdem Du angekommen bist und die erste Aufregung in pure Entspannung umgestiegen ist, kannst Du Dich an den Aufstieg machen. Hier wird eine Seilbahn bereitgestellt, der vor allem älteren Personen, Menschen mit Behinderung und Schwangeren zugutekommt. Ich habe die Seilbahn trotz hoher Morgentemperaturen abgelehnt, da für mich nur der harte Aufstieg per Fuß an die wortwörtliche Formulierung „Die Chinesische Mauer besteigen“ auf meiner Bucketlist herankam. Außerdem hatte einst sogar Mao gesagt, dass der, der nicht auf die Große Mauer gestiegen ist, kein wahrer Mann sei. Leider ist das irgendwie wahr, denn das ist ähnlich der Behauptung, an einem Ort gewesen zu sein, wenn wir nur mit dem Auto durchgefahren sind. Noch dazu dauert der Aufstieg etwas länger als die Nutzung der Seilbahn und Du triffst so gut wie gar keine Menschen. Und auch, wenn die Überraschung jetzt etwas dahin ist: auf dem Weg habe ich wirklich schöne, verzauberte Gärten und eine coole Höhle entdeckt, die sogar mit bunten Strahlern beleuchtet war. Außerdem ist da dann noch das Gefühl, wenn Du oben angekommen bist: Du bist wahrhaftig die Chinesische Mauer hochgestiegen!

Tipp #8: …und nimm für den Abstieg die lustige Rutsche

Ja, Du hast richtig gehört: es gibt an der Mauer in Mutianyu eine Rutsche, mit der Du wieder zum Besucherzentrum zurückdüsen kannst. Was ich für einen Scherz hielt, gibt es wirklich! Es handelt sich hier zwar nicht um eine Rutsche im klassischen Sinne, sondern eher um eine Bobbahn aus sonnenspiegelndem Metall, aber trotzdem ist der Spaßfaktor enorm! Natürlich ist das die volle Touriklatsche, die auch noch acht Euro kostet, aber es war eindeutig mehr wert als überteuerte Speisen in den Restaurants am Besucherzentrum. Die Rutsche kam schon auf ein paar Stundenkilometer und hinter und vor mir konnte ich Menschen in allen Sprachen jauchzen und jubeln hören. Was ein schöner und ulkiger Abschluss eines wirklich historischen Tages in meinem Leben: die Chinesische Mauer war jetzt nicht mehr nur ein weißer Fleck in der Lebenskarte, nur ausgemalt von fremden Erzählern, sie war nun auch endlich Wirklichkeit und schließlich eine unvergessliche Erinnerung geworden!

Deine

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