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Die Bucketlist war immer da. Schon mit 11 Jahren machte ich mir Gedanken, was ich im Leben alles erleben wollte. Auf jeden Fall eine Weltreise, studieren, eine WG gründen, Fallschirmspringen, Heißluftballonfliegen und einen Hund adoptieren. Aus Gedanken wurden irgendwann Worte und ich fing an, alles in einer klassischen Bucketlist festzuhalten. Aus wenigen Einträgen wurden bis zu meinem 25. Lebensjahr ganze 15 Seiten. Ich hatte schon immer einen ausgeprägten Lebenshunger und den Wunsch, alles zu erreichen und nicht nur einen Bruchteil. Und soweit kann ich sagen: als ich mit 30 streng genommen die erste Hälfte meines Lebens erreichte, hatte ich auch schon die Hälfte meiner Bucketlist abgehakt. Nun habe ich noch mindestens 30 Jahre vor mir, die ich für die Erreichung meiner restlichen Ziele eingeplant habe. Wie ich schon so viel abhaken konnte und warum ich nicht für die Zeit Ü60 plane, erfährst Du in diesem Artikel.

Einteilen in Kategorien

Da ich so viele Lebensträume habe, habe ich mir meine Bucketlist in zehn Lebensbereiche aufgeteilt; unter anderem Reisen, Abenteuer, Bildung und Menschen. Ich habe so einen groben Überblick über das erstellt, was wichtig ist. Wer ganz genau sein möchte, der kann diese Unterteilungen noch einmal aufteilen und die wichtigsten Dinge von oben nach unten schreiben. Mir hat es jedoch gereicht, die Unterteilungen an sich erstellt zu haben. Die Kategorien geben Dir nicht nur mehr Übersicht, sondern zeigen Dir auch, was in Deinem Leben eigentlich am wichtigsten ist. Mir hat das besonders am Anfang geholfen als ich noch ganz jung war und nur wusste, dass ich auf jeden Fall die Welt bereisen will. Irgendwann habe ich dann erkannt, was ich genau sehen möchte, worauf ich neben Reisen noch Wert lege und welche meine zwischenmenschlichen Ziele sind, die ich erfüllt sehen möchte. Da ich so viele Träume und Wünsche habe, habe ich die einzelnen Posten jeweils gezählt und oben zur Kategorie (X / Y) geschrieben, also X erreichte Träume von insgesamt Y. Das erleichtert dann die Auswertung, zu der ich nun komme.

Auswerten der Bucketlist

Jedes Jahr Ende Dezember setze ich mich hin und werte meine Bucketlist aus. Was habe ich geschafft und erlebt? Was habe ich nicht abgehakt und wieso nicht? Könnte ich es im nächsten Jahr dann endlich machen? Nach und nach hake ich dann nicht nur ab, sondern trage auch den Ort und das Jahr ein, damit ich mich besser erinnere. Nach meinem Jahresfazit setze ich mich dann direkt an die Planung für das neue Jahr und markiere diejenigen Einträge in einer bestimmten Farbe, die ich dem neuen Jahr zuordne, sodass sie einfacher hervorstechen. Im Laufe des neuen Jahres schaue ich dann gelegentlich immer mal wieder herein um zu sehen, was ich abhaken kann und was ich mir akribischer vornehmen sollte. Mit dieser Methode habe ich es geschafft, jedes Jahr viele neue Dinge zu erleben und einmalige Erinnerungen zu sammeln, an die ich mich bis heute noch kristallklar erinnere.

Dranbleiben und Umsetzen

Damit Du die Erlebnisse der Bucketlist auch wirklich umsetzen kannst, ist es hilfreich, diese auf einem Extrazettel noch einmal herauszuschreiben. Mit der Hand schreiben verbindet Dich mehr zum Inhalt des Textes, als wenn Du es auf einem Computer machst. Dann kannst Du Dir diesen Zettel mit deiner Jahresbucketlist irgendwo hinhängen oder in Deinen Kalender kleben, damit Du diese immer im Blick hast. Wichtig ist dann noch, dass Du die Dinge auch wirklich tust. Scheue keine Kosten, Mühen und Meilen – mach es einfach! Auch, wenn Du Respekt oder Angst vor Dingen hast, wie zum Beispiel ich vorm Fallschirmspringen, nehme es Dir einfach erst recht vor. Die Befriedigung, Erlebnisse abzuhaken und zu wissen, dass Du Deinen Traum wirklich gelebt hast, wird Dich vor Ekstase aus der Welt schießen!

BILD

Die Bucketlist ab 60

So oft habe ich schon gehört: wenn ich erstmal in Rente gehe, dann fängt mein Leben so richtig an! Dann werde ich auf Weltreise gehen und jeden Tag Cocktails schlürfen, mit meinen Enkelkindern spielen und nur das tun, worauf ich Lust habe. Der Gedanke ist ja auch wirklich ganz schön, aber hast Du Dich nicht auch mal gefragt, wieso die Welt denn eigentlich nicht voller reisender Rentner:innen ist? Versteh mich nicht falsch: natürlich haben wir auch mit 60+ noch Träume und Wünsche und werden uns immer noch etwas erfüllen können – jedoch werden dies nur kleine Dinge sein. Dies liegt zum einen daran, dass wir nicht mehr fit und so gesund sein werden, wie wir es heute sind. Als Rentner:in im vollgestopften Localbus in Südostasien zehn Stunden von A nach B fahren? Im Amazonas auf einem wackeligen Nussschalenboot herumcruisen, ohne seekrank zu werden? Berge besteigen, auf Kamelen reiten oder Hitze und starke Kälte ertragen? Also das möchte ich wirklich erst einmal sehen. In den 50 Ländern der sieben Kontinente, die ich bereits bereist habe, habe ich oft Menschen in Ihren 50ern getroffen, doch so gut wie niemanden Ü60. Es gab nur einmal diesen Hippieopa, der sich im Hilltop Club in Goa ein bisschen Acid zum Frühstück gegönnt hat und mega gefeiert hat – das war eine einzige Person… eine Person seit meine Alleinreisen im Jahr 2004 begannen!

Noch dazu wissen wir überhaupt gar nicht, was in 30 bis 40 Jahren passieren wird, bis wir vielleicht in Rente sind. Wer heute nicht privat anlegt, der wird so wenig Rente bekommen, dass durchgeackert werden muss bis in den Sarg; so wie das zum Beispiel in Entwicklungsländern oder den USA der Fall ist. Noch dazu haben wir zwar eine Idee, was wir möchten, doch mehr als zehn Jahre im Voraus denken ist völlig unrealistisch. Eine Krankheit, ein Unglück, Änderung der persönlichen Lebensumstände und Wünsche oder einfach nur weltweite Entwicklungen wie Kriege können wir nicht vorhersagen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele der aktuellen Rentner:innen mal nach Syrien in den Urlaub fahren wollten. Wir können nicht annehmen, dass es nicht noch weitere Länder geben wird, die eines Tages vom Krieg zerfetzt und unbereisbar werden. Darüber müssen wir uns im Klaren sein!

Es ist somit wichtig, dass Du daran denkst, die Bucketlist möglichst vor der Rente abzuhaken. Hebe Dir wenn überhaupt kleine Dinge auf wie zum Beispiel eine Katze adoptieren, sticken lernen oder eine Buchgruppe gründen. Nur die wenigsten werden ab 60 richtig Badass umsetzen und durchziehen. Wenn ich einen Plan für meine goldene Ära habe, dann ist es mein absolut faulenzendes Rentner-Hippiedasein in Indien ohne Pläne, Ziele und Wünsche, wo ich einfach nur mein gelebtes Leben reflektiere und zur Abwechslung mal in den Tag hineinlebe, um spontan sein zu können. Ich möchte den ganzen Tag unter Kokosnusspalmen in Goa liegen und die umherwandernden Kühe vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang beobachten. Ich möchte junge Backpacker:innen treffen, die alles noch vor sich haben und ihnen – wie alte Menschen eben so sind –  von Geschichten aus wilden Zeiten erzählen. Dabei werde ich jeden Tag ein Veg Thali und Paneer futtern und Wein trinken. In dem Wissen, dass ich alles erlebt habe, was ich immer erleben wollte. Und dann ist es auch in Ordnung, wenn die Reise zu Ende geht!

Deine

Polly's Signatur 2019.

 

Bildquelle: Pixabay

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