Ein Turm vom Cardiff Castle in Wales 2017.

Weil ich jetzt bis zum Winter 2018 in London lebe, habe ich mir vorgenommen, bis dahin ganz Großbritannien zu bereisen, da dieses schon immer zu meinen Lieblingsländern in Europa gehörte. Daher habe ich letztes Wochenende eine Motorradtour nach Wales unternommen. Eigentlich wollten wir uns direkt ganz Wales anschauen, doch da wir nur ein verlängertes Wochenende Zeit hatten, haben wir uns in aller Ruhe Südwales angeschaut. Und dort allein gibt es schon eine ganze Menge zu entdecken: einsame Klippen, pittoreske Dörfer mit viktorianischen Friedhöfen und urigen Pubs, atemberaubende Schlossruinen und unglaublich viele Schafe. Wer mal etwas vom Großstadtleben abschalten will und seine Ruhe haben möchte, der ist mit Wales wirklich gut beraten. In diesem Artikel möchte ich als Inspiration nun die schönsten Orte in Südwales mit Dir teilen!

1.Tintern Abbey: atemberaubende Kloster-Ruinen

Die Tintern Abbey – Klosterruine liegt in Tintern, genauer gesagt im walisischen Wye Valley und ist der erste, lohnenswerte Stopp auf einer Tour durch Süd-Wales, sofern Du mit einem Mietwagen von England aus einreist. (Ansonsten wirst Du sicherlich mit Cardiff starten) Die wirklich atemberaubenden Ruinen der Abtei liegen hinter einer ewig langen und kurvigen Waldstraße und erscheinen wie aus dem Nichts. Tintern ist ein wirklich winziges Dorf, welches neben die Ruinen ein Restaurant mit Pub und ein Hotel gebaut hat – mehr gibt es dort eigentlich nicht. Trotzdem ist die Tintern Abbey absolut einen Besuch wert, denn die Abtei wurde 1131 vom Zisterzienser-Orden gegründet und war das erste Zisterzienserkloster in Wales. Es ist gleichzeitig das zweitälteste in Großbritannien und wurde 1536 aufgegeben. Im 19. Jahrhundert wurde die Kloster-Ruine von den Romantikern als Ausflugsziel wiederentdeckt und ab 1901 begannen umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen, um die berühmte Abtei zu erhalten. Mich persönlich beeindruckt das Alter der Abtei, denn es ist kaum zu glauben, dass sie so viele Jahrhunderte überstanden hat und trotzdem noch in einer so guten Verfassung ist. Es gibt nichts Schöneres, als mitten in den Ruinen zu stehen und sich vorzustellen, wie das wohl damals gewesen sein muss. Reisen, Entdecken und in die Geschichte abtauchen machen die Tintern Abbey zu einem absoluten Must-See in Wales!

Die Tintern Abbey in Wales 2017 auf einen Blick.Einfach nur wow: die Klosterruine der Tintern Abbey ist wirklich gigantisch!

Alte Torbögen im Innern der Tintern Abbey in Wales 2017.Im Innern der Tintern Abbey: mit ein bisschen Vorstellungskraft wird klar, welcher Raum das hier mal war!

2. Cardiff: die walisische Hauptstadt

Cardiff ist die mit etwa 346.100 Einwohnern bevölkerte Hauptstadt von Wales und schon allein aus diesem Grund eine Reise wert. Zugegeben: die Stadt ist überschaubar und kann in einem Tag besichtigt werden, doch es lohnt sich allemal. Das Zusammenspiel aus Tradition und Moderne, aus historischen und neuen Bauten gefiel mir richtig gut! In der Innenstadt gibt es alternative Hipster-Restaurants und Shops zu besichtigen, an der Bucht von Cardiff moderne Bauten wie das Millennium Center, welches zugleich das Konzerthaus ist. Was mir an Cardiff am meisten gefallen hat, war jedoch die mittelalterliches Schloss im viktorianischen Stil. Bis zum Spätmittelalter als Burg verblieben, wurde das Bauwerk mehr und mehr zu einem Schloss umgewandelt, in dem es nur noch um das Wohnen selbst ging. Im 18. Jahrhundert wurde das Schloss im Stil des Historismus zu einem prächtigen Herrenhaus umgebaut, weswegen sich hier heute verschiedene Baustile finden lassen. Die heutigen Schlossmauern sind im römischen Stil erbaut worden, während die Apartments im Herrenhaus eindeutig dem Historismus zugeordnet werden können. Doch nicht nur die gepflegte Außenanlage mit dem begehbaren Burgwall überzeugte mich, sondern besonders auch die Innenausstattung. Die besuchbaren Apartments sind wahre Prunkräume und überzeugen mit unterschiedlichen Einrichtungsstilen, welche von Marmorarbeiten über Wandmalereien und Schnitzereien bis hin zu Rippengewölben, prächtigen Kronleuchtern und fantasievollem Interieur reichen. Der Historismus überzeugt hier mit seiner aufwändigen Fantasie, der keine Grenzen gesetzt sind und die sich in den 17 Zimmern deutlich widerspiegelt. Es gibt verschiedene, hölzerne Gewölbe, eine Kuppel und auch ein orientalisch-arabisches Zimmer, was mir neben der Bibliothek am besten gefallen hat. Das Schloss kostet satte zwölf Pfund Eintritt, ist aber jeden Cent wert!

Der Innenhof des Cardiff Castle in Wales 2017.Der Innenhof des Schlosses von Cardiff: eine restaurierte Melange aus dem Hauch der Vergangenheit.

3. Caerphilly Castle: eine Halbtagestour von Cardiff

Eine weitere, tolle Burgruine aus dem Frühmittelalter ist die in Caerphilly. Das Dörfchen liegt nicht einmal eine Autostunde entfernt von Cardiff und kann im Rahmen einer Halbtagestour besichtigt werden. Das historische Bauwerk ist nach der Burg von Windsor die zweitgrößte Burgruine in Großbritannien und besticht mit seinem 12 Hektar großen Wassergraben. Die Burg von Caerphilly war zu damaliger Zeit ein Meisterstück der Militärarchitektur und diente als Vorbild für weitere Burgen in Nordwales. Die Burg wurde um das Jahr 1280 fertig gestellt und war seitdem immer wieder Schauplatz von Eroberungen und Raubzügen. Nachdem verschiedene Adelsgeschlechter die Burg bewohnt, umgestaltet, erweitert und wieder aufgebaut hatten, stoppte erst der Beginn des zweiten Weltkrieges die Unternehmungen. In den 1950er Jahren wurde die Ruine schließlich vollends restauriert und bis auf einen Turm, der im Laufe der Zeit umzufallen droht, ist die Burg bis heute gut erhalten. Für mich war sie zugleich meine erste Wasserburg, die sich perfekt in die Landschaft einfügte. Zugegeben: im Innern ist sie weniger interessant, doch können alle Räume und Innenhöfe besichtigt werden. Mit dem Interieur von dem Schloss in Cardiff ist sie jedoch nicht zu vergleichen.

Das Caerphilly Castle in Wales 2017.Meine erste Wasserburg außerhalb Deutschlands: das Caerphilly Castle ist auf den ersten Blick eine Wucht!

Erinnert an Game of Thrones: ein Drachen liegt vor dem Caerphilly Castle in Wales 2017.Meine kühnsten Game of Thrones-Fantasien werden in jeder Burg und in jedem Schloss wach – doch hier besonders!

 4. Tenby: das berühmteste Seebad von Wales

Tenby liegt an der Carmarthen Bucht und ein beliebter Badeort in Großbritannien, der hauptsächlich in den Ferien und zum Entspannen besucht wird. Neben einem vier Kilometer langen Strand mit bunten Hausfassaden gibt es zahlreiche Restaurants, Pubs und Einkaufsmöglichkeiten und natürlich auch ein bisschen Geschichte: die mittelalterlichen Stadtmauern, die insbesondere seit dem Jahr 1260 immer wieder verstärkt und restauriert wurden, sind immer noch zu sehen. Weitere historische Gebäude sind unter anderem die St. Mary Church und das Tudor Merchant Haus aus dem 15. Jahrhundert. Auch gibt es hier Zugang zum Pembrokeshire Coast Path. Mein Freund und ich waren leider nicht in Tenby, weil die Zeit nicht gereicht hat; doch auf einen Spaziergang entlang des Strandes und einem entspannten Verweilen in eines der Restaurants werden wir noch zurück kommen. Da Tenby auch keine große Stadt ist, ist eine Besichtigung sicher im Rahmen eines halben Tages möglich. Wer dort ist, möchte auch eher entspannen statt erkunden – was mit Sicherheit gut machbar ist!

Das Seebad Tenby in Wales 2017. (Quelle: Pixabay)Für den nächsten Besuch: so sieht ein Sommertag im Seebad Tenby aus.

5. Pembrokeshire Coast Path: einsame Klippen

Der Pembrokeshire Coast Path begann für mich und meinen Freund etwa zehn Autominuten entfernt vom Dörfchen Pembroke. Er ist ein Fernwanderweg, der von Süd-Wales bis West-Wales führt. Er ist 300 Kilometer lang und wurde 1907 errichtet. Da wir nur einen Tagesausflug machen wollten, beschränkten wir uns auf einen Abschnitt, der auch die traumhafte Barfundle Bay mit einschloss. Entlang des Pembrokeshire Coast Paths finden sich Gesteine von vor über 250 Millionen Jahren, Dutzende Pflanzenarten und verschiedene Küstenblumen, die insbesondere im Frühling und Sommer sichtbar sind. Rund um die sattgrünen Klippenwiesen tobt das Meer, welches von Seevögel-Kolonien bewohnt wird. Auf dem Weg zur Barfundle Bay entdeckten wir Überreste von Küstenfestungen und auch Hügelgräber sollten sichtbar sein, jedoch haben wir diese nicht gesehen. Trotzdem waren schon allein die Ruinen der Küstenfestungen ein Highlight, weil ich damit nicht gerechnet hatte. Übrigens wurde die Küste von Pembrokeshire 2011 von National Geographic als eine der schönsten Küsten der Welt bezeichnet – zu Recht wie ich finde! Mich besonders beeindruckt hat die melancholische Einsamkeit, die sich über den Spaziergang ausbreitete wie der graue Himmel als Todeshauch über mir. Fast keine Menschenseele war zu sehen und bis auf den Wind und das rauschende Meer war alles totenstill. Das war genau eine der Sachen, die ich in Wales unbedingt erleben wollte: einsame Klippen, die ins Nirgendwo führen. Es war atemberaubend!

Klippen am Pembrokeshire Coast Path in Wales 2017.Faszinierende Einsamkeit: trotz Herbstwetters bleibt Großbritannien eines meiner Lieblingsländer in Europa…

Küstenfestung an der Barfundle Bay in Wales 2017.…wegen magischen Orten wie diesen. Die Küstenfestung neben der Barfundle Bay hat mich besonders beeindruckt!

Kleiner Tipp: Wer sich nach dem Küstenspaziergang ausruhen möchte, der kann zurück nach Pembroke fahren und dort im Hope Inn einen Cappuccino mit einem Stück Kuchen genießen. Das Hope Inn ist eine Mischung aus Café und Pub und überzeugt mit seinem liebevollen Interieur, was mich sofort an alternative Läden in Berlin erinnert hat. Und wer denkt, die Preise seien auf dem Land höher, der irrt: alles kostete nur ein Drittel von dem, was ich hier in London für Kaffee und Kuchen bezahlen muss.

6. St. Davids: die älteste Kathedrale von Wales

Das beschauliche 1.800 Einwohner Ort St. Davids liegt ganz im Westen der Grafschaft Pembrokeshire, ist die westlichste Stadt in Wales und die kleinste Stadt in Großbritannien, weil sie eine Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert beherbergt – ansonsten wäre sie aufgrund der Größe ein normales Dorf. Es gibt lediglich vier Straßen, die alle zum Marktplatz verlaufen. Die Kathedrale ist die Hauptsehenswürdigkeit von St. Davids und in jedem Falle ein Reise wert. Sie ist die Bischofskirche der Diözese Saint David und war im Mittelalter ein bedeutendes Pilgerzentrum. Immer wieder wurden aufgrund von Kriegen, Eroberungen und der Zeit der Reformation Erweiterungen, Umbauten und das Beheben von Schäden vorgenommen, die bis in das 19. Jahrhundert andauerten. Die Kathedrale von St. Davids ist die größte in Wales und liegt in unmittelbarer Umgebung zu den Ruinen des 1377 gegründeten College of St. Mary und einem Bischofspalast aus dem 14. Jahrhundert. Ich persönlich habe es nicht mehr geschafft, nach St. Davids zu fahren, weil die Zeit nicht ausgereicht hat. Aber für meinen nächsten Wales-Trip habe ich mir vorgenommen, den Ort nachzuholen, bevor ich den Norden erkunde.

Die Kathedrale von St. Davids in Wales 2017. (Quelle: Pixabay)Unbedingt sehenswert: die Kathedrale von St. Davids ist ein Meisterwerk der Geschichte!

 

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Bildnachweise: Das Tenby und St. Davids – Bild stammen von Pixabay. 

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